Vermögensverwaltung
Kunden verlangen intensivere Betreuung

Die Krise hat Vermögen vernichtet und Vertrauen gekostet. Jetzt finden die Aufräumarbeiten in der Anlagebranche statt. Vermögensverwalter wollen ihre Investoren zurück gewinnen und die Schockstarre der Anleger lösen.
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FRANKFURT. Im Jahr 2008 haben nahezu alle Kunden von Vermögensverwaltern Kapital verloren. "Es wäre unseriös zu behaupten, dass Anleger unbeschadet durch das Jahr 2008 gekommen sind", sagt Jörg Ludewig, Leiter Private Banking der Hamburger Sparkasse. Nach dem renommierten "Global Private Banking and Wealth Management Survey 2009" des Wirtschaftsprüfers und Beraters Price Waterhouse Coopers (PWC) haben die Kunden von knapp der Hälfte von 238 internationalen Vermögensverwaltern mehr als elf Prozent Verlust im Depot erlitten. Ein Drittel der Vermögensverwalter verlor in der Krise mehr als sechs Prozent der Kunden. Das trifft die Anbieter empfindlich, weil mit den Vermögen ihre Erträge schrumpfen.

Zwischen Kunden und Verwaltern dominieren denn auch "Gespräche gegen die Verunsicherung", berichtet Ludewig. Das Thema Wertentwicklung und der Blick nach vorn seien dabei wichtig. "Die Menschen orientieren sich neu", sagt Andreas Brodtmann, persönlich haftender Gesellschafter der Berenberg Bank in Hamburg. Vermögensverwalter müssten auch Risiken managen, meint er: "Kunden dürfen nicht zu viel Risiko im Depot haben - das ist vielen in der Krise passiert." Bei der Haspa steht das Thema Risiko weit oben. "Wir müssen die Kunden aus ihrer Liquiditätsstarre herausholen und entsprechend ihrer Risikoneigung wieder zu etwas mehr Risiko im Depot zurückführen", sagt Ludewig.

Die Zahl guter Vermögensverwalter hat abgenommen

Die Entscheidungen über den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt an den Märkten dürften wie in den vergangenen 18 extremen Börsenmonaten ein kritisches Moment der Arbeit eines Vermögensverwalters bleiben, meint Björn H. Robens, Private-Banking-Chef der BHF-Bank. "Die hohen Volatilitäten werden uns vorerst erhalten bleiben." Inzwischen hätten aber die meisten Kunden ihre Verluste aus der Krise wieder ausgeglichen, berichten die Verwalter.

Die Asset Manager haben laut PWC inzwischen erkannt, dass sie ihre Kunden intensiver umsorgen müssen. Demnach führen die Verwalter mehr Strategiegespräche als früher, binden Anleger in Details des Vermögensmanagements ein. Nahezu alle Institute haben demnach ihre Kundenkontakte intensiviert.



Für Anbieter wie Kunden dürfte mehr denn je gelten, auf die entscheidenden Kriterien für gute Vermögensverwaltung zu achten. De facto würden diese aber von Jahr zu Jahr weniger beherzigt, moniert Hans-Kaspar von Schönfels, Gründer des unabhängigen Fachmagazins Elite Report, das einmal im Jahr mit dem Handelsblatt als Medienpartner die besten Vermögensverwalter im deutschsprachigen Raum kürt. So ist die Zahl der von der unabhängigen Jury des Elite Report als empfehlenswert betitelten Vermögensverwalter gesunken.

Mit lediglich 49 Verwaltern erhielt in der vergangenen Woche weniger als ein Siebtel der 362 getesteten Vermögensprofis aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Liechtenstein und Luxemburg eine Empfehlung. Im vergangenen Jahr gehörte immerhin noch ein gutes Siebtel der von der unabhängigen Jury getesteten Anbieter zur Elite, im Jahr davor ein knappes Sechstel. "Die Tophäuser werden weniger, aber unter ihnen zeigt sich eine große Kontinuität - trotz Krise", resümiert von Schönfels. So konnten 22 der 25 Spitzenhäuser ihre Position verteidigen, darunter finden sich die Berenberg Bank, die BHF-Bank und die Hamburger Sparkasse (Haspa).

Der Elite Report bewertet Vermögensverwalter nach einer umfassenden Analyse von Beratung, Verträgen sowie Depottests.

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