Umfrage unter den größten deutschen und amerikanischen Instituten: Großbanken verbreiten gedämpften Optimismus

Umfrage unter den größten deutschen und amerikanischen Instituten
Großbanken verbreiten gedämpften Optimismus

Boom und anschließender Crash verfehlen selbst fünf Jahre später ihre Wirkung nicht. Nach den wilden Jahren des Überschwangs und Absturzes äußern sich die großen Finanzhäuser allenfalls vorsichtig optimistisch zu den Perspektiven an den Aktienmärkten. Auffällig: Während in Europa die Folgen der Blase noch allgegenwärtig sind, weil Aktien niedrig bewertet und Anleger ängstlich sind, fürchten die Strategen in den USA bereits neue Blasen.

Hb NEW YORK/DÜSSELDORF. Schenkt man den Prognosen der jeweils fünf größten Banken und Investmenthäuser in Deutschland und den USA Glauben, dann wird der Deutsche Aktienindex (Dax) bis Jahresende gut fünf Prozent höher als derzeit notieren. Beim S&P 500 dürfte das Plus mit 5,5 Prozent kaum höher ausfallen. Dieser Wertzuwachs errechnet sich aus dem Durchschnitt aller Prognosen. Auf Grund seiner Zusammensetzung und Berechnung ist vor allem für Profis der S&P-500 der maßgebliche US-Index. Niemand sieht die Börsen fallen oder deutlich steigen. Starke Unternehmensgewinne und abnehmende Sorgen über einen hohen Ölpreis und Euro-Kurs würden einerseits die Aktien beflügeln, sagen die Experten. Andererseits bremse die Befürchtung weiterer Leitzinserhöhungen in den USA die Börsen.

Einhellig meinen die Bankexperten, dass nach der langen Talfahrt zwischen März 2000 und März 2003 die damaligen Übertreibungen weitgehend verschwunden sind. „Die Gewinnmargen der Unternehmen liegen so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr“, sagt Anlagestratege Mislav Matejka von JP Morgan Chase, der zweitgrößten US-Bank nach Bilanzsumme. Während viele Firmen nach dem Platzen der Internetblase Mitarbeiter entlassen und Ausgaben gestrichen hätten, sei nun der Weg frei für höhere Investitionen. Viele US-Unternehmen schieben enorme Bargeldberge vor sich her.

„Mit Stabilisierung der konjunkturellen Frühindikatoren verbessert sich das Umfeld, so dass Aktien künftig etwas höher bewertet sein dürften“, meint Tammo Greetfeld von der Hypo-Vereinsbank. Derzeit sind europäische Blue-Chips – gemessen an den Firmengewinnen – so preiswert wie zuletzt Anfang der 80er-Jahre. Dass die Börsen dennoch nicht kräftiger zulegen dürften, begründen die Strategen mit den Spätfolgen der geplatzten Technologieblase. „Kaum noch jemand glaubt, dass die Börse ihn in kurzer Zeit zum Millionär macht“, sagt Citigroup-Chefstratege Tobias Levkovich. Zwar fließt bereits wieder fast so viel Geld in US-Aktienfonds wie während des Booms, aber die meisten Zuflüsse stammen aus der langfristig orientierten Altersvorsorge.

Die Euphorie von einst ist zumindest in Europa verflogen. An Stelle riskanter Engagements gehen die meisten Anleger auf Nummer sicher. „Wir sehen eine starke Nachfrage nach sicheren Anlagen, Garantieprodukten und Aktien mit hoher Dividendenrendite“, sagt Bernd Meyer von der Deutschen Bank. Er bescheinigt dem Großteil der Anleger nach wie vor eine große Risikoscheu. Nach dem starken Einbruch bis März 2003 hätten fast alle privaten Anleger den ersten Zyklus verpasst: „Wer ist denn schon in den letzten zwei Jahren dabei gewesen, als sich der Dax verdoppelt hat? Vielleicht müssen die Börsenindizes erst in die Nähe ihrer alten Höchststände kommen, um eine neue Euphorie zu entfachen.“ Doch bis dahin dürften noch Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte vergehen, mutmaßen die Bankstrategen. Derzeit notieren die Aktien in Europa knapp 50 Prozent unter ihren Rekordhochs.

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