Unternehmen wappnen sich für anstehende Konzentration der Branche
Chinas Autohersteller fahren auf Hongkongs Börse ab

Chinas mittelgroße Autofirmen versuchen, sich noch schnell an die Börse zu retten, bevor massive Überkapazitäten in dem rasant wachsenden Markt eine Konsolidierung erzwingen und viele Hersteller aus dem Markt befördern. Die Beratungsgesellschaft KPMG sagt schon für 2005 riesige Überkapazitäten vorher. Die Regierung will per Gesetz den Marktanteil lokaler Autoschmieden bis 2010 auf 50 % hochfahren. In diesem Umfeld kann nur überleben, wer solide finanziert ist.

PEKING. Chinas viertgrößter Hersteller nach Volumen, die Avi-China Industry and Technology, begann gestern in Hongkong eine Präsentationsrunde für die anstehende Ausgabe von H-Aktien im Wert von 150 Mill. US-Dollar. Das Unternehmen will bis 2007 stark expandieren und braucht dafür Geld von den Banken. Das bekommt es leichter, wenn zuvor mit dem Erlös des Börsengangs die Verschuldung gedrückt wird.

Auch Changcheng Auto, der drittgrößte Hersteller von Multifunktionsfahrzeugen (SUV), soll ein Börsendebüt im Umfang von 150 Mill. Dollar im November planen. Die meisten Autohersteller schielen auf die Börse in Hongkong, weil es für die Ausgabe von A-Aktien an den Börsen in Schanghai und Shenzhen lange Warteschlangen gibt und die Börsenaufsicht den Reigen der Debütanten bremst, um den schwachen Markt nicht zusätzlich zu belasten.

In China gibt es, obwohl Analysten seit Jahren eine Bereinigung vorhersagen, über 120 Hersteller. Deren Kapazität wächst doppelt so schnell wie die Nachfrage, die von Januar bis September im Jahresvergleich immerhin um 70 % zunahm. Volkswagen, mit knapp über 30 % immer noch Marktführer bei PKW im Reich der Mitte, hatte vor drei Monaten angekündigt, seine Fertigungskapazität in den kommenden fünf Jahren auf 1,6 Mill. Einheiten zu verdoppeln. Auch andere ausländische Konzerne wie General Motors, Ford oder Honda wollen ihre Produktion in China massiv steigern.

Morgan Stanley in Hongkong bescheinigt dem Markt daher drei besondere Risiken: Enormen Preisdruck, Überinvestitionen und das Ende lokaler Hersteller, die keine eigenen Marken etablieren können.

Vizeministerpräsident Zeng Peiyan, vormals einer der Top-Planer in China, präsentierte vor wenigen Tagen den Chefs führender Autohersteller in China die viel beachtete Blaupause für die Zukunft des chinesischen Autosektors. Das Papier soll vor Jahresende verabschiedet werden. Hohe Mindestinvestitionen und ein Stopp für neue Autoprojekte sollen die Kernthemen sein, um die wilde Expansion der Fertigungskapazitäten zu zügeln.

Kein Wunder also, dass auch weitere Börsenaspiranten aus der Branche von sich Reden machen. Southeast Motor, ein Joint Venture zwischen der chinesischen Fujian Automotive und dem taiwanesischen Partner Zhonghua Motor, soll sich schon länger auf eine A-Aktienausgabe vorbereiten. Zhengzhou Nissan ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Zhengzhou Light und Japans Nissan-Konzern, soll ebenfalls einen Börsengang ins Auge gefasst haben.

Und schließlich ist da noch Chinas einziger privater Autohersteller, Geely, aus der Boomprovinz Zhejiang. Geely, sagen Insider, wolle durch Übernahme von Anteilen seines Partners Guorun Holdings im Wert von 45 Mill. Euro ein Listing „durch die Hintertür“ suchen. Auch Geely steuert auf Expansionskurs.

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