Union Investment Fonds-Chef Jesch zur Börse: Viele Anleger sind misstrauisch

Union Investment Fonds-Chef Jesch zur Börse
Viele Anleger sind misstrauisch

Der Fondschef des genossenschaftlichen Anbieters Union Investment über die aktuelle Börsenschwäche, China als gefährliche Wachstumsbremse und die Rolle der Europäischen Zentralbank.

Frankfurt am MainDie großen Finanzmärkte der Welt kennen im noch jungen Jahr 2016 nur eine Richtung: nach unten. Beispiele gefällig? Der US-Index Dow Jones hat seit Jahresbeginn acht Prozent verloren, der japanische Nikkei stürzte um 14 Prozent ab, die Börse in Frankfurt um 13 Prozent. Als maßgeblich für die weltweiten Verluste zählt neben dem weiter stark fallenden Ölpreis – ein Barrel Öl kostete zuletzt nur noch ein Viertel von seinem Ausgangswert im Juni 2014 – auch die Volksrepublik China. Der Fall seiner Börsen hat die Finanzmärkte ins Wanken gebracht. Der chinesische Leitindex CSI 300 hat seit Jahresbeginn 15 Prozent eingebüßt. Weltweit sind Anleger nervös. Das zeigt auch die hohe Volatilität an den Märkten.

Herr Jesch, was bedeuten die Ausschläge an den Börsen und die bekanntgegebene Wachstumsverlangsamung in China tatsächlich, vor allem für die Entwicklung der Finanzmärkte?

Es stimmt zwar, dass sich Chinas Wachstumsdynamik abschwächt. Das ist aber kein Grund zum Alarmismus. Mit der erwarteten Abschwächung kommen die Finanzmärkte klar. Eine harte Landung, also ein Absturz der chinesischen Wirtschaft, wäre etwas anderes. Aber damit rechnen wir nicht.


Und warum nicht?
Es ist Zeit für eine Versachlichung der Debatte. Die Abwertung des Yuan ist zum Beispiel einem guten Teil der Umstellung auf ein neues Währungsregime geschuldet. Peking steuert den Wechselkurs nämlich nicht mehr allein gegen den US-Dollar, sondern gegen einen Währungskorb. Und gegen diesen Korb hat die chinesische Währung wesentlich weniger stark abgewertet. Die Schwäche des Yuan ist also vor allem auch eine Folge der Stärke des US-amerikanischen Währung, des „Greenback“.


Aber das Wachstum in China schwächt sich ab…
Sicher, die Umstellung der chinesischen Volkswirtschaft auf mehr Binnenorientierung kostet erstmal Dynamik. Langfristig ist es trotzdem der richtige Schritt, auch wenn es die Weltwirtschaft vorübergehend belastet. Eine globale Krise wie die Finanzkrise im Jahr 2008 droht dadurch aber nicht – zumal die Pekinger Führung allerhand Instrumente zur Abmilderung der Negativeffekte hat.


Das Kieler Forschungsinstitut IfW äußerte am Dienstag massive Zweifel am Gehalt der Wachstumszahlen aus China und hat selbst deutliche pessimistischere Prognosen abgegeben. Wie glaubwürdig sind die Rahmendaten aus dem Land, die Ihnen als Großinvestor ja als Grundlage für Ihre Anlagestrategie dienen?
Auch wir stehen den offiziellen Zahlen aus Peking eher skeptisch gegenüber. Daher erstellen unsere Volkswirte eigene Prognosen, die in unsere Anlagestrategie einfließen.

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