Ungedeckte Pensionen
Milliardenverpflichtungen lasten auf Dax-Konzernen

Ungedeckte Pensionsverpflichtungen lasten auf den Dax-Konzernen. Um die Lücke zu stopfen, setzen die Manager der Pensionskassen vermehrt auf Anleihen. Doch die Strategie könnte in den nächsten Jahren nicht mehr aufgehen.
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Die Dax-Konzerne haben dreistellige Milliardenverpflichtungen gegenüber ihren Arbeitnehmern. Im Jahr 2011 sind die Pensionsverpflichtungen der Dax-Unternehmen um drei Prozent auf 258 Milliarden Euro gestiegen. Davon sind noch bei weitem nicht alle Verpflichtungen durch das Kapital in den Pensionskassen gedeckt. Der Durchschnitt bei den Dax-Firmen liegt bei 65 Prozent – damit hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Insgesamt ist die Deckungsquote im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent gesunken.

Die ungedeckten 35 Prozent der Verpflichtungen müssen aus dem freien Kapital gezahlt werden. Dieses schwankt jedoch je nach Firmenstrategie zwischen fünf und 90 Prozent. Brenzlig wird es, wenn „ein Großteil des operativen Cash Flows für Rentenzahlungen“ aufgewendet werden muss, sagt Herwig Kinzler, Leiter Investment Consulting der Unternehmensberatung Mercer.

Die Pensionsverpflichtungen, und die Frage wie viele davon gedeckt sind, sind nicht nur für Arbeitnehmer der Dax-30, sondern auch für Anleger interessant. Anleger behalten die Pensionsverpflichtungen im Auge um abschätzen zu können, wann große Zahlungen auf den Konzern zukommen, die den Aktienkurs belasten könnten.

Für den Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach sind die Pensionen der Dax-Konzerne ein entscheidendes Anlagekriterium. Bei der Bewertung einer Aktie behandelt er ungedeckte Pensionsverbindlichkeiten wie Finanzschulden. „Pensionskassenlöcher, die wie im Falle Thyssen-Krupp, Lufthansa oder Alcoa die Hälfte des Börsenwerts ausmachen, sind ein K.o.-Kriterium“, sagt Flossbach. Das könnte ein Grund dafür sein, warum Thyssen-Krupp und Lufthansa in den vergangenen Jahren zu den schwächsten Aktien im Dax zählten. Die Aktien des Stahlherstellers verloren 40 Prozent in den vergangenen fünf Jahren, die der Fluglinie mehr als 50 Prozent.

Das Geld in den Pensionskassen wird allerdings nicht einfach inflationär gehortet, sondern in den meisten Fällen aktiv gemanagt. Um die Renten der Angestellten vor der Inflation zu retten, sollen die Pensionskassenmanager möglichst hohe Renditen erzielen. 2011 haben die Manager dies gerade noch geschafft und eine Rendite von drei Prozent erreicht. 2011 lag die Inflationsrate allerdings bei 2,3 Prozent. Dabei setzten die Verwalter vermehrt auf Anleihen.

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Die Anlagestrategie der Pensionskassen

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  • diese situation ist das ergebnis einer völlig maroden politik seit jahren, egal durch welche unfähige partei. damit dieser bürokraten und beamtenstaat durchfinanziert werden konnte wurde die finanzierbarkeit von pensionslasten in den betrieben, wie auch bei den privatpersonen hinten angestellt, damit eine besteuerungsgrundlage zum einkassieren von steuern vorhanden war. das ergebnis sind die jetzt zu tage tretenden phänomene wie altersarmut und unfinanzierbarkeit von betrieblichen pensionen. die überversorgungen von beamten und politiker gehören schleunigst zurück gefahren. es muß eine grundrente für alle her. wer mehr haben möchte muss selbst dafür sorgen. für die übergangszeit muss ein steuerfinanzierter fonds für ausgleich schaffen. mit den etablierten raffkes die momentan regieren wird dies allerdings kaum zu machen sein. erst muß der karren total an die wand gefahren sein.

  • Ja und, dann werden die Betriebspensionen halt nicht mehr ausgezahlt obwohl eingezahlt. Der EU, Club Med und dem Euro sei Dank. Da ist mir jedes Opfer recht. Da bin ich ganz weltoffen!!

  • Es ist letztlich das gleiche Pulvergemisch wie bei den staatlichen Pensionen. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass die DAX-Unternehmen immerhin schon einmal "etwas" zur Seite gelegt haben.

    Es ist keine Schadenfreude, aber Draghi hat jede Altersvorsorge mit seiner Niedrigzinspolitik kaputt gemacht. Solange sparen keine Wertschätzung genießt, macht es keinen Sinn etwas zur Seite zu legen. Zins, nahe Null ist die Steigerung eines Realzinses unter der Inflationsrate und erst recht ein Zins unter der Inflationsrate.

    Es ist so ziemlich das unsozialste, was man sich ausmalen kann, wenn man bedenkt, dass sich die Beamten immer aus dem vollen bedienen während immer mehr in die Altersarmut abtreiben. Überspitzt ist es aus dem Blickwinkel der Alterssicherung geschickter nichts zu produktives zu leisten, Beamter und noch besser Politiker zu sein, als sich einen krummen Buckel vor lauter Arbeit zu verdienen.

    Das kann nicht gut gehen, wenn die Leute erst einmal merken, was abgeht. Es ist ethisch und moralisch unverantwortlich.

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