Verrückte Indizes Immer eine Sünde wert

Was haben Big Mac, Sünden und die Birkin Bag gemeinsam? Sie müssen herhalten für Indizes, die auf den ersten Blick eher unterhaltsam als lukrativ sind. Doch für Anleger lohnt ein genauer Blick.
Für den Klassiker von Mc Donald’s gibt es einen eigenen Index. Quelle: dpa
Big Mac

Für den Klassiker von Mc Donald’s gibt es einen eigenen Index.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEin Big Mac als Indikator für die Kaufkraft? Ein Sündenindex, der zwar sensationell läuft, aber in den Anleger nicht investieren können? Und dann der Birkin-Bag-Index? Drei Beispiele für sehr ausgefallene, wenn nicht gar verrückte Indizes. Doch was bringen sie Anlegern? Mehr, als man auf den ersten Blick meinen möchte.

Ein Big Mac ist sicher nicht das, was Ernährungsberater empfehlen würden. Fastfood ist eher in Verruf gekommen, der Umsatz mit den Kalorienbomben sinkt. Seit Jahren kämpft Mc Donald’s mit Salat und anderen Vitaminbomben um sein Image – sogar das Logo ist mittlerweile grün. Bekannt ist und bleibt die Fastfood-Kette aber wegen des Big Macs. Und auf den gibt es sogar einen Index. Das renommierte Wirtschaftsmagazin „Economist“ hat ihn im Jahr 1986 entwickelt.

Das lehrt uns das Burger-Barometer
Burger als Maßstab
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Der "Economist" erhebt den berühmten Big-Mac-Index seit 1986. Der Index veranschaulicht bei all seinen Schwächen den wahren Wert einer Währung. Der Burger von McDonald's wird überall gleich zubereitet, müsste demnach in jedem Land gleich viel kosten - das ist aber nicht der Fall.

McDonald's Menü in New York
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Die Sache ist eigentlich ganz simpel. Jede Währung hat einen Wechselkurs, der auf dem Devisenmarkt bestimmt wird. Gleichzeitig hat jede Währung aber auch einen Binnenwert, der anzeigt, wie viel man sich in dem jeweiligen Land für das Geld leisten kann. Der Binnenwert ist also Ausdruck der Kaufkraft.

McDonald's Filiale in Hong Kong
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Wenn Wechselkurs und Binnenwert gleich sind, müsste der Big Mac, der überall auf der Welt der gleiche ist, in New York so viele Dollars kosten, wie in Peking. Der Preis für das Weizenbrötchen mit zwei Bouletten schwankt aber viel mehr, als es der Blick auf die Devisenmärkten erlaubt.

McDonald's-Filiale in Venezuela
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In Venezuela kann man einen Big-Mac für 66 US-Cent erwerben. Damit ist er so billig wie in keinem anderen Land. Um ganze 86 Prozent scheint der Bolivar demnach unterbewertet zu sein.

McDonald's-Filiale in Russland
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Stark unterbewertet zeigt sich auch der Rubel. Von Sankt Petersburg bis Wladiwostok müssen die Russen umgerechnet nur 1,53 Dollar auf den Tresen legen, um einen Big-Mac zu bekommen.

Das Logo der Fastfood-Kette in Mühlheim am Main.
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Der Europäer kriegt seinen Burger im Durchschnitt für 3,99 Dollar, der Deutsche muss etwas weniger bezahlen: 3,85 Dollar. In der Eurozone ist der Burger damit rund ein Fünftel günstiger als in den USA.

Die Werbefigur "Ronald McDonald" auf der Thanksgiving-Parade in New York
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In den USA, das Mutterland des Fastfoods, kostet der Big Mac 4,93 Dollar. Damit ist das Weizenbrötchen in seiner Heimat ziemlich teuer. Doch in einigen Ländern ist der Burger noch teurer..

Der Big-Mac-Index soll ein Gradmesser dafür sein, ob sich Devisen auf ihrem „korrekten“ Niveau befinden. Das Barometer basiert auf der Annahme von Kaufkraftparität – also der Idee, dass sich Wechselkurse in eine Richtung bewegen sollten, welche die Preise für identische Güter in zwei verschiedenen Ländern ungefähr auf dasselbe Niveau führen.

Der Index ist ein Indikator dafür, wie sich eine Währung entwickelt. Zuletzt wurde er im Januar veröffentlich und der Preis für einen Burger gibt Analysten Munition für die Aussage, dass der dreijährige Rückgang des Australien-Dollar bald ein Ende findet. Die Währung ist rund 30 Prozent unterbewertet – basierend auf dem Preis für eine Big Mac in Australien, verglichen mit den Kosten für dasselbe Produkt in den USA. Das letzte Mal lag das Barometer 2009 auf einem solchen Niveau. Und der Australien-Dollar setzte in jenem Jahr zu einer Rally von 28 Prozent an. Der Index ist also durchaus einen Blick wert.

Ebenso wie der Sündenindex. Die Schwächen anderer auszunutzen, gilt zwar gemeinhin nicht als politisch oder moralisch korrekt. An der Börse zahlt es sich aber durchaus aus, das Gewissen auszublenden und auf menschliche Laster wie Alkohol, Tabak oder Glücksspiel zu setzen. Die unmoralischen Aktien schlagen den Weltaktienindex nämlich deutlich. Der „Sin Index“ hat seit Anfang 2000 um etwa 660 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der MSCI World kam nur auf ein mageres Plus von etwa sechs Prozent. Auch auf Sicht von fünf Jahren liegt der Sündenindex klar vorne und legte gut 50 Prozent zu, während der Weltaktienindex es gerade mal auf elf Prozent brachte.

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