Verschuldung
Starke Firmengewinne vernebeln die echten Probleme

Höhere Zinsen waren oft ein großer Spielverderber an den Börsen. Kombiniert mit der Schuldenkrise, taugen sie für ein kräftiges Gewitter.

Amerikas Unternehmen treiben derzeit weltweit die Börsen nach oben. Die Aktienkurse steigen, weil die Firmenchefs aus praktisch allen Branchen die Krise nicht nur abhaken, sondern ihren Aktionären wieder Rekordgewinne präsentieren. Nur einen Augenblick hielten Börsianer den Atem an, als die weltweit wohl mächtigste Ratingagentur Standard & Poor's es wagte, angesichts der enormen US-Verschuldung die Kreditwürdigkeit der größten Volkswirtschaft in Zweifel zu ziehen.

Amerikas Regierung und Opposition tobten in seltener Eintracht ob der Majestätsbeleidigung und des drohenden Bonitätsverlusts - und die Aktienkurse fielen. Doch als kurz darauf der Computerhersteller Apple eine Verdopplung seines Gewinns auswies, blendeten Anleger die Krise gleich wieder aus. Sie besannen sich stattdessen auf die realen Daten: Milliardengewinne der Firmen und vor allem tolle Ausblicke. Weil dazu noch kräftig steigende Dividenden kommen wie bei der Technologie-Ikone IBM, treiben Anleger die wichtigen Aktienindizes in die Nähe ihrer Rekordhochs. Japans Atomkatastrophe und der täglich sichtbarer werdende Produktionsausfall samt Lieferschwierigkeiten besonders in der Chip- und Autoindustrie interessieren die Aktionäre dagegen herzlich wenig. Ebenso wenig die Schuldenkrise in Europa und in den USA.

Zugegeben, Staatsschulden berühren globalisierte Unternehmen, die ihre Geschäfte in erster Linie mit finanzkräftigen Verbrauchern in aller Welt und weniger mit dem Staat machen, zumindest auf den ersten Blick nicht so sehr. Das belegen die enormen Gewinnsteigerungen eindrucksvoll. Doch Vorsicht! Anleger begingen schon einmal den teuren Fehler, zu lange große Probleme zu ignorieren, nur weil diese die Firmen scheinbar nicht berührten.

Zur Jahreswende 2007/08 stieg Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer Dax auf ein Rekordhoch, obwohl die amerikanische Investmentbank Bear Stearns bereits im vorangegangenen Sommer etlichen Kunden mitteilen musste, dass ihre Einlagen fast nichts mehr wert seien. So begann die Immobilienkrise für jedermann sichtbar, die Welt zu erschüttern. Doch die Anleger glaubten, dass Schieflagen der Banken die damals boomende Konjunktur nicht ausbremsen könnten. Es kam bekanntlich anders: Wirtschaft und Börsenkurse brachen ein.

Ende der 90er-Jahre waren die Aktienkurse gestiegen, weil die Konjunktur brummte und das Internet die Welt zu erobern begann. Anstelle von Apple und der Suchmaschine Google fuhren damals der Softwaregigant Microsoft, der Netzwerkspezialist Cisco und der Handyhersteller Nokia enorme Ertrags- und Kurssprünge ein. Doch ebenso wie jetzt blendeten Anleger vor mehr als einem Jahrzehnt aus, dass die Notenbanken längst begonnen hatten, mit steigenden Zinsen den Kapitalzugang für Verbraucher und Unternehmen zu verteuern, um so die Inflation zu dämpfen.

Damals beflügelte obendrein eine beispiellose Euphorie um Technologie-, Medien- und Telekomaktien die Börse, so dass viele Aktien astronomisch hohe Bewertungen erreichten. Am Ende platzte die Blase, und die Bewertungen fielen wieder auf Normalniveau zurück.

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