Umsätze steigen rasant
Zyperns Börse lockt Investoren

Die Finanzmärkte Athen und Nikosia rücken näher aneinander. Seit Anfang des Monats werden zyprische Aktien auch an der Akropolis und griechische Wertpapiere auf der Mittelmeerinsel notiert.

ATHEN. Von der Einführung der gemeinsamen Handelsplattform hoffen beide Börsen zu profitieren: Athen will seine Position als zweitgrößter Finanzmarkt in der Balkanregion festigen und näher zum Konkurrenten Istanbul aufschließen; die Zyprer hoffen, über den Athener Kurszettel stärker ins Blickfeld ausländischer Anleger zu rücken.

Die erste Handelswoche verlief überaus erfolgreich: das Handelsvolumen an der Börse in Nikosia lag bei über 40 Mill. Euro. Damit hat sich der durchschnittliche Tagesumsatz auf einen Schlag verdoppelt. Umgekehrt bekam die Athener Börse aus Zypern Orders von rund zwei Mill. Euro.

Zypern gilt bei Experten als Wachstumsmarkt. Seit Jahresbeginn haben sich die Aktienkurse in Nikosia im Schnitt mehr als verdoppelt. Damit erzielte der zyprische Leitindex nach Peru die weltweit zweitbeste Performance. Getrieben wird der Aufschwung vor allem von Übernahmephantasien in der Bankenbranche. Auf die Finanztitel entfallen rund 87 Prozent der Marktkapitalisierung.

Aber auch der EU-Beitritt Zyperns und die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung der geteilten Inselrepublik treiben die Kurse. „Zypern ist eine Konvergenzstory“, sagt Andreas Kontogouris vom Athener Brokerhaus P+K Securities. Seit der EU-Aufnahme der Insel im Frühjahr 2004 hat sich der Börsenindex in Nikosia verdreifacht.

Wirtschaftlich steht Zypern von allen neuen Mitgliedsländern am besten da. Der niedrige Körperschaftssteuersatz von nur zehn Prozent zieht ausländische Investoren an. Außerdem profitiert die Insel von ihren traditionell engen Beziehungen zu Russland und dem Nahen Osten. Das Wirtschaftswachstum lag im vergangenen Jahr bei vier Prozent. Bei einer Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent herrscht praktisch Vollbeschäftigung. Das statistische Pro-Kopf-Einkommen liegt sogar höher als in Griechenland. Mit einer Defizitquote von 2,5 Prozent und einer Gesamtverschuldung von 67 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) hat Zypern gute Aussichten, wie geplant Anfang 2008 der Währungsunion beizutreten.

An der Börse in Nikosia werden Aktien und Derivate (nicht aber Staats- und Unternehmensanleihen) bereits in Euro notiert. Das war eine der Voraussetzungen für die gemeinsame Handelsplattform mit Athen.

„Mit der gemeinsamen Handelsplattform hoffen wir, eine unserer bisherigen Schwächen ausgleichen zu können, den Mangel an ausländischen Investoren“, sagt Börsenchef Akis Kleanthous. Insgesamt bringen es die knapp 150 notierten Unternehmen auf einen Börsenwert von 10,3 Mrd. Euro. Das entspricht knapp 74 Prozent des zyprischen BIP – und damit ziemlich exakt der Marktkapitalisierung in Athen, die mit 140 Mrd. Euro bei 75 Prozent des griechischen BIP liegt. Was das angeht, sind die beiden Märkte also trotz ihrer unterschiedlichen Größe vergleichbar.

Im November will sich die zyprische Börse in einigen Roadshows internationalen Investoren vorstellen. Die Tournee beginnt am 2. November in London. Zyprische Aktien sind allerdings nichts für vorsichtige Anleger. Die vor zehn Jahren gegründete Börse ist extrem volatil. So verzeichnete der Index 1999 einen Anstieg von 688 Prozent – um im Jahr darauf wieder abzustürzen.

Nicht nur die zyprische Börse, auch die Athens Stock Exchange hofft von der Allianz zu profitieren. Der Athener Kurszettel wird um einige starke Branchen, die bisher unterrepräsentiert waren, verstärkt – zum Beispiel durch Schifffahrt und Tourismus. Der Handel mit zyprischen Dividendenpapieren dürfte daher dem Athener Markt mehr Liquidität bringen.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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