Vermögensverwalter im Interview
„Das ist völlig irre!“

Herwig Weise ist überzeugt: An den Börsen droht ein Crash. Der Vermögensverwalter setzt nicht auf Aktien, sondern fast nur auf Edelmetall. Eines Tages könnte er Recht behalten – im Moment läuft aber alles gegen ihn.
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Handelsblatt: Herr Weise, Sie haben auf einen Zusammenbruch des Finanzsystems gesetzt – fast ausschließlich in Gold und Goldaktien investiert. Ist die Strategie gescheitert?
Herwig Weise: Na ja, wir setzen weniger auf den Zusammenbruch, aber wir erwarten zumindest noch stärkere Turbulenzen im Währungssystem als in der Vergangenheit, und keiner der Gründe, die für den Besitz von Gold sprechen, ist verschwunden.

Der Goldpreis ist in den vergangenen Wochen eingebrochen. Goldaktien haben sogar noch stärker verloren.

Der Absturz bei Gold wurde im Wesentlichen von Spekulanten an der Terminbörse verursacht. Dort wurde Gold verkauft, das allein auf dem Papier existiert. Auf dem Markt für Münzen und Barren sah es ganz anders aus.

Auch ihr ‚echtes‘ Gold ist jetzt viel weniger wert.

Solche Schwankungen sind nie gut, aber viele sehen sie eben auch als Kaufgelegenheiten, und es ist doch bemerkenswert, dass viele Goldkäufer die Gunst der Stunde nutzen, um sich günstig einzudecken, und zwar in einer Größenordnung wie zuletzt 2008 und 2009, während der vorläufigen Höhepunkte der Finanzkrise.

Haben Sie auch zugekauft?

Ja.

Ihre Fonds haben in den vergangenen Monaten kräftig verloren. Wie reagieren die Anleger darauf?

Manche sind besorgt, manche ziehen Geld ab – aber alles in überschaubarem Rahmen. Das muss man als Vermögensverwalter aushalten.

Der Dax stellt einen Rekord nach dem anderen auf. War es ein Fehler, dass Sie nicht stärker in Aktien investiert haben?

Das sehe ich nicht als Fehler. Der Aktienmarkt hat sich von der Realität abgekoppelt. Die Anleger blenden die Risiken aus, der Optimismus ist extrem. Da spielen wir nicht mit.

Kommentare zu " Vermögensverwalter im Interview: „Das ist völlig irre!“"

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  • Alle anderen machen es falsch, nur ich mache es richtig.

    Mit dieser Einstellung habe ich grundsätzlich ein Problem. Es ist schön und richtig, das Gold in groben Zügen noch soviel wert ist wie in der Römerzeit (Toga-Vergleich). Aber für mich ist es nicht wichtig, das mein Vermögen in 2000 Jahren soviel wert ist wie heute, sondern in 10-20 Jahren.

    Ich war bis vor einem Jahr auch Anleger im "M&W Privat", gerade wegen des hohen Goldanteils, bin aber noch rechtzeitig ausgestiegen weil mir das "an der Seitenlinie stehen" so nicht mehr angemessen erschien. Die Gold-Hörigkeit, die Herr Weise zeigt, ist so völlig unangemessen im Sinne der Kunden. Aktien- oder Anleihen-Hörigkeit wäre es genauso.

    Ich finde es sehr bedauerlich, das offenbar nicht mehr das Kundeninteresse bei M&W im Vordegrund steht, sondern das Recht-haben-wollen.

  • Die Performance seines Fonds ist einfach nur erbärmlich. Sein Weltbild ist stark gegensätzlich zu dem was in meinen Augen hoch angesehene Vermögensverwalter wie Flossbach, Max Otte, Frank Fischer von sich geben.

    Die Aktienmärkte werden noch Jahre weiterlaufen, Nominalwertinhaber werden massiv an Vermögen verlieren. Was Herr Weise mit dem Vermögen seiner Kunden angerichtet hat ist verherrend, daher bin ich persönlich schon vor Jahren aus seinem Fond ausgestiegen, weil mir eine einseitig Fixierung auf Gold, mit damals 30 % nicht geheuer war. Wesentliche Aktien Positionen wurden nicht einmal bei einem DAX Stand von 5000 Punkten aufgebaut.

    Die New Economy Blase von 1999 mit dem aktuellen DAX Stand zu vergleichen ist lächerlich. Die Fundamentaldaten und die Bewertungen von damals und heute kann sich jeder selber ansehen.

  • Auch ohne Kristallkugel kann man schon mal einen Blick in die Zukunft werfen.
    Bei der gerade laufenden "fantastischen" Aktienhausse darf man nämlich eines nie vergessen:
    zu einem Geschäft gehören immer zwei. Einer, der zu steigenden Preisen kauft, und einer der zu steigenden Preisen verkauft. Oder mit meinen Worten gesagt, es gibt Kluge und Dumme. Die Klugen finden jetzt genügend Dumme, die ihnen die überbewerteten Aktien zu diesen Preisen abkaufen. Am Ende kaben die Klugen das Geld und die Dummen hocken auf den teuren Papieren. Dann braucht nur -wie bei des Kaisers neuen Kleidern- ein Kind zu rufen: "Der hat ja gar nichts an." Jetzt wollen alle auf einmal durch den Ausgang. If panic, panic first.

    Die einzige Unsicherheit, die ich sehe, ist, wie lange das Spiel diesmal dauert.

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