Vermögensverwaltung

Ein Job zum Gähnen

Lim Tze Chengs Fonds hat mit 51 Prozent Ertrag in diesem Jahr alle seine Konkurrenten in Malaysia in den Schatten gestellt. Der Manager findet seinen Job trotzdem öde. Dafür gibt es einen einfachen Grund.
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Die Aktienmärkte können ganz schön turbulent erscheinen. Wer seine Aktien jedoch sorgfältig auswählt, kriegt vom Trubel wenig mit. Quelle: dpa
Langeweile

Die Aktienmärkte können ganz schön turbulent erscheinen. Wer seine Aktien jedoch sorgfältig auswählt, kriegt vom Trubel wenig mit.

(Foto: dpa)

New York/Kuala LumpurLim Tze Cheng sagt, für Erfolg muss man einfach nur das Getöse ignorieren. Seine Investmentstrategie: Man müsse nur eine Handvoll vielversprechender Aktien auszuwählen und dann so lange an ihnen festhalten, bis die Kurse steigen. Hat man den ersten Teil geschafft, gelte es, sich nicht vom Tagesereignissen am Aktienmarkt nervös machen zu lassen. Und wenn auch das passt, sollte der Rest des Jobs eigentlich ziemlich öde sein.

„Fondsmanagement ist langweilig“, sagt der Geschäftsführer von Inter-Pacific Asset Management. Sein Kopf ist kahlgeschoren, was ihn wie einen buddhistischen Mönch aussehen lässt. „Sie finden, Sie kaufen - und dann gibt es nichts anderes zu tun, als abzuwarten.“

Die malaysische Vermögensverwalter, der die Hälfte seiner Einkünfte spendet, stellt in diesem Jahr alle Kollegen im Lande in den Schatten. Lim hatte malaysische Aktien aus den Branchen Technologie und verarbeitendes Gewerbe gekauft, bei denen er davon ausgeht, dass die Unternehmen den Gewinn langfristig steigern werden. Er wettete darauf, dass die Rally bei Technologiewerten noch mehrere Jahre anhalten wird. Das half seinen beiden Flaggschiff-Fonds 2017 einen Ertrag zu erzielen, der bei rund sechsmal höher ist als beim Benchmark-Aktienindex.

Die größten Anlegerfehler
Privatanleger machen vermeidbare Fehler
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Eine Studie der Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer für das Magazin „Finanztest“ hat knapp 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum von 2005 bis 2015 ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass die Anleger weit hinter den Wertzuwächsen des Gesamtmarktes liegen. Während eine Rendite von jährlich 8,7 Prozent realistisch gewesen wäre, kommen die Anleger nur auf einen Wertzuwachs von 3,1 Prozent. Mangelnde Finanzkenntnisse müssen nicht die Ursache sein. Zu Einbußen führen meist kurzfristiges Denken, Gier und Aktionismus. Die vier gängigsten Fehler sind leicht zu beheben. Wir stellen sie vor – und entsprechende Gegenstrategien.

Das Bild zeigt die Börse von Abu Dhabi. Hier handeln Privatanleger mit größeren Beträgen als in Deutschland.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Befund Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage – dennoch vernachlässigen sie viele Anleger: die Risikostreuung. Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Eines der untersuchten Depots beinhaltet heute im Schnitt zwölf Aktien.

In Santiago de Chile bedient ein Mitarbeiter der chilenischen Zentralbank eine Sicherheitstür.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Folgen Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Autoren ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran.

In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen.

Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ kommen Menschen vor der New York Stock Exchange zusammen.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Gegenmittel Es ist leicht, ein breit gestreutes Depot aufzubauen: durch börsengehandelte Indexfonds (ETF). Sie beteiligen Anleger, je nach Art, an 1600 bis 2500 internationalen Aktien. Für Staatsanleihen gibt es ebenfalls ETFs.

Bestehende Depots umzubauen, ist nicht nicht ganz einfach. Anleger sollten sich von Verlustpositionen trennen. Ein Papier erst zu verkaufen, wenn es seinen einstigen Kaufpreis erreicht hat, ist irrational. Es sollten triftige Gründe für eine zu erwartende Wertsteigerung vorliegen.

Ein chinesischer Investor analysiert im August 2015 eine Kurstafel.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Befund Der Fehler erinnert an das Muster von Sportwetten: Unerfreuliche Ergebnisse werden ausgeblendet, Erfolgserlebnisse übermäßig hochgehalten. Anleger sollten aber ausschließlich die langfristige Entwicklung des Gesamtdepots im Blick haben.

