Unheimliche Aktienrally Warum die Kurse plötzlich fallen

Die US-Börse zeigt sich nervös, die deutschen Kurse schwächeln ebenfalls. Die Anzeichen für eine Überbewertung der Aktien mehren sich. Ist das nur eine einfache Korrektur oder ein Abgleiten in den Bärenmarkt?
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Ein Bild mit Seltenheitswert in den vergangenen Handelstagen: Der deutsche Leitindex fällt wieder. Diese Korrektur könnte etwas länger dauern. Quelle: dpa
Dax-Chart

Ein Bild mit Seltenheitswert in den vergangenen Handelstagen: Der deutsche Leitindex fällt wieder. Diese Korrektur könnte etwas länger dauern.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/New YorkDie US-Aktienmärkte haben am Dienstag den größten Kursrückgang seit einem halben Jahr erlebt. Der Leitindex Dow Jones Industrial schloss mehr als ein Prozent tiefer bei 20.668 Punkten – zuletzt war es im September vergangenen Jahres derart kräftig bergab gegangen. Der Index ging überdies fast auf seinem Tagestief aus dem Handel.

Entsprechend sind auch die Kurse am deutschen Aktienmarkt gefallen. Der Dax eröffnete am Mittwoch 0,7 Prozent schwächer und damit unterhalb der Marke von 11.900 Punkten. Er hat damit fast die gesamten März-Gewinne wieder abgegeben. Vor allem Bankaktien verloren deutlich an Wert. In den USA fielen die Papiere der Titel von Bank of America sogar um 5,8 Prozent, am hiesigen Markt fielen die Papiere der Commerzbank um mehr als zwei Prozent.

So viel schütten die Dax-Unternehmen aus

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+55,46 +0,45%
Chart von DAX ®
Dax
1 von 31

Die diesjährigen Hauptversammlungen der 30 Dax-Konzerne versprechen rekordhohe Ausschüttungen – insgesamt knapp 31 Milliarden Euro. Voraussichtlich 21 Konzerne erhöhen ihre Dividende.

Die Rendite im Dax liegt im Mittel seit dem Jahr 2004 bei gut drei Prozent. Sehen Sie die Einschätzung zur Dividende – sortiert nach der (geschätzten) Höhe der Dividendenrendite aller Firmen.

Mehr dazu lesen Sie auch in dieser ausführlichen Handelsblatt-Analyse.

PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000PSM7770
Börse
L&S

-0,09 -0,27%
+31,44€
Chart von PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Pro Sieben Sat1
2 von 31

Pro Sieben Sat1: Die höchste Dividendenrendite gibt es direkt vom Dax-Aufsteiger 2016. Mit erwarteten 1,91 Euro je Aktie schüttet das Medienunternehmen damit 80 bis 90 Prozent des bereinigten Konzernüberschusses aus. Das ist für Dax-Unternehmen jedoch die absolute Ausnahme.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 1,80 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 1,91 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,9 Prozent

*geschätzt

DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007100000
Börse
L&S

-0,02 -0,03%
+72,29€
Chart von DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Daimler
3 von 31

Daimler: Der Automobilkonzern aus Stuttgart ist auch deswegen interessant, weil die Experten hier in diesem Jahr mit der höchsten Ausschüttungssumme rechnen – nämlich bis zu 3,5 Milliarden Euro.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 3,25 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 3,25 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,6 Prozent

*geschätzt

ALLIANZ SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008404005
Börse
L&S

+0,69 +0,36%
+190,97€
Chart von ALLIANZ SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Allianz
4 von 31

Allianz: Der Versicherungskonzern aus München glänzt auch in diesem Jahr wieder mit einer stattlichen Dividendenrendite. In den letzten zwölf Monaten konnte der Kurs der Aktie um gut sechs Prozent zulegen.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 7,30 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 7,50 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,82 Prozent

*geschätzt

MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008430026
Börse
L&S

+0,47 +0,26%
+182,33€
Chart von MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Münchener Rück
5 von 31

Münchener Rück, ein Dividenaristokrat: Seit 1969 hat der Rückversicherer aus München seine Dividende nicht mehr gesenkt und pflegt damit die wohl längste Tradition im Dax. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass sich das im kommenden Jahr ändern wird.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 8,25 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 8,50 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,9 Prozent

*geschätzt

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
L&S

+0,21 +0,24%
+88,21€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
BMW
6 von 31

BMW: Der Autobauer aus München darf für das abgelaufene Jahr wieder von einem Rekordgewinn ausgehen. Der Grund: Die teure 7er-Reihe verkaufte sich hervorragend. Der Konzern würde damit zum siebten Mal in Folge seine Ausschüttung erhöhen – wenn auch nur leicht.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 3,20 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 3,23 Euro
Dividendenrendite 2017*: 3,7 Prozent

