Untergangspropheten
Jakobsen: „Dax rutscht auf 3 000 Punkte“

Steen Jakobsen ist Chef-Anlagestratege der Saxo Bank in Kopenhagen. Er sagt, dass die Wirtschaftskrise die Aktienkurse weltweit weiter drücken wird. Besonders hart werde es die Schwellenländer treffen.

Wohin steuert die Wirtschaft?

Wir haben im vergangenen Jahr Abschied genommen von einer drei Jahrzehnte langen Periode, in der Kredite und immer niedrigere Zinsen die größten spekulativen Exzesse aller Zeiten erzeugten. Jetzt steht ein enormer deflationärer Schub mit einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosenzahlen ins Haus. Mit den fallenden Konsumausgaben sehen wir weiter abrutschendes negatives Wirtschaftswachstum - auf Sicht der nächsten zwei bis drei Jahre. Die extreme Ausweitung der Geldmengen dürfte dann jedoch in eine massive Inflation münden.

Was passiert an den Kapitalmärkten?

Anleger werden noch risikoscheuer und kaufen weiter Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kann von jetzt drei auf zwei Prozent fallen. US-Aktien bleiben auf Talfahrt: Der S&P-500-Index stürzt um weitere 40 Prozent auf 500 Punkte, der Dax sieht nach einem ähnlichen Rutsch die 3 000 Zähler. Für die Börsen der Schwellenländer sieht es sogar düsterer aus. Die Rohstoffpreise fallen noch einmal, Öl bis auf 25 Dollar je Barrel. Zur besten Anlage des Jahres küren wir kurz- bis mittelfristige Staatsanleihen: Nur das Überleben zählt.

Wie geht es gesellschaftlich und geopolitisch weiter?

Vielen Ländern mit besonders starken Wirtschaftseinbrüchen droht Zahlungsunfähigkeit. Wir schauen auf die baltischen Staaten und Osteuropa, aber auch ölabhängige Länder wie Russland, Venezuela und Iran - die meisten Öl-Exportländer haben in den Boomjahren eine miserable Wirtschaftspolitik betrieben. Insbesondere im Iran ist die Lage prekär, weil die Abhängigkeit von einem hohen Ölpreis am stärksten ist. Kapitalmangel und Versorgungsschwierigkeiten könnten das Land in eine Revolution stürzen. Iran ist 2009 das größte geopolitische Pulverfass.

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