Verantwortlich Investieren
Theorie trifft auf Praxis

Leitlinien sind schnell unterschrieben, doch an der Umsetzung hapert es oft. Das gilt auch für die UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren (PRI).
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BerlinMit ihrer Unterschrift verpflichten sich Kapitaleigner, Vermögensverwalter und Finanzdienstleister, künftig Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte (kurz ESG) bei allen Aktivitäten zu beachten. Kritiker sagen, da es keine Mindestkriterien gebe, könne jeder nach Gutdünken handeln.

Doch viele PRI-Mitglieder zeigen, dass sie ernsthaft bei der Sache sind: Sie investieren und handeln ganz anders als früher - freiwillig. Sie sondieren, oft mit externen Researchanbietern, wichtige Kriterien und nehmen diese in die Analysen von Aktien, Anleihen oder Immobilien auf. So erkennen sie Schwachstellen: zu hohe Emissionen, mangelnde Ressourceneffizienz, Korruption oder Arbeitsrechtsverletzungen. Vermögensverwalter sind gehalten, die Ergebnisse bei Anlageentscheidungen und Dialogen mit Emittenten zu beachten.

Die Kriterien sind nicht durchweg streng, Kritiker finden sie lax. Großanleger kontern: Wer bei heiklen Unternehmen investiert bleibe, statt sie zu meiden, könne sie zu verantwortlicherem Handeln bewegen. „Die Kriterien sind ein erster Ansatz, der die Finanzbranche zwingt, sich überhaupt mit den Themen auseinander zu setzen, deren materielle Bedeutung zu erkennen und Klischees zu überwinden“, sagt Alexander Bassen. Wirtschaftsprofessor an der Universität Hamburg. „Die PRI haben die Daumenschrauben angesetzt, aber noch nicht fest gedreht.“

Was Unterzeichner zu ändern haben, hängt von Anlagestrategien und Portfoliostrukturen ab. Handlungsmöglichkeiten bei den verschiedenen Anlageklassen und den Nutzen der einzelnen Prinzipien erläutert ein Leitfaden des Bundesumweltministeriums, 2013 erstellt durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers.

Die KfW beispielsweise, die nur festverzinslich investiert und der es auf Liquiditätssicherung ankommt, hat ein System der Unter- und Übergewichtung entwickelt. Erst wählen Portfoliomanager finanziell attraktive Titel aus, und das Risikocontrolling bestimmt je einen maximalen Anlagerahmen. Dann fließt eine Nachhaltigkeitsbewertung der Emittenten ein: Die 20 Prozent mit dem besten Rating behalten den maximalen Anlagerahmen. Bei den 60 Prozent mit mittlerem Rating wird er um zehn Prozent, für die mit schlechtem Rating um fast ein Drittel gekürzt (siehe Grafik).

„Das ist für die zwei Portfoliomanager ein ordentlicher Einschnitt“, berichtet Solveig Pape-Hamich, Leiterin Investmentstrategien Nachhaltigkeit. Sie müssten das jeden Monat bei vielen Wertpapiergeschäften beachten. Die oberste Kategorie liefere aktuell über 37 Prozent des Portfolios, die mittlere Kategorie ca. 53 Prozent; unter acht Prozent der Emittenten hätten eine relativ schlechte Bewertung. „Von 26 Mrd. Euro des Gesamtbestandes an Wertpapieren bilden gut 21 Mrd. Euro das Liquiditätsportfolio, auf das der Nachhaltigkeitsansatz seit Anfang 2008 angewendet wird“, sagt Pape-Hamich.

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