US-Börsen
Allzeithoch mit fadem Nachgeschmack

Als ginge ihn die Finanzkrise nichts an, erklimmt der US-Aktienmarkt ein Allzeithoch. Das sollte Anleger nicht über die Gefahren täuschen.
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Was für ein Signal: Scheinbar unbeeindruckt von Kreditkrise und Milliardenabschreibungen bei Banken hat der Dow-Jones-Index Anfang Oktober in Rekordhöhe geschlossen - bei 14 087 Zählern. Dabei ist die Krise am Hypothekenmarkt alles andere als ausgestanden. Die Preise am Immobilienmarkt sinken in weiten Teilen Amerikas in einen Abwärtssog von schwindelerregendem Tempo.

Der Verkaufspreis neu errichteter Häuser fällt und fällt; gleichzeitig türmt sich der Berg zum Verkauf stehender Objekte himmelwärts. Die Verkäufe von neuen Eigenheimen sind nach Angaben der US-Großbank Wachovia, die einiges versteht vom Geschäft mit Immobilien, Hypotheken und dergleichen, im August auf einen Jahresmittelwert von 795 000 Baueinheiten gefallen. Gegenüber dem Höchstwert im Oktober 2005 entspricht dies einem Rückgang um sage und schreibe 40 Prozent.

Der Preisverfall beschleunigte sich im August auf alarmierende 8,3 Prozent im Jahresmittel. Im Vorjahresvergleich fielen die Preise um 7,5 Prozent. Das ist der schärfste Rückgang seit Dezember 1970. Wirklich erschreckend sind jedoch die weiteren Aussichten für den Häusermarkt - eine Erholung ist weit und breit nicht in Sicht. Nach Ansicht von Fannie-Mae-Chef Daniel Mudd, dem CEO des größten Hypothekenfinanzierers in den USA, wird der Markt den Tiefpunkt "nicht vor Ende 2008 erreichen". Und selbst dann, warnt er, der von der Krise naturgemäß selbst massiv betroffen ist, "wird es sehr lange dauern, bis die US-Immobilienpreise wieder nachhaltig steigen werden".

Diese düstere Einschätzung wurde in der vergangenen Woche von Jeffrey Mezger bestätigt, dem Chef des fünftgrößten US-Eigenheimbauers KB Home. KB Home schloss das dritte Quartal des Geschäftsjahres, das im August endete, mit einem dramatischen Verlust ab.

Mezger fasst den traurigen Stand der Dinge so zusammen: "Der Markt stöhnt unter dem nach wie vor steigenden Überangebot an neuen und bereits bestehenden Häusern." Einerseits schwindet die Nachfrage wegen strafferer Kreditkonditionen, der schwindenden Kaufkraft sowie der generell gewachsenen Vorsicht potenzieller Käufer; andererseits steigt das Angebot weiter ungebremst an. Es wird getrieben von immer mehr Zwangsvollstreckungen einerseits und den verzweifelten Bemühungen von Bauträgern und Investoren andererseits, die ihre Immobilieninvestitionen dringend verkaufen wollen.

Auch Mezger fasst noch keine Hoffnung: "Wir sehen keinerlei Anzeichen für eine baldige Stabilisierung. Es wird dauern, bis eine Erholung überhaupt Fuß fassen kann." Das ist eine faire Warnung zumindest für Schnäppchenjäger, die im derzeit düsteren Umfeld gern schon zur Jagd auf günstige Aktien angeschlagener Unternehmen aus dem Bereich Bauen und Wohnen blasen würden.

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