US-Immobilienkrise
Anleger erwarten längere Durststrecke

Die Immobilienkrise schreckt Investoren auf: Sie sehen sie nicht mehr als isoliertes Phänomen, sondern fürchten Effekte auf andere Wirtschaftssektoren – und rechnen deshalb mit fallenden Kursen. Ein endgültiges Ende der Langzeithausse halten viele aber für unrealistisch.

DÜSSELDORF. Zwei Drittel der professionellen und privaten Anleger gehen davon aus, dass den Börsen eine ausgedehnte Korrektur von mehreren Wochen bevorsteht. Dabei dürften die Kurse um mehr als zehn Prozent nachgeben. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage des Frankfurter Researchinstituts Sentix unter gut 600 Investoren, die dem Handelsblatt vorliegt.

Anlass für die Umfrage ist die Immobilienkrise in den USA, die mit den Pleiten mehrerer Immobilienanbieter, den Schieflagen von Hedge-Fonds und der Krise der Deutschen Industriebank IKB längst die Finanzmärkte erfasst hat. Den Hauptgrund für die Korrektur an den Aktienmärkten sehen die Anleger – erwartungsgemäß – in einer Kreditklemme, die zudem mit einer Liquiditätsverknappung einhergeht.

Auffällig ist aber, dass rund ein Drittel der Anleger als dritten großen Belastungsfaktor eine globale Konjunkturabschwächung erwartet. „Bis Juni sahen die Anleger die Immobilienkrise isoliert, jetzt aber nicht mehr“, sagt Sentix-Experte Manfred Hübner. Er verantwortet die europaweit größte regelmäßige Anlegerbefragung. Sentix ruft wöchentlich die Meinung von über 2 000 institutionellen und privaten Anlegern ab.

Volkswirte der Finanzhäuser teilen die Sorgen der Anleger. So haben die Deka-Bank und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) wegen der Immobilienkrise jetzt ihre Wachstumserwartungen für die US-Konjunktur zurückgeschraubt. Weil Firmen für ihre Anleihen höhere Risikoaufschläge zahlen müssen, bergen Ansteckungseffekte „ein deutliches Risiko für die US-Konjunktur, da sie die Investitionstätigkeit der Unternehmen belasten“, urteilt die Deka-Bank. Sie senkte ihre Prognose für das Bruttoinlandsprodukt in den USA von 2,5 auf nur noch zwei Prozent für 2007 und von 3,1 auf 2,9 Prozent für das nächste Jahr.

„Der Immobiliensektor ist ein wichtiger Wachstumsfaktor, weil viel Eigenkapital aus den Häusern herausgezogen wurde, sagt Helaba-Analyst Björn Bender. Er rechnet damit, dass die Dynamik beim Konsum künftig nachlässt. „Kommt es zu weiteren Schieflagen im Bankensektor auch bei größeren Adressen, dann wird die Liquidität weiter austrocknen und die Verfügbarkeit von Krediten sinken“, sieht Bender weitere Ansteckungsgefahren bei den Unternehmen.

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