*geschätzt

DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005557508
Börse
L&S

+0,03 +0,26%
+13,19€
Chart von DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Telekom
7 von 31

Deutsche Telekom: Die Aktie des Telekommunikationsunternehmens aus Bonn hat sich seit Anfang Dezember wieder erholt. Die Aktionäre können sich entscheiden, ob sie die Dividende ausgezahlt oder als neues Aktienpaket bekommen wollen. Im vergangenen Jahr wollten 41 Prozent der Anleger neue Aktien.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 0,55 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 0,60 Euro
Dividendenrendite 2017*: 3,7 Prozent

*geschätzt

Zwei Dinge belasten die Märkte: Zum einem wachsen die Zweifel an einer raschen Umsetzung der Wirtschaftspläne von US-Präsident Donald Trump. Selbst die größten Optimisten registrieren langsam, dass Trump mit seinen Reformplänen in der Umsetzung Schwierigkeiten habe, sagte Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets UK. Dies gelte sogar für das Gesundheitssystem – dabei gilt für die Abschaffung von Obamacare unter Republikanern große Zustimmung. Andere Reformen, etwa der Steuern oder der Bankenregulierung, sowie Infrastrukturausgaben könnten daher noch ferner in die Zukunft verschoben werden.

Das zweite Thema, das die Märkte bewegt, ist die US-Notenbank. Während sonst steigende Leitzinsen oft genug schlecht für Aktien sind, war es in den vergangenen Wochen umgekehrt. Die Aussicht auf Zinserhöhungen durch die Fed beflügelte die Börse, besonders die Papiere der Banken. Doch nach der Zinserhöhung der vergangenen Woche sagte Fed-Chefin Janet Yellen nichts zur weiteren Zinsentwicklung. Die Enttäuschung darüber traf am Dienstag gerade die Bank of America so hart, weil deren Geschäft besonders stark von noch höheren Zinsen profitieren würde.

Zudem werden die steigenden Kurse vielen Anlegern allmählich unheimlich. Bei einer neuen Umfrage von BofA Merrill Lynch unter Fondsmanagern halten 81 Prozent die US-Aktien für überbewertet. Das ist der höchste Wert seit 17 Jahren. Europäische Aktien halten sie dagegen für unterbewertet, ebenso Titel der Schwellenländer. Der S&P 500 liegt zwischen 2300 und 2400 Punkten und damit schon in der Spannbreite, den viele Banken als Ziel fürs Jahresende angesetzt hatten.

Doch es spricht derzeit vieles dafür, dass es sich nur um einfache Korrektur handelt. Die wichtigste Kennzahl für den gesamten Kapitalmarkt ist die langfristige Anleihen-Rendite, vor allem der Prozentsatz bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen. Dass die US-Aktien schon seit langem hoch bewertet sind, liegt vor allem daran, dass die Anleiherendite so niedrig ist. Denn wenn bei Anleihen nichts zu holen ist, sind Anleger bei Aktien mit weniger Gewinn zufrieden.

Wann ein Bärenmarkt kommen könnte
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21 Kommentare zu "Unheimliche Aktienrally: Warum die Kurse plötzlich fallen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Noch was: Was hier als "Plutokratie" bezeichnet wird, ist tatsächlich jedoch eine besonders verheerende Form des KORPORATISMUS - es ist ein Geklüngel zwischen Staat und Konzernen. Und dieses Geklüngel ist im Finanzwesen mit am stärksten ausgeprägt. Das beste Beispiel: das US-amerikanische Federal Reserve System (alleine mit der Wahl dieses Begriffes hat man schon die Leute genial verscheißert: es ist nämlich weder "föderal" noch hat es irgendwelche "Reserven"): es ist ein privates Banken-Oligopol, das symbiontisch MIT der ReGIERung und GEGEN das amerikanische Volk kollaboriert, den die Fed LEIHT der Regierung Geld (gegen Zinsen). Zusätzlich kassieren die (privaten!!!) Anteilseigner der Fed eine jährliche Dividende von 6% :
    "...the stockholders of the bank shall be entitled to receive an annual dividend on paid-in capital stock of-- 6 percent."
    https://www.federalreserve.gov/aboutthefed/section7.htm
    Finden Sie heute mal eine Bank, die Ihnen für NULL RISIKO jährlich 6% Dividende zahlt!!
    Und nochmal: das ist keine Plutokratie, sondern Korporatismus, weil alleine der Staat die ZWANGSMITTEL besitzt, um die Bürger einmal für das Wuchern des Staatsapparates und zweitens für den Vermögenstransfer zu einem Banken-Oligopol auszuplündern. Und Korporatismus hat nichts, aber auch gar nichts, mit einer Freien Marktwiretschaft zu tun!


