US-Notenbank Federal Reserve
Die Zinswende ist da – und so reagieren die Märkte

Die US-Notenbank hat tatsächlich zum ersten Mal seit vielen Jahren die Zinsen erhöht. Rund um die Welt haben Anleger gespannt auf die Entscheidung gewartet – und reagieren so auf die Entscheidung.

DüsseldorfUm 20 Uhr deutscher Zeit ist eine Epoche der US-Geldpolitik zu Ende gegangen. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat das Ende der Nullzins-Politik eingeläutet. Statt zwischen null und 0,25 Prozent wird der Leitzins in der größten Volkswirtschaft der Welt jetzt zwischen 0,25 und 0,5 Prozent liegen. Was nach wenig klingt, ist eine Trendwende der besonderen Art. Es ist die erste Richtungsänderung bei den Zinsen seit 2006. Und auch wenn die Märkte die Entscheidung in den vergangenen Wochen erwartet hatten, reagieren sie nur kurz nervös auf den Beschluss der von Janet Yellen geführten Fed.

In den ersten Minuten nach der Verkündung drehte der Dow Jones-Index zwar leicht ins Minus. Doch der wichtige Gradmesser für die größten US-Industriekonzerne berappelte sich schnell wieder und schloss mit einem Plus von 1,28 Prozent auf 17.749 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 1,45 Prozent auf 2073 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging mit plus 1,52 Prozent bei 5071 Stellen aus dem Handel.

Am meisten Bewegung zeigte der Euro. Er schwächelt kurzzeitig und gab von über 1,0950 Dollar auf 1,09 Dollar nach. Doch zwanzig Minuten nach der Mitteilung durch die Fed lag der Kurs bei 1,0930 Dollar und damit genau auf dem Niveau des Vortags. Im Verlauf der Pressekonferenz Yellens knackte die Währung dann wieder die 1,10-Dollar-Marke. Die USA müssen sich Experten zufolge nun darauf einstellen, dass der Dollar zum Euro wegen der Zinsdifferenz tendenziell stärker wird und sich amerikanische Firmen im Export schwertun, weil ihre Produkte in Übersee teurer werden.

Der Deutsche Aktienindex zeigte sich im nachbörslichen Handel etwas beeindruckt und schwankte um die 10.550 Punkte. Das waren 80 Punkte mehr als zum regulären Handelsschluss am Mittwoch. Gold wurde um 20.40 Uhr zum Preis von 1072 Dollar je Unze gehandelt, das entsprach annähernd dem Wert vor der Mitteilung zur Zinswende.

Die Kurse amerikanischer Staatspapiere gerieten deutlich unter Druck. Im Umkehrschluss legte die Rendite deutlich zu. So notierten Papiere mit zweijähriger Laufzeit erstmals seit fünf Jahren über ein Prozent. „Ich finde die Zinserhöhung angemessen, im Grunde überfällig“, sagte Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt der Nordea Bank.

Fed-Chefin Janet Yellen machte deutlich, dass sie die Turbulenzen am Markt für hochverzinsliche Papiere nicht für Vorboten einer größeren Krise hält. Auslöser der Kursschwankungen war, dass am vergangenen Donnerstag ein Fonds der Firma Third Avenue den Abfluss von Anlegergeld unterbunden hat. „Dabei handelte es sich um einen sehr speziell Fonds, der in besonders illiquide Anlagen investiert hat“, betonte Yellen.

Hans-Werner Sinn begrüßt Zinswende

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hat die Zinserhöhung der US-Notenbank begrüßt. „Das wurde aber auch wirklich Zeit. Durch die jahrelange Nullzinspolitik hat der Zins seine Kontrollfunktion verloren, mit der unterschieden wird zwischen rentablen und unrentablen Objekten. Das ist volkswirtschaftlich schlecht, denn es verführt zu dem Irrtum, die Ressourcen seien unbegrenzt“, sagte er in München. „Zu niedrige Zinsen führen auch zu Vermögensblasen, die später platzen und die Banken in Not bringen können. Und wenn die Blasen platzen, muss wahrscheinlich wieder der Steuerzahler 'ran.“ Das gelte auch für die Europäische Zentralbank.

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