Vermögensforscher im Interview (Teil I)
„Die Geissens sind Karikaturen von Reichtum“

Die Superreichen der Welt ticken anders als die Geissens, davon ist Thomas Druyen überzeugt. Überhaupt wird Reichtum oft falsch definiert. Der Vermögensforscher über Geld, Millionen-Boni und reiche Griechen.
  • 16

Mit Geld kennt Thomas Druyen sich aus, ebenso mit Neid und Missgunst. Als Vermögensforscher hat er Dutzende Superreiche interviewt. Er warnt davor, die sogenannten Boni-Banker pauschal zu verurteilen und die superreichen Griechen vorzuverurteilen. Gefahr sieht er von den Kapitalmarktblasen ausgehen, die sich derzeit überall aufblähen. Ein noch viel größeres Problem sieht er aber in der Demographie.

Sind Sie reich?
Leider nein. Das interessiert mich gar nicht, auch wenn es arrogant klingen mag. Ich bin Hochschullehrer, deshalb gehöre ich wahrscheinlich vermögenstechnisch zur Mittelschicht. Auf materielle Werte war ich nie fokussiert.

Wie sind Sie dann zur Vermögensforschung gekommen?
Mich haben sehr früh die gesellschaftlichen Zusammenhänge interessiert.  Eigentlich sollte ich die Firma meiner Eltern, die Generalvertretung einer Brauerei, übernehmen. Doch die philosophische und wissenschaftliche Analyse hat mich immer schon fasziniert.

Wie stark haben Ihre Unternehmer-Eltern Sie geprägt?
Meine Mutter war die Tochter des Unternehmens, mein Vater war Schauspieler. Er war Schüler von Gustav Gründgens und hat Gedichte geschrieben. Insofern schlugen immer schon zwei Herzen in meiner Brust. Die Nähe zu der Philosophie meines Vaters war immer signifikant. Auch deshalb hat mich der schnöde Mammon nie wirklich gereizt – und es gab durchaus Gelegenheiten in Vorständen Platz zu nehmen und keine Hochschulkarriere zu machen. Aber man muss sich entscheiden. Mein Weg ist ein Privileg und ein Geschenk, dafür tut man gerne eine Menge.

Wie definieren Sie Reichtum?
Es ist nicht meine Aufgabe, Reichtum zu definieren. Eigentlich müsste es eine institutionelle, weltweit geltende Definition geben. Doch die gibt es nicht.  Nach dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beispielsweise ist eine Einzelperson reich, die über ein monatliches Einkommen von 3500 Euro verfügt. Bei einer Familie sind es 7000 Euro.

Dann sind aber sehr viele Menschen reich.
Diese Rechnung kann natürlich nicht funktionieren. Dramatisch ist vor diesem Hintergrund, dass die Reichenforschung sich seit Jahrzehnten an diesen staatlich definierten Größenordnungen orientiert hat. Das heißt für mich, dass Reichenforschung immer eher Mittelschichtsforschung war.

Kommentare zu " Vermögensforscher im Interview (Teil I): „Die Geissens sind Karikaturen von Reichtum“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • „Zum Glück habe ich ein normales Leben mit echten Menschen…“

    Ähem.

    Sie glauben also, ich hätte keine echten Menschen um mich rum?
    Oft sogar mehr, als mir lieb ist.

    So kann man sich irren.

    Apropos „echt“: Was ist das eigentlich für Sie? Würd‘ mich jetzt wirklich mal SEHR interessieren.

  • Zum Glück habe ich ein normales Leben mit echten Menschen und muss daher hier keine Romane schreiben....
    allen anderen eine schöne virtuelle Woche.....und Grüße an die Facebookfreunde

  • "...reichen... nach Alternativen zu suchen...."

    Anette,
    Du hast doch schon eine gefunden.....die Kommentarfunktion auf HBO.....sehr schönes Hobby.....:)..LOL

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%