US-Börsen erreichen neue Höhen
Der endlose Rausch des Geldes

Endet die Party an den US-Börsen nie? Angesichts immer neuer Rekorde ist vielen Anlegern mulmig. Ist die Zeit gekommen, Gewinne mitzunehmen? Oder weiter dem Trend folgen? Die Expertenmeinungen liegen weit auseinander.
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San FranciscoFür Greg Harmon von Dragonfly Capital gibt es nur wenige gute Gründe auf fallende Kurse zu setzen, wenn alles steigt. Es lohne sich selten gegen den Strom zu schwimmen, es sei denn, man renne in einer Herde Lemminge auf eine Klippe zu, scherzt er. Da könne es durchaus Sinn machen, in die andere Richtung zu laufen.

Aber abgesehen von solchen Extremsituationen lohne es sich nie, gegen einen ganzen Markt zu spekulieren, ist sein Rat. „Das ist so“, warnt der Anlagespezialist, der lange Jahre bei JP Morgan und BNP Paribas Erfahrungen im Wertpapierhandel gesammelt hat, „als ob ein Lachs den Niagarafall hochschwimmen will, um zu laichen. Ein Trend kann länger dauern als 99,99 Prozent aller Menschen vorhersagen können.“

Und der aktuelle Trend ist in der Tat ungewöhnlich andauernd und ungebrochen. Ende Februar 2009, nach der großen Finanzkrise, lag der Nasdaq Composite Index bei 1.377,84 Punkten. Am 25. August 2014 schloss er bei 4.557,35. Das ist praktisch wieder da, wo er am 29. Februar 2000 stand, am Vorabend der Kernschmelze der Internetaktien, als die „dot-com-Blase“ mit lautem Knall geplatzt ist. Der Technologieindex schmierte bis rund 1100 Punkte ab.

Das ist alles vergessen und vergeben. Internetblase, Immobilienblase, Subprimekrise, Ukraine, Mittlerer Osten: egal und Schlagzeilen von gestern. Die Bullen haben die Börse übernommen. Auch der breitgefächerte S&P 500-Index begann die letzte Augustwoche mit einem bemerkenswerten Rekord. Er schloss erstmals in seiner Geschichte über 2000 Punkten.

Es sind nur Stimmen wie die von Robert Schiller, Professor an der Yale Universität, die wie einsame Rufer in der Wüste warnen. Sein CAPE-Index, der das durchschnittliche inflationsbereinigte Gewinnverhältnis der Unternehmen des S&P-Index über zehn Jahre misst, zeigt deutliche Warnsignale. Der Kurs-Gewinn-Multiplikator steht jetzt bei 25, erläutert der Nobelpreisträger und dieses Niveau habe er seit 1881 nur dreimal überschritten. 1929, 1999 und 2008. „Wir müssen uns klarmachen“, schreibt Schiller, „dass wir in einer ungewöhnlichen Periode sind und dass es Zeit ist, ernste Fragen zu stellen.“

Kommentare zu " US-Börsen erreichen neue Höhen: Der endlose Rausch des Geldes"

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  • Geld macht keinen Rausch: Geld macht eingebildet(er).

    Geld macht nüchtern.
    Geld macht Stolz.
    Geld macht klug.
    Geld ist klug.

    fein.

  • Geld ist gut: Geld macht Frieden.
    Schöne Erfindung, das Geld.

  • Was wollt ihr denn immer mit euren Gold?

    Wenn alles zusammenkracht könnt ihr den Goldklumpen auch ned reinbeissen. Wollt ihr eine Unze für ein Brötchen ausgeben?

    Was nützen euch da Immobilien und Grundstücke wenn niemand zahlt und sie euch plündern?

    He he, ich habe Gold, mir wird nix passieren. Mit euren paar Goldkrümel werdet letztlich auch nix zu lachen haben.

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