US-Sendung "Mad Money"
Jim Cramer - Star unter den Aktiengurus

Schrill, aggressiv, durchgeknallt - seine Fans lieben ihn. Der ehemalige Hedgefonds-Manager Jim Cramer ist der neue Star unter den Aktiengurus in den USA.

Buuyaah!! Der erste Eindruck: ein Irrer. Er beißt kleinen Spielzeugbären die Köpfe ab, er rennt, wild mit den Armen fuchtelnd, wie in einer Zelle eingesperrt hin und her. Die Ärmel seines Hemds sind hochgekrempelt, die Krawatte ist großzügig gelockert, er schwitzt, brüllt, rast wie in einem Drogenrausch. Dann fliegt ein Stuhl gegen die Wand. Er rückt der Kamera bedrohlich nahe, er wirft in einem Stakkato, wütend, geköpfte Bären auf die Linse. Immer wieder hastet er zurück an ein Pult und schlägt mit der Faust auf einen der dicken roten Knöpfe darauf. Mit Glatze, spärlichem Haarkranz und Bart sieht er auf den ersten Blick aus wie ein kleiner Teufel, dem man besser nicht in die Quere kommt.

Erste Eindrücke können täuschen. Jim Cramer ist alles andere als ein Bösewicht oder ein Psychopath, und der Ort seines schrillen Auftritts ist keine Zelle in einer Verwahranstalt für durchgeknallte Börsenspekulanten. Es ist das Studio des führenden US-Wirtschaftsfernsehsenders CNBC in New Jersey. Gleich gegenüber liegt der Financial District von New York, das Herz der internationalen Finanzszene. Der 50-jährige Cramer ist mit seiner Sendung "Mad Money", in der er jeden Abend von Montag bis Freitag Aktien bejubelt, verteufelt, bejammert oder mit einem Halleluja-Chor aus seiner Red-Button-Orgel in den Aktionärshimmel hebt, innerhalb von nur einem Jahr zur beliebtesten und einer der einflussreichsten Figuren an der Wall Street geworden.

Mittlerweile verfolgen knapp eine halbe Million Zuschauer täglich die Show. Seine Bücher mit Titeln wie "You got screwed" (Sie haben dich reingelegt) oder "Real Money" - Untertitel: "Gesundes Investieren in einer kranken Welt" - rangieren auf den Bestsellerlisten seit Monaten oben. Seine Radiosendung hat jede Woche rund 350 000 Zuhörer, seine Kolumnen in verschiedenen Magazinen erreichen noch mehr Leute, seine Web-Site TheStreet.com klicken Cramer-Jünger bis zu 50 Millionen Mal im Monat an. Selbst für die Profis gehört er mittlerweile zum Pflichtprogramm. Denn er bewegt die Kurse. Stellt Cramer eine Aktie auf Kaufen, macht der Wert oft sofort einen Satz. "Kauft, aber ihr müsst mit Limit kaufen", warnt er deshalb mit erhobenem Zeigefinger.

Journalist wollte er als junger Mann einmal werden. Doch das brachte zu wenig Geld. Nachdem jemand seine Studentenbude ausgeraubt und mit den erbeuteten Schecks sein Konto geplündert hatte, hauste er für einige Monate mit einem Camping-Kocher in einem Auto. Erst als der Vater dem Tunichtgut später die Kreditkarte sperrte, nahm seine Laufbahn eine seriösere Richtung. Er studierte Jura, ging 1981 nach Harvard. Dort hatte er Zugang zu Börsentickern, was sein Interesse an Aktien verstärkte. Er schwänzte Kurse an der Uni, studierte stattdessen die Kurse an der Börse und hinterließ bald Aktientipps auf seinem Anrufbeantworter. Einer seiner Professoren machte mit diesen Tipps viel Geld.

Er vertraut Cramer eine halbe Million Dollar an. In zwei Jahren werden 650 000 Dollar daraus. Der Professor rät dem jungen Mann zu einer Karriere im Investmentbusiness. Cramer nimmt eine Stelle als Broker bei Goldman Sachs an. 1987 startet er seinen eigenen Hedgefonds, Cramer Berkowitz. In den folgenden 14 Jahren schafft er im Schnitt eine Performance von 24 Prozent - nach Gebühren.

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