US-Bankaktien
Die Wiederauferstehung der Dividende

Ein kleineres Institut hat mit der ersten Dividendenerhöhung seit der Finanzkrise den Startschuss gegeben. Die Großbanken hoffen nun auf grünes Licht von der Fed. Bestehen sie die neuen Stresstest, könnten sie der texanischen Comerica zu Jahresbeginn folgen.
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NEW YORK. In den USA deutet sich die erste Runde von Dividendenerhöhungen durch Banken seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor gut zwei Jahren an. Den Startschuss gab die texanische Comerica, die Nummer 28 der Branche. Als erstes Institut von relevanter Größe erhielt es diese Woche von der Bankenaufsicht die Genehmigung, die Quartalsdividende auf zehn Cents je Aktien zu verdoppeln. "Das ist ein Durchbruch", erklärte Bankenanalyst Dick Bove von Rochedale Securities. Erwartet wird nun, dass gut durch die Krise gekommene Großinstitute wie JP Morgan, Wells Fargo und US Bancorp zu Beginn des nächsten Jahres folgen könnten. Allerdings müssen sie zunächst die neuerlichen Stresstests der US-Notenbank Fed bestehen.

Kurseinbruch setzt Bankenmanager unter Druck

Seitdem die US-Regierung den Bankensektor 2008/2009 mit Hunderten Milliarden Dollar vor dem Kollaps bewahrte, müssen sich die Institute Dividendenerhöhungen genehmigen lassen. Einige, darunter mit JP Morgan und Wells Fargo die Nummer zwei und die Nummer vier der Branche, streben angesichts steigender Gewinne und fallender Kurse seit längerem eine Anhebung der Ausschüttung an. Ihr Problem: Seit dem Frühjahr sind die Kurse der Banken im Schnitt im 20 Prozent eingebrochen und dümpeln seither vor sich hin. Zu groß ist die Sorge der Investoren, härtere Regulierung oder die schwache US-Konjunktur könnten der Erholung der Bankgewinne ein Ende bereiten. Trotzdem müssen die Institute ihre Anteilseigner bei Laune halten. Der einfachste Weg ist eine höhere Ausschüttung. "Eine Erhöhung der Dividende hat für uns Top-Priorität", sagte jüngst Howard Atkins, Finanzchef bei Wells Fargo.

Comerica kann mit einer Dividendenerhöhung voranpreschen, weil das mit einer Bilanzsumme von 55 Mrd. Dollar mittelgroße Institut mittlerweile zu den gesündesten Banken im Landes zählt und die Staatshilfen früher als andere zurückzahlte. Wie viele Institute kürzte Comerica die Dividende in der Krise von 66 auf fünf Cents.

Die 19 größten Finanzfirmen des Landes müssen vor einer Anhebung der Dividende den neuerlichen Stresstest der US-Notenbank Fed bestehen. Sie sollen Anfang 2011 detaillierte Pläne vorlegen, wie sich ihre Kapitalausstattung entwickeln würde, wenn sich die Konjunktur wieder massiv eintrübt. Welche Parameter die Fed dabei zu Grunde legt, will sie noch bekannt geben.

Während nach den Tests bei Wells Fargo und JP Morgan für Anfang 2011 Dividendenerhöhungen erwartet werden, dürfte sich das bei der Bank of America und Citigroup, der Nummer eins und der Nummer drei der Branche, wegen der unterdurchschnittlichen Gewinnentwicklung noch hinziehen, schätzen Analysten von Barclays. Bei der Citigroup, die die Staatshilfen noch nicht komplett zurückgezahlt hat und derzeit gar keine Dividende ausschüttet, dürfte es bis 2012 dauern, wie Bankchef Vikram Pandit zuletzt einräumt.

Die goldenen Dividendenjahre sind vorbei

Als sicher gilt jedoch, dass der US-Finanzsektor seine Anteilseigner nie wieder so großzügig mit Dividenden versorgen kann wie vor der Krise . Die Fed machte in der Ankündigung der Tests und den Vorgaben für eine Dividendenerhöhung deutlich, dass sie eine Ausschüttung von mehr als einem Drittel der Gewinne in Zukunft nicht zustimmen wird. Viele Firmen hatten vor der Krise sogar 50 Prozent und mehr der Profite an die Aktionäre weitergezahlt. Als die Krise ausbrach fehlte ihnen dann Kapital.

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