Umfrage
Privatanleger zeigen mehr Zuversicht

Jeder zweite Deutsche rechnet an den Aktienmärkten mit steigenden Kursen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. Das Problem dabei: Selbst Aktien kaufen will kaum ein Privatanleger. Stattdessen wandert immer mehr Geld in sichere Anlageformen.

HB DÜSSELDORF. Die heftigen Kursverluste an den internationalen Börsen haben bei den deutschen Anlegern Spuren hinterlassen. Das traditionell hohe Sicherheitsbedürfnis der Deutschen ist im Zuge der Finanzkrise noch einmal gewachsen, die Präferenz für als sicher erachtete Geldanlagen ist höher denn je. Gleichwohl gehen viele Anleger davon aus, dass das Schlimmste an der Börse überstanden ist. Laut einer repräsentativen Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der DZ Bank rechnet jeder Zweite mit steigenden Kursen.

Weitere Kursverluste erwartet der Umfrage zufolge nur ein Viertel der Befragten. Damit hat sich der Optimismus im Vergleich zur letzten Erhebung vor drei Monaten verdoppelt. Im tatsächlichen Anlageverhalten schlägt sich diese Zuversicht allerdings nicht nieder: Verglichen mit den vergangenen Monaten scheuen noch mehr Anleger ein Direktinvestment in Aktien. Nur noch 15 Prozent der Befragten erklärten, dass sie zumindest über ein direktes Aktienengagement nachdenken würden. Dagegen käme für drei von vier Deutschen eine Fest- oder Tagesgeldanlage in Frage, wenn sie in den nächsten Monaten 10 000 Euro investieren sollten. 44 Prozent - und damit ein Drittel mehr als noch im August - würden auch den Kauf von Bundesschatzbriefen in Erwägung ziehen.

Die Zahl derjenigen, die in Aktienfonds investieren würden, hat sich laut Infratest-Umfrage seit August von 33 Prozent auf 22 Prozent verringert.Nahezu stabil blieb die Zahl derjenigen, die ein Investment in Immobilienfonds erwägen würden. Sie lag bei 16 Prozent nach 15 Prozent im August. Die Präferenz für Geldmarktfonds und Zertifikate ist von 14 Prozent bzw.15 Prozent im August auf 9 Prozent gesunken.

Das Streben nach Sicherheit der Privatanleger deckt sich mit dem Verhalten institutioneller Investoren. Nach Untersuchungen der Beratungshauses Feri Institutional Advisers haben auch Großanleger zuletzt entgegen ihrer ursprünglichen Planung das Risiko weiter reduziert. Feri zufolge hat jeder dritte Institutionelle trotz geplanter Aufstockung der Aktienquote diesen Anteil im Folgequartal verringert. Feri spricht von Quoten-Verringerungen in den Größenordnungen zwischen zwei und fünf Prozent während der vergangenen zwölf Monate. Die Experten der Gesellschaften befragen monatlich 80 Investoren mit einem verwalteten Vermögen von etwa 300 Mrd. Euro.

"Die Investoren reagieren auf Marktentwicklungen und bauen Aktien ab, ersetzen das durch Geldmarktanlagen und Anleihen", sagt Jürgen Olbermann, Geschäftsführer von Feri Institutional Advisors. Ursprünglich hatte jeder Dritte bis Fünfte Senkungen von Geldmarktanlagen geplant, am Ende erhöhten viele Häuser dann jedoch die Anteile, meist in der Größenordnungen von bis zu zwei Prozent pro Quartal. Ebenfalls im Schnitt gestiegen sind die Anleihequoten, diese allerdings häufig auch geplant.

In der Konsequenz hätten inzwischen "viele Institutionelle keine Risikobudgets mehr", erklärt Olbermann. Diese Einschätzung teilen auch andere Berater. Viele Institutionelle sind wegen interner Vorgaben oder wegen aufsichtsrechtlicher Anforderungen im Zuge der sogenannten Stresstests gezwungen, Kapitalmarkteinbrüchen mit Blick auf die künftigen Leistungsverpflichtungen vorzubeugen. Insbesondere Aktienpositionen müssen dann abgebaut werden.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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