US-Werte weit teurer als europäische
Analysten warnen vor neuer Tech-Blase

Ist es ein Déjà-vu? Seit Mitte März bewegen sich Technologiewerte weltweit nur in eine Richtung: steil nach oben. Knapp 40 % stieg der technologielastige Sammelindex der Nasdaq seit 10. März, beim Tec-Dax war es ein Zuwachs von 50 %. Kursgewinne in dieser Größenordnung gab es zum letzten Mal vor dem Crash im Jahr 2000. Da drängt sich die Frage auf, ob wieder eine Blase entsteht. Experten sehen in der jüngsten Rally jedenfalls deutlich spekulative Merkmale. Trotzdem könne sich der Kursanstieg – mit vorübergehenden Abschlägen – noch bis ins Jahr 2004 fortsetzen.

DÜSSELDORF. „Keiner will jetzt den Zug verpassen“, sagt der technische Analyst Richard McCabe von der Investmentbank Merrill Lynch in New York. Es herrscht also eine Art Herdentrieb. Der Aktienstratege Jason Trennert vom Brokerhaus International Strategy & Investment sagt: „Es gibt etwa 5000 Aktienfonds und 6000 Hedge Funds in den USA. Alle stehen unter Druck, Monat für Monat besser als ihre Konkurrenz dazustehen.“ Wer die erste Tech-Rally im Oktober und die Anfänge der zweiten Rally im März verpasst habe, greife jetzt gezielt zu den schwankungsanfälligsten Aktien, um verlorenes Terrain wettzumachen.

Merrill-Analyst McCabe vermutet: In der ersten Hälfte des nächsten Jahres brechen Tech-Werte wieder ein und testen die alten Tiefststände. Das liest er aus historischen Kursmustern ab. „In der Regel dauert der Abwärtstrend zweieinhalb Jahre, dann gibt es eine mehrmonatiges Zwischenrally, bis es erneut steil abwärts geht“, erläutert McCabe. Auch in London hält Marktstratege Rolf Elgeti von der Commerzbank die jüngsten Kursgewinne zumindest für „sehr sportlich“. Doch auch er erwartet, dass sich die Rally noch bis Anfang nächsten Jahres fortsetzen könne: „Die Liquidität ist sehr hoch, und wir haben positive Nachrichten.“

Zumindest haben die Negativmeldungen über schrumpfende Umsätze und Gewinne in der IT-Branche aufgehört. Nach einer Studie der Investmentbank Goldman Sachs steigt weltweit die Bereitschaft der Industrie, Geld für neue Informationstechnik (IT) auszugeben. Das bedeutet Umsatzsteigerungen von etwa 5 % im nächsten Jahr. „So etwas haben wir lange, lange nicht gehört“, sagt Wertpapieranalyst Andreas Weiß vom Münchner Bankhaus Hauck und Aufhäuser, das Tech-Aktien jetzt übergewichtet.

Fondsmanager Matthias Born, der die DIT-Fonds für Wachstums- und Nebenwerte in Europa betreut, spricht bislang nur von einem „lauen Lüftchen“. Immerhin: „Ich denke, es wird im zweiten Quartal keine Enttäuschungen aus den Unternehmen geben, eher positive Überraschungen“. Deshalb könne sich die Rally noch fortsetzen.

US-Fondsmanager Timothy Stives von der Vermögensverwaltung Ashland Management interpretiert die anziehenden Notierungen dagegen bereits als erste Vorzeichen eines neuen Bullenmarkts. „Die Leute setzen jetzt auf eine ökonomische Erholung, von der wir allerdings praktisch noch nichts sehen“, sagt er. Auch Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) wie 45 bei Intel oder 140 bei Yahoo stören viele US-Vermögensverwalter offenbar nicht. „Wir glauben, dass vor allem Hardware- und Softwareunternehmen in zwei oder drei Jahren Wachstumsraten von 30 % erzielen können“, sagt Stives. Solche Quoten in der Zukunft sind offenbar jetzt schon in die Kurse vieler Nasdaq-Werte eingerechnet.

Die Kurse liefen längst schon wieder den Fundamentaldaten davon, befürchtet daher Richard Parower, Ko-Manager der knapp 5 Mrd. $ schweren Technologiefonds der Vermögensverwaltung J&W Seligman in New York. Er warnt, dass diesmal echte technische Neuerungen als Antrieb für deutliche Kurs- und Gewinnverbesserungen fehlten. Er kauft lieber Unternehmen, deren KGV im Rahmen bleiben wie Microsoft (30) oder Symantac (30). In Europa hält er SAP für attraktiv.

DIT-Fachmann Born weist auf die deutlich günstigeren KGV europäischer Unternehmen hin. Im Tec-Dax liege der Durchschnitt bei etwa 17. Er hält Singulus, Elmos und Freenet noch immer für kaufenswert.

Doch die günstigeren Kurse hier zu Lande schützen nicht vor bösen Überraschungen, sollte es den USA plötzlich wieder abwärts gehen. Analyst Weiß sagt: „Wir hängen hier eins zu eins am US-Markt.“

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