US-Markt
Wie Anleger von Effizienz profitieren

Warum die US-Wirtschaft trotz Schulden, Defiziten und Krisen so robust wächst – und welche Schlüsse Anleger daraus ziehen sollten.
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Schlechte Konjunkturnachrichten sind in den USA an der Tagesordnung: negative Sparraten; Leistungsbilanzdefizite in Rekordhöhe; enorme Budgetdefizite; der Wertverlust des Dollar; steigende Öl- und Rohstoffpreise; massive Dollar-Abflüsse auf Reservekonten der Chinesen und Japaner.

Die unverwüstliche US-Wirtschaft überrascht Schwarzseher trotzdem immer wieder von Neuem. Tatsächlich boomt sie gerade wieder. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2006 um 3,3 Prozent. Nach einem Rückgang auf magere 0,6 Prozent im ersten Quartal 2007 erscheint eine Erholung inzwischen sehr wahrscheinlich. Die Arbeitslosenrate liegt seit Dezember 2005 stets unter fünf Prozent; die Beschäftigung steigt kräftig, wenn auch nicht exorbitant. In den vergangenen zwölf Monaten wurden mehr als zwei Millionen neue Jobs geschaffen. Die amerikanischen Unternehmen verdoppelten binnen drei Jahren ihren Gewinn vor Steuern auf inzwischen zwei Billionen Dollar jährlich.

Wie schafft es eine mit Schulden beladene, von Defiziten geplagte Wirtschaft weiterhin zu wachsen und zu blühen, noch dazu, wenn keiner spart? Der Schlüssel heißt: Produktivität. Die amerikanische Wirtschaft erfreut sich einer ausgezeichneten Produktivitätsentwicklung, der besten ihrer Art – dank den Unternehmern der Neunzigerjahre, die den Tisch deckten für einen "Free Lunch", den die Wirtschaft derzeit genießt.

Der Free Lunch hat in den USA eine lange Geschichte. Vor 100 Jahren wurde das Mittagessen in amerikanischen Saloons nicht separat berechnet, der Preis war im Bierpreis inbegriffen. Die Wirte warben mit "Gratisessen", um ihren Bierabsatz zu steigern. Davon abgeleitet ist Milton Friedmans berühmte Aussage: "There’s no such thing as a free lunch." Man bekommt im Wirtschaftsleben nichts geschenkt. Wie Friedman gesagt hätte, ist der Einsatz von Ressourcen immer mit Opportunitätskosten verbunden – also den Verzicht darauf, eine Ressource anderweitig sinnvoll einzusetzen. Die Kneipenwirte, die mit Gratismenüs Kunden fingen, verwendeten die gleichen Ressourcen – Bier und Essen – wie die Restaurants in derselben Straße, aber sie gediehen, weil sie ihre Ressourcen klüger einsetzten. Das Marketing der Kneipen brachte Umsatzsteigerungen, ohne einen höheren Ressourceneinsatz zu fordern.

Die Situation änderte sich allerdings noch bevor die Saloons der Prohibition zum Opfer fielen. Interessensvertreter der Restaurants überzeugten die amerikanischen Gesetzesmacher: Die Gratismenüs waren unfairer Wettbewerb gegenüber den übrigen Gastronomiebetrieben. Daraufhin wurde der "Free Lunch" in vielen US-Bundesstaaten verboten.

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