Umfrage
Ups, Anleger legen ja gar nicht an

Die Krisen der letzten Jahre haben Anleger zutiefst verunsichert. Das Geld wird eher geparkt - auf dem Tagesgeldkonto oder unterm Kopfkissen. Der Wunsch nach Sicherheit hat sich zuletzt sogar noch verstärkt..
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MainzDie Jagd nach Rendite gehört der Vergangenheit an. Die Krisen der letzten Jahre haben verunsichert. "Und wer heute anlegt, will vor allem eins: kein Geld verlieren", sagte Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender der Union Asset Management Holding, auf einer Veranstaltung in Mainz. Laut dem Chef des zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörenden Fondshauses hat das drastische Konsequenzen: "Anleger legen derzeit gar nicht an oder suchen Sicherheit um jeden Preis."

Inzwischen ist für 61 Prozent der Deutschen Sicherheit bei der Geldanlage das wichtigste Kriterium. In den vergangenen Jahren der Finanzkrise hat sich der Sicherheitswunsch noch weiter verstärkt. Das glauben manche Experten auch an den Anleihetrends ablesen zu können. In der eskalierenden Schuldenkrise sind die Renditen der wenigen als sicher geltenden Staatstitel bei kürzeren Laufzeiten inzwischen negativ.

Deutsche Bundesanleihen gehören zu dieser schrumpfenden Gruppe der "sicheren Häfen". Das heißt: Für eine gefühlte Sicherheit der Rückzahlung nehmen Anleger bewusst nominale und erst recht reale Wertverluste in Kauf. Erst gestern rutschten die Renditen beispielsweise der zehnjährigen Papiere auf ein neues historisches Tief.

Weit wichtiger noch ist die Verfügbarkeit geworden. Laut der Umfrage ist sie bereits für 31 Prozent der Privatanleger das wichtigste Auswahlkriterium bei einer Geldanlage. Vor einem Jahr war diese Quote weniger als halb so hoch. Für den stärkeren Wunsch nach schneller Zugriffsmöglichkeit auf das Kapital unter den Privaten dürfte die allgemein gestiegene Unsicherheit eine entscheidende Rolle spielen.

"Die Verunsicherung sitzt tief", konstatierte Reinke denn auch. Jeder dritte Anleger spare weniger als noch vor einem Jahr. "Einmalanlagen werden mit Blick auf die Staatsschuldenkrise derzeit lieber ausgesetzt", sagte Reinke. Das Geld wird seiner Beobachtung nach geparkt, die Entscheidung somit verschoben. Unter diesem Attentismus, manche Fachleute sprechen von Schockstarre, leiden die Absatzzahlen auch anderer großer Fondsgesellschaften. Da ist es nur ein geringer Trost, wenn Reinke bemerkt: "Der Anleger weiß, dass die Krise kein Dauerzustand ist."

Die Lage bei den Sparplänen ist anders als bei den Einmalanlagen. Anleger zahlen hier regelmäßig Beiträge beispielsweise in einen Fonds ein. Sie sorgen damit für das eigene Alter oder für ihre Kinder vor. "Das wollen die Anleger durchhalten", meinte Reinke. Er berichtete von einer weit höheren Hemmschwelle bei der Aufkündigung solcher langfristig angelegten Pläne zum Vermögensaufbau.

Auf diesem Feld wird sogar mehr Geschäft gemacht. Reinke sprach von einer anhaltenden "Renaissance des klassischen Fondssparplans". Für das eigene Haus berichtete er über mehr als 72 000 neue Sparpläne im ersten Halbjahr. Auch andere Fondsgesellschaften vertrauen immer mehr auf dieses Geschäftsfeld. Es hat für sie ebenfalls klare Vorteile: Die einfließenden Geldströme für die Raten sind wesentlich kalkulierbarer als die manchmal heftigen Ausschläge beim übrigen Mittelaufkommen.

Kommentare zu " Umfrage : Ups, Anleger legen ja gar nicht an"

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  • "Weit wichtiger noch ist die Verfügbarkeit geworden. [...] Für den stärkeren Wunsch nach schneller Zugriffsmöglichkeit auf das Kapital unter den Privaten dürfte die allgemein gestiegene Unsicherheit eine entscheidende Rolle spielen."

    Seh ich nicht so. Im Grunde ist es doch ganz einfach:
    Niedriges Zinsniveau: langlaufende Kredite, kurzlaufende Anlagen.
    Hohes Zinsniveau: kurzlaufende Kredite, langlaufende Anlagen.

    Und derzeit sind die Zinsen nun mal extrem niedrig.

  • Plub's
    Was ist die beste Lebensabsicherung, das Geld sofort in Waren umsetzen. Nicht zu den banken schaffen. Kaufen bis der letzte Euro vernichtet ist. Die Politiker machen es mit dem besten Beispiel uns vor, wie man Geld "verbrennen" kann. Diese graue Emminenz, sogenannten "Volksvertreter" haben den Ruin uns eingebrockt. Warum sollen wir dieses Gesindel überhaupt noch wählen, wenn die sich bereichern und das Geld auf ausländische Banken - Schweizer Banken - verbringen und die kleinen Sparer um ihr gespartes Geld mit dem Banken verzocken. Daran ist auch noch die EZB wie auch die Zentralbanken der Länder mit beteiligt, dich sich ihrer Kontrollfunktion immer noch nicht im klaren ist. Frage der Mitverantwortung der Zentralbanker, die sich in dem Gestrüp von Geldmarkt - und Gütemarkt modellen doch auskennen müssten, aber was sagt uns dieses, es ist alles nur Theorie, die Praxis sieht bekanntlich anders aus. Was zurzeit aktuell ist, sieht jeder , dersich tagtäglich mit Wirtschaft auseinandersetzt, GRAUENVOLL !!!!!!
    Na dann, schmeisst den Euro zum Fenster hinaus oder gebt es den "Trinkern", die Wissen, wie man Geldanlagen sinnvoll anlegt, für sich selbst !!!

  • "Der Anleger weiss, dass die Krise kein Dauerzustand ist" Wieviel Lebenslängen werden benötigt, um die unsagbaren Schulden zurückzuzahlen???

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