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Nur die Rendite zählt und nicht der Herz Jesu Sozen Crist Ha Ha Ha
    1. Gold und Silber lieb' ich sehr,
    kanns auch sehr gebrauchen,
    hätt' ich nur ein ganzes Meer,
    mich hinein zu tauchen;
    Jungfernschaft und Glück und Glas
    sind der Dinge Dreie
    stößt man z mit Manneskraft
    sind es nur noch zwei,
    doch wer beim ersten Coitus
    muß zahlen Alimente
    |:der ist ein Rhinozeros
    und wahrlich kein Studente.:|

  • @Herr Old Harold, 22.03.2017, 15:19 Uhr

    "Geld selbst ist nicht schlecht."

    Ich habe doch gar nicht gesagt, dass Geld schlecht sei.

    Es ist einfach nur ein (notwendiges) Instrument der Wirtschaft, die wiederum die Lebensgrundlage aller Menschen ist (schließlich lebt niemand von klein auf völlig auf sich allein gestellt irgendwo in der Wildnis). Aber bestimmt kein Lebensinhalt.

  • @ Annette Bollmohr

    Eine hervorragende Rezension zu einem Buch Roland Baaders trägt folgende Überschrift:
    "HABEN WIR DENN JEMALS IM KAPITALISMUS GELEBT?"

    - Ist es eher Kapitalismus oder Sozialismus, wenn wir z.B. kein Geldsystem mit freiem Marktgeld haben, sondern ein Zwangs-Monopol-Schuldgeldsystem, das von zentralistischen ZENTRAL(sic!)-Banken gesteuert wird?
    Und das ist eine exakte 1:1-Übernahme einer der 10 Forderungen aus dem KOMMUNISTISCHEN MANIFEST von Marx / Engels:
    >> "5) Centralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol."<<
    https://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei_(1848)

    - Ist es eher Kapitalismus oder Sozialismus respektive Kommunismus, wenn wir z.B. hier in der BRD mittlerweile eine STAATSQUOTE von weit über 50% (ca. 57%) haben, wobei 0% Staatsquote eine Freie Marktwirtschaft bedeutet und 100% Staatsquote Kommunismus bedeutet?

  • @ Frau Annette Bollmohr

    Geld selbst ist nicht schlecht. Schlecht ist nur, was manche Menschen damit anfangen.

    Gutes kann man mit Geld anfangen, wenn man es in zinslose Mikrokredite über kiva.org investiert und damit Menschen in der 3. Welt hilft, sich selbständig zu ernähren.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @ Herrn Otto Berger

    Danke für den "Welt"-Artikel. Sehr gut !

  • ..., inzwischen fast vollends zur Plutokratie degeneriert (und somit marode) ist, kann die Rolle des GELDES darin ...

  • Da das System des „demokratischen Kapitalismus“, das sich nach dem (zwangsläufigen) Scheitern des Sozialismus sukzessive fast überall auf der Welt etabliert hat inzwischen fast vollends zur Plutokratie degeneriert (und somit marode) ist, kann die Rolle des Geld darin auch nicht gesünder sein.

    Es kann nicht länger sein, dass der Zugang oder Nicht-Zugang zu diesem Instrument – nichts anderes ist Geld – für so viele Menschen und ganze Völker eine Existenzfrage ist.

    Mit der Entwicklung einzelner Märkte hat dies alles eher wenig zu tun, denn die aus dieser Tatsache (das Haben oder Nichthaben von Geld als Existenzfrage) resultierenden Folgen – Misstrauen, Kriege, Gewalt, Zerstörung von Umwelt und Kultur – sind ein globales Problem.

    Die Lösung kann daher wohl nur sein, die Rolle des Geldes in unserem Wirtschaftssystem grundsätzlich neu zu definieren.

    Aktien von Unternehmen, die sich an den tatsächlichen und wirklichen Bedürfnissen der Menschen orientieren (und deren Produkte eben deshalb immer nachgefragt werden) sind deshalb immer eine gute Anlage.

    Egal, was die Märkte gerade machen. Wer in der glücklichen Lage ist, genug Geld zum Anlegen übrig zu haben, sollte dieses idealerweise dazu nutzen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass alle anderen, die die (noch) nicht in dieser Lage sind, auch darein zu versetzen.

    Geld allein macht nämlich nicht wirklich glücklich. Ein funktionierendes Zusammenleben mit allen und ohne die ständige Konfrontation mit immer neuen Horror-Meldungen über (meist menschengemachte) Katastrophen, Zerstörungen und Verwüstungen dagegen schon.

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