Unter der Lupe: Singulus
Zweifel am Höhenflug

Als vor kurzer Zeit eine Vorentscheidung im Konkurrenzkampf um das DVD-Format der Zukunft fiel, galt der Maschinenbauer Singulus als einer der Gewinner. Blu-Ray konnte sich gegen HD-DVD durchsetzen und Singulus hat frühzeitig auf Produktionsanlagen für Blu-Ray gesetzt. Analysten sehen diesen Höhenflug jedoch nicht uneingeschränkt positiv.

FRANKFURT. Dem Kursfeuerwerk der ersten Januar-Tage ist inzwischen Ernüchterung gewichen: Fast 50 Prozent ist die Singulus-Aktie in die Höhe geschossen, als bekannt wurde, dass sich mit dem US-Giganten Warner Bros. das größte Hollywood-Studio für das Speichermedium Blu-Ray entschieden hat, für das das Unternehmen aus Unterfranken die Produktionsmaschinen herstellt. Genauso schnell ist die Euphorie wieder verflogen, als Analysten einige Tage später nachgerechnet hatten, was das für die weitere Zukunft der im TecDax vertretenen Aktie bedeutet.

Statt dem Strohfeuer herrscht inzwischen gesunder Realismus. Als positiv werten Börsianer derzeit vor allem, dass in der lange Zeit umkämpften Entscheidungsschlacht bei der Weiterentwicklung der bisherigen DVD zwischen den Formaten HD-DVD und Blu-Ray eine Vorentscheidung gefallen ist. Das muss indes für die weitere Entwicklung der Singulus-Aktie noch wenig bedeuten. Hauptgrund dabei: "Blu-Ray wird nie das Volumen der derzeitig aktuellen DVD erreichen", sagt der Analyst einer deutschen Großbank, der im Moment an einer neuen Studie schreibt und deswegen nicht genannt werden möchte. Hintergrund dessen ist, dass die Weiterentwicklung zu dem neuen Format für den Großteil der Nutzer nicht als Notwendigkeit angesehen wird, gilt doch der bisherige Standard schon als hoch, so dass die Neuerung vor allem Technikfreaks anspricht. "Die aktuelle Entwicklung ist nicht mit der früheren Umstellung von der Video-Kassette auf DVD zu vergleichen", sagt der Experte.

Das Gros der 15 Analysten, die die Singulus-Aktie beobachten, äußert sich deshalb zurückhaltend. Neun von ihnen raten zum Halten der Aktie. Das liegt daran, dass das abgelaufene Jahr für Singulus vermutlich mit einem gerade noch positiven Ergebnis zu Ende gegangen ist, was bei den Aktionären eine herbe Enttäuschung darstellte. Auslöser war die Zurückhaltung bei der Anschaffung neuer Produktionsmaschinen für Blu-Ray-DVDs. Immerhin kostet eine Anlage über 1,5 Mill. Euro. Malte Schaumann vom Hamburger Analysehaus SES Research rechnet beispielsweise damit, dass der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) nur noch bei 300 000 Euro liegen wird. Zwar soll es seiner Ansicht nach in diesem Jahr einen gewaltigen Sprung auf 22,4 Mill. Euro geben. Dieser Sprung ist jedoch vor allem darauf zurückzuführen, dass das übernommene Solar-Unternehmen Stangl erstmals voll konsolidiert wird. Das haben jedoch alle Analysten bereits in ihre Prognosen einbezogen und kommen als fairen Wert für die Aktie auf kaum mehr als die aktuell knapp über neun Euro, die die Singulus-Aktien gestern kosteten.

"Das Kerngeschäft der übrigen Anlagen zur Produktion von DVDs, CDs etc. dürfte dagegen keine wesentlichen Steigerungsraten aufweisen", sagt Schaumann. Denn dem stehen zwei Faktoren entgegen: Zum einen schmilzt mit dem anvisierten Übergang zum Blu-Ray-System das angestammte DVD-Geschäft für Singulus. Zum anderen besteht nach wie vor die Kernfrage, ob der Kunde das neue System überhaupt annimmt. "Entscheidend ist, wieviele Aufträge Singulus für die Maschine bekommt. Die gibt es jedoch erst, wenn sich der Massenkonsument für das neue System entscheidet", sagt Alexandra Hauser von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Denn mit der Entscheidung dafür muss bei ihm auch die Entscheidung für ein entsprechendes TV- und Abspielgerät verbunden sein, was schnell zu Kosten von 2 000 Euro und mehr führen kann. "Der Kunde ist vermutlich viel behäbiger, als es sich die Industrie wünscht", sagt Alexandra Hauser.

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