Verbuchung von Aktienoptionen geändert
Neue Bilanzregeln erhöhen Kursrisiken

Die Umstellung auf den internationalen Bilanzierungsstandard IFRS schmälert nach Analysteneinschätzung die ausgewiesenen Gewinne europäischer Aktiengesellschaften. Hauptgrund sind Pensionslasten, die nach den ab diesem Jahr geltenden Regeln stärker ins Gewicht fallen.

HB DÜSSELDORF. Allerdings sind von dem negativen Effekt vor allem britische Firmen betroffen. Deutsche Konzerne weisen ihre Pensionsverpflichtungen bereits nach den neuen Vorgaben aus. Daher gehören sie zu den Profiteuren der Bilanzumstellung, weil ihnen gleichzeitig der Wegfall der Firmenwertabschreibungen zugute kommt.

Als Konsequenz der Durchschnittsbetrachtung der US-Investmentbank Goldman Sachs erscheint das Kursniveau europäischer Titel im Vergleich zu US-Werten auch nicht mehr so günstig wie zuvor. Goldman Sachs wertete 125 Geschäftsberichte größerer und mittlerer europäischer Konzerne aus.

Laut Studie erhöht der Wegfall der Firmenwertabschreibungen (Goodwill) zwar die Gewinne im Schnitt um zwei bis drei Prozent. Dieser positive Effekt wird aber durch eine realistischere Bewertung von Pensionslasten und die Bewertung von Aktienoptionen für Mitarbeiter als Kosten überkompensiert. Die Pensionslasten verringern die Gewinne um durchschnittlich sechs Prozent, die vor allem bei Technologie-Unternehmen beliebten Kaufoptionen auf Aktien zum Vorzugspreis verringern die Gewinne noch einmal um durchschnittlich ein Prozent. „Damit sind europäische Werte zwar immer noch preiswerter als US-amerikanische Titel“, sagte Marktstrategin Sharon Bell, „aber die Lücke schließt sich ein Stück weit.“ Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, seien europäische Werte jetzt noch um etwa elf Prozent günstiger als US-Titel. Vor Einführung der IFRS-Regeln waren die Europäer 17 Prozent billiger.

Nach den IFRS-Regeln müssen Verwaltungs- und Zinslasten künftiger Pensionszahlungen als Kosten verbucht werden. Größere Deckungslücken tauchen damit zum ersten Mal im vollen Umfang in den Rückstellungen auf. Das trifft derzeit vor allem britische Konzerne. Beim Versorger Centrica etwa verringerten die Pensionslasten den Gewinn pro Aktie um 5,4 Prozent, bei National Grid Transco um knapp 15 Prozent, ermittelte Goldman-Analyst Andrew Mead. Die großen deutschen Unternehmen wie RWE und Eon, aber auch Lufthansa, VW oder Schering haben dagegen bereits vor längerer Zeit die Pensionslasten nach neuer Berechnung eingestellt.

Zweiter Brocken sind die als Kosten verbuchten Aktienoptionen für Mitarbeiter. Neben dem direkten Kostenaufwand haben sie noch einen Effekt auf den Gewinn pro Aktie: Wenn die Kaufoptionen zum günstigen Preis ausgeübt werden und die erworbenen Aktien dann gleich wieder am Markt verkauft werden, erhöht sich die Zahl der gehandelten Aktien eines Unternehmens. Der Gewinn pro Aktie fällt niedriger aus. Beim Pharmakonzern Sanofi-Aventis etwa könnte das den Gewinn pro Aktie um fünf bis sechs Prozent verringern, bei Novartis um etwa drei bis fünf Prozent. Auch bei Schwarz-Pharma und dem britischen Pharmaunternehmen Shire sei mit erheblichen Verwässerungseffekten zu rechnen, fand Goldman-Analyst Mark Tracey heraus.

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