US-Immobilienmarkt
Neue Instrumente gegen Crash

Investoren können sich künftig über die Terminmärkte gegen einen Crash des US-Immobilienmarktes wappnen. Die Absicherung gegen Überraschungen bei marktbewegenden Konjunkturdaten ist bereits möglich.

FRANKFURT. Das Instrumentarium an Finanzprodukten zur Feinsteuerung von wirtschaftlichen Risiken wird immer ausgefeilter und gezielter auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten. So können sich Investoren künftig über die Terminmärkte gegen einen Crash des US-Immobilienmarktes wappnen. Die Absicherung gegen Überraschungen bei marktbewegenden Konjunkturdaten ist bereits möglich. Dabei sind es nicht nur die Emissionsbanken in Deutschland, die am Markt für strukturierte Privatanleger-Derivate eine Menge Innovationskraft unter Beweis stellen. Es sind darüber hinaus auch die Terminbörsen in aller Welt, die bei der Gestaltung ihrer Produktpalette sehr viel Einfallsreichtum entwickeln.

Ein Beispiel dafür ist die Chicago Mercantile Exchange (CME), die als eine der agilsten Derivatebörsen in der Welt gilt. Die denkt jetzt darüber nach, Futures- und Optionskontrakte auf von Standard & Poors errechnete Häuserpreis-Indizes in den USA einzuführen. Damit will die Börse den Akteuren des Finanzmarktes ein Instrumentarium anbieten, um sich gegen Verwerfungen auf dem US-Immobilienmarkt zu wappnen. Die Gefahr einer Immobilienblase sieht neben anderen Analysten auch Klaus Martini, Investmentchef der Deutschen Bank. Jüngste Anzeichen sprechen seiner Meinung zufolge indes dafür, dass es nicht zum Platzen der Blase kommen muss. „Die Überbewertung kann auch langsam zurückgeführt werden“, sagt er dem Handelsblatt. Auch bei der Berenberg-Bank wird mit Hinweis auf jüngste Zahlen über den Absatz von US-Wohnhäusern die Chance gesehen, dass die Luft aus der Immobilienblase langsam und ohne Knall entweicht. Die CME sieht einen großen Bedarf an effizienten Risikosicherungsinstrumenten für den Immobilienmarkt. Allan Schoenberg, Sprecher der Börse, weist darauf hin, dass der US-Immobilienmarkt Ende 2005 einen Wert von 21,6 Billionen Dollar repräsentierte. „Für viele US-Bürger ist ihr Haus das größte und zugleich wertvollste Asset“, sagt David Blitzer von Standard & Poors, der ebenfalls einen großen Bedarf zur Absicherung dieser Vermögenswerte sieht. Mit Derivaten auf die so genannten „S&P Case-Shiller Metro Area Home Price Indices” will die CME diese Lücke füllen. Für die Börse ist das neue Produkt eine Ergänzung ihrer Produktpalette an Ökonomie-Derivaten.

Die CME bietet bereits als eine der ersten Börsen in Kooperation mit der Investmentbank Goldman Sachs den Finanzinstituten und Anlegern seit mehr als einem Jahr die Chance zur Absicherung von Risiken, die aus der Veröffentlichung von Konjunkturdaten resultieren. Dabei handelt es sich um Optionen und Forwards (nicht standardisierte Termingeschäfte) auf sieben US-Wirtschaftsindikatoren. Diese Konjunkturdaten, auf deren Veröffentlichung die Akteure an den Finanzmärkten in aller Welt stets mit großer Spannung warten, bewegen regelmäßig die Kurse und Preise von Aktien, Anleihen, Devisen und Rohstoffen. Daher können solche Wirtschaftsdaten im Ergebnis zu größeren Wertverschiebungen in den Portfolios der Anleger führen.

Als Basiswerte für die „CME Economic Derivatives“ hat der Kooperationspartner Goldman Sachs die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten, den ISM-Index der Einkaufsmanager, die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, die US-Einzelhandelsumsätze, den harmonisierten Verbraucherpreisindex der Eurozone, die Monatszahlen der US-Handelsbilanz sowie die Quartalszahlen des US-Bruttoinlandsprodukts herausgefiltert. Die Veröffentlichung gerade dieser Zahlen hat traditionell einen großen Einfluss auf die Stimmung an den Finanzmärkten. Vor allem die Aktien- und Anleihekurse reagieren bei starken Abweichungen von durchschnittlichen Analysten-Erwartungen oftmals mit kräftigen Ausschlägen. Investoren sich können mit Derivaten gegen bestimmte Szenarien absichern. Neben solchen Ökonomie-Derivaten, mit denen Anleger sowohl spekulative als auch Risikosicherungsgeschäfte abschließen können, hat sich an den US-Märkten mit Duldung der Aufsichtsbehörde CFTC in den vergangenen Jahren ein Markt für so genannte Event-Derivate entwickelt, an dem die Akteure etwa auf den Ausgang von Wahlen oder auf Sportresultate setzen können. Die Idee für solche „Prognose- oder Entscheidungsmärkte“ stammt vom Tippie College of Business an der Universität von Iowa. Dort wurde bereits im Jahr 1988 ein Geschäftsmodell vorgestellt, bei dem Interessenten Geld auf den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen im gleichen Jahr setzen konnten.

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