Verleihung des Investment-Grades hat Russlands Märkte beflügelt
Anleger bleiben Moskaus Börse treu

Die Händler der Moskauer Börse haben alle Hände voll zu tun. Nahezu täglich markieren die Kurse neue Höchststände. Die jüngsten Kurssteigerungen der Anleihen und Aktien wurden nach Einschätzung Moskauer Broker durch die Ratingagentur Moody’s ausgelöst. Diese hat in der vergangenen Woche russischen Staatsanleihen das so genannte Investment-Grade verliehen.

MOSKAU. „Es fließt richtig viel frisches Geld auf Moskaus Märkte“, sagt ein Händler. Ausgelöst wurden die jüngsten Kurssteigerungen der Anleihen und Aktien nach Einschätzung Moskauer Broker durch die Ratingagentur Moody’s. Diese hat in der vergangenen Woche russischen Staatsanleihen das so genannte Investment- Grade verliehen. Diese Einstufung ist für viele institutionelle Investoren die Bedingung, um in Ländern zu investieren. Seither dürfen amerikanische und japanische Pensionsfonds und Versicherungen in Russland Geld anlegen.

Bei Anlegern herrscht seither jedoch Kopfzerbrechen über die weiteren Chancen und Risiken eines Russland-Engagements. „Auf Perspektive von zehn Jahren bietet Russland ein Aufwertungspotenzial von Faktor zehn“, sagt Jochen Wermuth, Managing Partner von Wermuth Asset Management. „Denn die Kurs- Gewinn-Verhältnisse dürften von heute durchschnittlich fünf auf das Polen-Niveau von 15 ansteigen. Dazu kommt, dass Präsident Putin Russlands Bruttoinlandsprodukt binnen eines Jahrzehnts verdoppeln will. Und wegen der realen Rubelaufwertung werden auf das Inland konzentrierte russische Unternehmen ihre Gewinne deutlich steigern können.“

So weit das Gute. Doch „kurzfristig können die Börsenkurse noch um 50 % wachsen, aber auch um 20 % zurückgehen“, gibt Wermuth sich offen. Auch Hartmut Jacob, Analyst bei der Moskauer Investmentbank Renaissance Capital, sagt, „Überraschungen sind in Russland immer drin“. So wolle der Markt derzeit nur positive Nachrichten hören. „Wenn dann aber negative Nachrichten kommen, gehen die Kurse runter“, erwartet Jacob.

So weit das Negative. Doch so schlimm sei es auch nicht: „Der Skandal um den Ölkonzern Yukos hat gezeigt, dass der russische Markt relativ immun ist“, meint Jacob. So hatte Moskaus Börsenbarometer RTS nur kurzfristig nachgegeben als die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Yukos Anfang Juli begannen.

Vor zwei Wochen übersprang der RTS dann sein 1997 erreichtes Allzeithoch und notiert seither darüber. Allerdings käme sowohl frisches Auslandskapital auf den Markt wie andererseits bereits Gewinne mitgenommen würden, beobachten Händler. Deshalb fährt Moskaus Börse zurzeit Schlangenlinien.

"Russlands Aktienmarkt ist nicht mehr billig"

Zeit also, etwas fundamentaler auf Russlands Aktien zu schauen: „Russlands Aktienmarkt ist nicht mehr billig“, meint James Fenkner, Research-Chef des Moskauer Brokerhauses Troika Dialog, nach 830 % Kursfeuerwerk seit 1999. Zudem werde der Markt dadurch stark angeheizt, dass sich viel Geld auf wenig Aktien wirft. Das Angebot an russischen Papieren ist sehr klein – die gesamte Marktkapitalisierung der in Moskau gehandelten Aktien beträgt gerade einmal 200 Mrd. $.

Zu den Fundamentaldaten gehört aber auch, dass im Gegensatz zu Moody’s nach Ansicht anderer Ratingagenturen wie Standard & Poor’s die Wirtschaftsreformen im Riesenreich noch nicht so weit fortgeschritten sind, dass dies einen Investment- Grade rechtfertige: „Wir würden gern mehr Reformfortschritte sehen, um eine widerstandsfähigere Wirtschaft zu bekommen“, sagt S&P-Analyst Konrad Reuss. Auch Analyst Jacobs will „nicht zu schnell davon ausgehen, dass sich Russland in ein ganz normales Land gewandelt hat“. Zu viel hängt zwischen Petersburg und Pazifik noch immer von hohen Ölpreisen ab.

Für Russlands Aktien heiße das, dass bei den Blue Chips, also den führenden Papieren, das meiste ohnehin schon im Preis eingespeist sei. Der Strommonopolist UES etwa „ist inzwischen auch im internationalen Vergleich teuer. Ein klares Verkaufssignal“, sagt Jacobs, der wie Wermuth auf die „zweite Reihe“ setzt – kleinere Werte mit großem Potenzial und einem großen Nachteil: An sie kommen deutsche Anleger über die an West-Börsen wie Aktien gehandelten American Deposit Receipts auf russische Anteilsscheine nicht heran. „Bei günstigen Einstiegskursen, also bei kurzfristigen Rückschlägen“, sieht aber auch Fondsmanager Florian Fenner von der Moskauer Vereinten Finanzgruppe (UFG) noch Möglichkeiten.

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