Vermögensverwalter
„Nur die Hälfte ist überlebensfähig“

Das Misstrauen gegenüber den Banken stärkt die Vermögensverwalter. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht etwas trister aus. Experten schätzen, dass viele kleine Anbieter bald unter Druck geraten werden.
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FrankfurtDer Markt für unabhängige Vermögensverwalter spaltet sich. Größere Anbieter gewinnen mehr Kunden. Doch diese Erfolgsgeschichten verdecken die Existenznöte vieler kleiner Verwalter. "Die kleinen Verwalter können die Kosten der wachsenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen, insbesondere durch die ständig zunehmenden Formalien, kaum mehr tragen", sagt Nero Knapp, Justiziar beim Verband unabhängiger Vermögensverwalter (VuV). Er ist überzeugt: "Kleinere werden sich zusammenschließen oder bei einem der Mittelgroßen einsteigen."

Der Markt der unabhängigen Vermögensverwalter wird statistisch nicht erfasst. Der VuV schätzt aber das verwaltete Kundenvermögen allein seiner derzeit 222 Mitglieder auf rund 60 Milliarden Euro. Das ist viel, aber zusammen weniger als die Hälfte dessen, was etwa ein abhängiger Verwalter wie die Deutsche-Bank-Tochter DWS allein in ihren Fonds für Privatkunden betreut. VuV-Mann Knapp sieht eine Dreiteilung des insgesamt wachsenden Marktes für unabhängige Berater.

An der Spitze sieht er Namen mit vielen Milliarden Kundenvermögen. Dazu gehören die "alten Hasen" wie Jens Ehrhardt mit der DJE Kapital AG, Frank Lingohr, Eckhard Sauren oder Hendrik Leber. Sie führen ihr eigenes mittelständisches Unternehmen. Viele sind auf Einzeldepotverwaltung, auf Aktien- und Mischfonds ausgerichtet. Sie haben trotz der Börsenturbulenzen in der Zeit der Finanzkrise an verwaltetem Kapital gewonnen. Die stärksten Zuwächse in den Krisenjahren unter den größeren Anbietern verbuchten jedoch Firmen, die nicht nur gute Wertentwicklungen liefern, sondern auch die großen institutionellen Investoren überzeugen und ihnen die gefragten risikoarmen Strategien bereitstellen. "Das Privatkundengeschäft ist unter Druck, aber das institutionelle Segment wächst", bestätigt Ralf Lochmüller, Partner bei Lupus Alpha.

Zu diesen aufstrebenden Anbietern zählen Assénagon, Flossbach von Storch oder Main First. Assénagon ist zwar eine luxemburgische Anlagegesellschaft, hat allerdings deutsche Gründer und starkes Geschäft in Deutschland. "Das Gründungs-Timing war äußerst unglücklich, wir gingen Ende 2007 live - dann begann die Finanzkrise", erinnert sich Martin Weithofer, Leiter der deutschen Niederlassung.

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"Zwei bis drei Personen - das geht nicht"

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  • Heute ist das ohnehin egal, denn genau diese rivalisierenden Platzhirsche machen die Kurse und ihre oft abrupten Bewegungen über Computerbasierte Programme! Diese Programme drücken Privatanleger ganz nach hinten, diese haben die höchsten Verluste oder niedrigsten Gewinne nach Verkauf, zuerst immer die Institutionell-computerbasierten Akteure. Wenn man es unbedingt braucht, weil GIER, dann Nestle, Coca-Cola, Zigaretten GB, Novo Nodisk Dänemark..

  • Was heisst eigentlich "Streuen", oder nicht mehr als 1/3 in ein Einzelinvestment packen? Wenn Sie heute den S&P500 kaufen, ist das genug gestreut? Nach Markowitz sollten 20 ausreichen. Was ist besser gestreut: 20 weltweit ausgewählt oder 500 vom S&P?

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