US-Verbraucherkredite wackeln
In der Schuldenfalle

Nach den Ausfällen bei zweitklassigen Hypotheken wächst die Sorge, dass auch die Konsumentenkredite in den USA zu einem Problem für die Finanzmärkte werden. Der Ratingagentur Moody’s zufolge ist die Zahl der Kreditkartenausfälle zuletzt bereits deutlich gestiegen.

NEW YORK/FRANKFURT. Die Branche habe in den ersten fünf Monaten 2007 um 30 Prozent höhere Abschreibungen vornehmen müssen, schreibt Moody’s in seiner jüngsten Studie zu dem Thema. Demnach wurden bis Ende Mai 4,58 Prozent aller Zahlungen als Ausfälle gewertet und entsprechend abgeschrieben. Laut Standard & Poor’s (S&P) ging die Quote im Juli auf 4,4 Prozent leicht zurück. Alle Ratingagenturen weisen darauf hin, dass die Ausfallraten im längerfristigen Vergleich niedrig seien.

Experten rechnen allerdings mit einem weiteren leichten Anstieg der Kreditkartenausfälle, die aber nicht dramatisch ausfallen sollten. „Wir erwarten, dass die Ausfälle steigen, und sich dann um die fünf bis sechs Prozent einpendeln“, meint S&P-Kreditkartenspezialistin Bonnie Lee Tillen. Anders als in den 90er Jahren würden die Kreditkarten heute restriktiver und mit stärker risikoabhängigen Zinssätzen vergeben. Deswegen habe es bisher auch keine höheren Ausfallraten wie etwa im Immobilienbereich gegeben. Bisher habe auch noch keines der kartenausgebenden Institute seine Geschäftsprognose heruntergeschraubt. Zum Vergleich: In Europa sind die Kreditkartenausfälle S&P zufolge mittlerweile auf über sieben Prozent gestiegen.

Die Befürchtung, dass die Hypothekenkrise in den USA auf Konsumenten- und Autokredite überspringen könnte, liegt in der hohen Verschuldung der US-Verbraucher begründet. Sie finanzieren ihren Konsum nicht nur in starkem Maße mit teuren Kreditkarten-Dispos, sondern auch über ihre Hypotheken. Die Darlehen aufs Haus zapfen sie zum Beispiel an, um ihre Kreditkartenschulden zu tilgen. Dies wird nun angesichts höherer Zinsen immer schwerer, zumal viele US-Bürger ihre Kreditkarte bis zum Maximum belastet haben.

Die Sparquote der US-Haushalte ist 2006 auf minus ein Prozent gesunken. Deren ausstehende Kreditkarten-Schulden beliefen sich 2006 auf 880 Mrd. Dollar; das sind fast fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben sich die Kartenschulden dem Branchendienst Nilson-Report zufolge um fast 70 Prozent erhöht; sie sind damit allerdings weit weniger stark gestiegen als die Verschuldung der privaten Haushalte insgesamt, was an der restriktiveren Vergabe liegen könnte. Die Lage sei angesichts der hohen Privatschulden in den USA kritisch, schätzt Ökonom Carl Steidtmann von Deloitte Research: „Wir können es uns nicht länger leisten, mehr Geld auszugeben, als wir verdienen.“ Es gebe durchaus „Signale einer finanziellen Notlage“ bei vielen Konsumenten, sagt auch James Chessen, Chefökonom der American Bankers Association (ABA). Dabei stehe „das Schlimmste auf dem Häusermarkt erst noch bevor“.

Zoltan Pozsar vom Analysehaus Moody’s Economy.com sorgt sich deshalb: „Es ist sichtbar geworden, dass die Erosion in der Kreditqualität sich von Immobilien auf andere Bereiche ausweitet wie Autos oder Kreditkarten.“ Um ihre Immobilienkreditraten zu zahlen, würden Konsumenten nun bei Auto- oder Kreditkartenkrediten in Verzug geraten. So sei im Juni der Anteil der säumigen Kreditkartenzahler gestiegen. Der Zinsaufschlag bei allen Konsumentenkrediten sei in den vergangenen Wochen nach oben geklettert. Das zeigt einerseits das steigende Risikobewusstsein der Banken, kann aber auch die Kreditprobleme verschärfen; denn damit müssen die Kreditnehmer mit steigenden Zinskosten fertig werden.

Seite 1:

In der Schuldenfalle

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%