Value Investing
Die schwierige Perlensuche

Der Ansatz des „Value Investing“ zeigt sich als überlegen. „Die Theorie wertorientierter Anlagen hat sich seit Jahrzehnten in Hausse- und Baissephasen der Aktienbörsen bewährt“, sagt Karl Filbert von der Bayerischen Landesbank in München.

MÜNCHEN. Das Thema „Value Investing“ findet in der aktuell turbulenten Börsenphase neue Anhänger. Unter Value Investing sind langfristige Kapitalanlagen in Aktien zu verstehen, die an der Börse unter ihrem fairen Wert gehandelt werden. „Die Theorie wertorientierter Anlagen hat sich seit Jahrzehnten in Hausse- und Baissephasen der Aktienbörsen bewährt“, sagte Karl Filbert von der Bayerischen Landesbank in München in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die Bank will daher in nächster Zeit ein aktiv gemanagtes Zertifikat auf den Markt bringen, das deutschen Privatanlegern erstmals die Möglichkeit bietet, an der Wertentwicklung eines nach der Theorie des Value Investing gemanagten Portfolios zu partizipieren. Mit diesem auch als Instrument der Altersvorsorge geplanten Zertifikat will die Bank ihren Europa Value Fonds nachbilden, der diesen Werthaltigkeitsansatz bereits umsetzt.

Populärster Verfechter des Wert-Ansatzes ist Warren Buffett, der über Jahrzehnte hinweg mit dieser disziplinierten Methode eine über dem Marktdurchschnitt liegende Rendite erzielt hat. Und das bei gleichzeitig geringem Risiko. Nach Ansicht von Buffett sind werthaltige Investments derzeit vor allem in Aktien der Energieversorger möglich. „Wir halten hier weiter Ausschau“, sagt Buffett. Im Prinzip geht es für Anleger beim Value Investing darum, Aktien von Firmen zu kaufen, deren Kurs an der Börse einen deutlichen Abstand zum „fairen Wert“ aufweist. Der Vergleich zwischen diesem fairen Wert und dem Kurs lässt Rückschlüsse auf die Attraktivität des Wertpapiers zu.

Der faire Wert wird in der Finanzwissenschaft meist als Kombination aus Buchwert, Ertragswert und dem Wert des Wachstums errechnet. Dabei ist der Buchwert die verlässlichste Größe, der Ertragswert einigermaßen einzuschätzen und der Wert des in der Zukunft liegenden Wachstums das am schwierigsten zu prognostizierende Element. Das Grundprinzip bei der Berechnung resultiert aus wissenschaftlichen Ausarbeitungen von Benjamin Graham, Professor der Columbia Universität in New York.



So einfach die Ermittlung des fairen Wertes einer Gesellschaft in der Theorie erscheint, so schwierig ist die Umsetzung. Beim Ansatz des „Value Investing“ werden zuerst Unternehmens-Informationen genutzt, die als solide und sicher gelten und die Zukunft einer Gesellschaft und damit einer Aktie wesentlicher realistischer und mit weniger Optimismus als üblich beurteilen.

Wegen des an den Aktienbörsen regelmäßig zu beobachtenden Herdentriebs neigen Anleger oft dazu, die jüngere Vergangenheit höher zu bewerten als weiter zurückliegende Börsenphasen. Dies hat oft zur Folge, dass aktuellen Aktien-Favoriten auch gute Chancen für die nahe Zukunft eingeräumt werden. Im Gegensatz dazu werden in jüngster Vergangenheit vernachlässigte Aktien oft weiter ignoriert, was bei diesen dann dazu führt, dass die Kurse unter ihren fairen Wert fallen.

Investieren wie Warren Buffett

Die Wissenschaft: US-Wissenschaftlern zufolgen bringen Aktien mit niedrigem Kurs/Buchwert-Verhältnis, die Value-Investoren wie Warren Buffett (Foto) bevorzugen, jährlich einen um mehr als zehn Prozent höheren Ertrag als Aktien mit hoher Kurs/Buchwert-Relation.

Verhaltenstheorie: Forscher haben nachgewiesen, dass Aktienkurse durch Entscheidungen von Menschen bestimmt und dabei immer wieder systematisch Fehler begangen werden. Diese Fehler führen zu Ineffizienzen und Bewertungs-Anomalien an den Märkten.

Bewertung: Die Ermittlung des fairen Wertes erfolgt in drei Schritten: Begonnen wird mit dem Buchwert, über den die verlässlichsten Informationen vorliegen. In der Folge werden der Ertragswert und der Wert des möglichen Wachstums einer Firma untersucht und zum Buchwert addiert.

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