Vermögensverwaltung
Im Windschatten der Millionäre

Der deutsche Markt für Vermögensverwaltung befindet sich im Umschwung: Immer mehr bankenunabhängige Berater bieten ihre Dienste an. Reiche Familien bevorzugen oft die Konzepte der kleineren Anbieter.

HAMBURG. Der Mann mag es in seinem Penthouse-Büro nahe dem Hamburger Rothenbaum gern schlicht. Schwarz lackiert sind Stühle und Schreibtisch, makellos weiß gestrichen die Wände. Wie ein Störenfried sticht eine kleine bunte Plastik ins Auge, die versteckt hinter einem Pfeiler auf dem Boden steht: der Disney-Held Dagobert Duck, der sich ab und zu ein Bad in seinen Geldspeicher gönnt.

Die Figur ist der einzige Farbtupfer, den sich Jens Spudy in seinem geräumigen Büro erlaubt. Denn bei dem geschäftsführenden Gesellschafter der gleichnamigen Spudy & Co. Family Office wird hanseatische Zurückhaltung groß geschrieben. Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit betreut er seit Jahren das Vermögen einiger der wohlhabendsten Familien in Deutschland: „Ich berate rund 50 Kunden – davon einige mit einem Privatvermögen von mehr als 800 Millionen Euro“, sagt der 44-jährige Manager mit grau meliertem Haar und dunklem Anzug.

Zu seinen Stammkunden gehört auch das milliardenschwere Familienimperium des ehemaligen Arbeitgeberpräsidenten Klaus Murmann. Dieses umfasst diverse Firmenbeteiligungen – darunter unter anderem an Sauer Danfoss. Der Weltmarktführer für hydraulische Getriebe setzt mit mehr als 8 500 Mitarbeitern jährlich rund 1,5 Milliarden Euro um und ging 1998 an die Börse. „Durch die Aktienplatzierung ist der Familie erhebliches Kapital zugeflossen, das angelegt werden musste“, erinnert sich Spudy.

Seit Anfang des Jahres hat diese Kundenbeziehung aber eine neue Qualität erhalten. Überraschend hat sich Murmanns Finanzbeteiligungsfirma Sauer Finance die Mehrheit an Spudy & Co. gesichert. „Wir hoffen, uns gegenseitig Geschäfte vermitteln zu können“, erläutert Stefan Weiland, Geschäftsführer von Sauer Finance. Denn die Finanzholding mit rund 100 Mitarbeitern hat eine ähnliche Zielgruppe wie Spudy & Co. im Visier. Sauer Finance berät vor allem inhabergeführte Unternehmen in der betrieblichen Altersvorsorge, Spudy hingegen die Unternehmer selbst – sei es bei der Regelung der Nachfolge oder steuerlichen Problemen. „Wir wollen die Kunden künftig von zwei Seiten bearbeiten, um das Geschäft auszuweiten“, sagen Weiland und Spudy unisono.

Jens Spudy ist im Familie Office, in der Vermögensverwaltung für reiche Familien, kein Unbekannter: Der gebürtige Bremer ist seit mehr als zehn Jahren in diesem Geschäftsfeld aktiv. Zunächst ist er für die Deutsche Bank in Hamburg und Kiel tätig, Ende 2001 macht er sich mit dem früheren M.M. Warburg-Manager Thilo Berlin in Hamburg selbstständig. Doch seit Mitte vergangenen Jahres gehen die Inhaber getrennte Wege. Spudy gründet seine eigene Firma mit zwölf Mitarbeitern. Mit der Murmann-Familie im Rücken wagt der Manager einen weiteren Schritt. Er holt sich von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Lizenz als Vermögensverwalter.

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