Oft suchen sie ihr Heil in einer Kombination aus Einzelaktien: Im Falle eines Missgriffs ist es eine beliebte Methode, die Position aufzustocken, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken und von der erwarteten Erholung zu profitieren. Das kann jedoch auch weiteres Unheil anrichten: Das sogenannte Klumpenrisiko, eine Übergewichtung einzelner Anlagen im Depot, steigt. Private Anleger haben gegenüber Profis hier offenbar schlechtere Karten.

Das Foto vom 20. Oktober 1987 zeigt Händler in der Frankfurter Börse. Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Tage.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Folgen Vom Aktien-Picken betroffene Depots bringen nur 3,1 Prozent Rendite. Mit einer Indexmischung, die die durchschnittliche Vermögensaufteilung der Anleger widerspiegelt, hätten sie dagegen 8,7 Prozent erzielt.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Gegenmittel Aktien- und Renten-ETFs sind auch hier ein probates Mittel. Passionierte Zocker von einer solchen Strategie zu überzeugen, fällt manchmal schwer. Wer unbedingt eigenhändig zusammenstellen will, sollte zwingend auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die wichtigsten Branchen achten.

Die USA gelten als Nation der Aktienbesitzer.

Das Anlagevolumen von Inter-Pacific hat sich verzehnfacht, seit Lim im Dezember bei der Investmentfirma an Bord gegangen ist. Kontrolliert wird diese von Vincent Tan, einem malaysischen Tycoon und Eigentümer des Cardiff City Football Club.

Inter-Pacific ist noch immer ein Boutique-Investor, der lediglich 50 Millionen Ringgit (9,9 Millionen Euro) verwaltet. Das ist weit weniger als bei der vorherigen Position von Lim als Aktien-Chef bei der 44 Milliarden Ringgit schweren Asset-Management-Gesellschaft von RHB Bank. Das liegt zum Teil daran, dass Inter-Pacific keine Vorab-Gebühren erhebt und die Kosten für die Vermarktung der Fonds selbst schultert, was diese für Vertriebspartner weniger attraktiv macht als von Banken geführte Fonds.

Lim verfolgt einen konzentrierten Ansatz und hält nie mehr als 40 Aktien, wobei die meisten Investments in der Regel mindestens drei Prozent des Portfolios ausmachen. Einige Jahre wird er nach eigenen Angaben keine neuen Unternehmen hinzufügen, falls er keine guten finden kann, und statt dessen stärker auf existierende Anlagen setzen.

Der Inter-Pacific Dynamic Equity Fund, der in Unternehmen investiert, die an der Börse von Malaysia notiert sind - hat 2017 um 46 Prozent zugelegt. Eine Sharia-konforme Version des Fonds kletterte 51 Prozent. Die nächstbeste Entwicklung unter 246 Malaysia-fokussierten Aktienfonds kommt auf einen Ertrag von 26 Prozent, zeigen Daten von Bloomberg.

Die starke Entwicklung ist im Wesentlichen auf Technologieunternehmen zurückzuführen, die 38 Prozent des Anlagevolumens des Dynamic Equity Fund ausmachen. Grundlage für diese Angaben sind Bloomberg-Berechnungen auf Basis des Portfolios mit Stand von Mai. Zu den wichtigsten Investments zählt VisDynamics Holdings Bhd., ein Maschinenhersteller für die Halbleiterindustrie, und Begriff Vtec Bhd., ein Hersteller von Präzisionsteilen für Festplatten und Autos. Beide Aktien gewannen in diesem Jahr mindestens 157 Prozent.

Für Lim hat die Rally, die ein Barometer für malaysische Technologieaktien 2017 um 70 Prozent steigen ließ, noch mindestens zwei Jahre vor sich. Das liege genauso an Autos wie an Telefonen, sagt er. Er verweist auf die Nachfrage nach elektronischen Komponenten, da Fahrzeuge mehr Aufgaben selbstständig übernehmen. „Die weltweit meistverkauften Gegenstände sind keine Handys, sondern Autos und der Wert ist viel höher“, sagt er. „IPhones haben vielleicht ein paar LEDs, aber ein Auto hat viel mehr.“

  • Bloomberg
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