Verbraucherschützer
Stärkere Regulierung des grauen Kapitalmarkts

Eigentlich gibt es in der Europäischen Union wirksame Regeln zur Regulierung von Finanzprodukten, findet der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Doch Deutschland lasse zu viele Ausnahmen zu.
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BerlinMit Verweis auf die Insolvenz des Windparkunternehmens Prokon hat der neue Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, das Schutzniveau in Deutschland als unzureichend kritisiert. Eigentlich gebe es in der Europäischen Union wirksame Regeln zur Regulierung von Finanzprodukten, sagte Müller am Freitag im Deutschlandradio Kultur. In Deutschland seien aber gewisse Ausnahmen zugelassen, kritisierte Müller. Daher könnten unregulierte Finanzprodukte weiter verkauft werden, anders als in anderen europäischen Ländern.

„Das Schutzniveau in Deutschland ist nicht so gut wie in anderen Staaten Europas“, sagte Müller. Die Insolvenz von Prokon habe gezeigt, wozu dies führen könne. Dass hierzulande bis heute noch prominent geschaltete Werbung für Prokon zu sehen sei, wäre in anderen europäischen Ländern nicht möglich, fügte er hinzu.

Im Fall Prokon hatte das Amtsgericht Itzehoe am Donnerstag das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Gericht bezifferte die Forderungen an die Prokon Regenerative Energien GmbH auf rund 391 Millionen Euro, denen liquide Mittel in Höhe von rund 19 Millionen Euro gegenüberstünden. Prokon hatte durch den Verkauf von sogenannten Genussrechten etwa 1,4 Milliarden Euro von rund 75.000 Anlegern eingenommen. Für viele Kleinanleger ist ungewiss, ob sie von ihrem investierten Geld noch etwas zurück bekommen.

Prokon hatte mit einer festen Verzinsung von sechs Prozent geworben und bis zu acht Prozent Zinsen ausgezahlt. Zuletzt konnte das Unternehmen aber keinerlei Rück- oder Zinszahlungen mehr leisten. Betroffen von dem Insolvenzverfahren ist die Prokon Regenerative Energien GmbH mit rund 480 Mitarbeitern. Insgesamt zählt das Unternehmen in Itzehoe rund 1300 Mitarbeiter. Prokon ist ein wichtiger Finanzierer von Windparks, investiert aber auch in Bioenergie.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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