Versorger-Aktien
Börse wettet auf Atomkraft

Nach dem Sieg von Union und FDP bei der Bundestagswahl gehören die großen Energiekonzerne zu den Gewinnern an der Börse. Analysten haben bereits ausgerechnet, wie viel die Aktien noch zulegen könnten, wenn die Atomkraftwerke länger am Netz blieben. Ganz anders sieht es für Solaraktien aus. Experten erwarten, die neue Regierung könne die Förderung für die Branche kürzen.

hac/panFRANKFURT. Am Tag nach der Bundestagswahl bewegen sich vor allem die Aktien der Energiebranche. Die Kurse von Eon und RWE stiegen um 2,8 Prozent auf 29 Euro bzw. um 3,2 Prozent auf 64,18 Euro. "Eine mögliche Verlängerung der Restlaufzeitzeit von Atomkraftwerken um mehrere Jahre könnte die Kurse der wichtigsten Versorger erhöhen", sagte Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Die Analysten von Sal. Oppenheim haben ausgerechnet, dass die Eon-Aktie vier Euro mehr wert ist als aktuell, sollten die Laufzeiten um 15 Jahre verlängert werden. Bei RWE sind es neun Euro je Aktie.

Ein anderer Börsianer gab allerdings zu bedenken, dass einige Analysten bereits vor der Wahl einen Einstieg in Versorgerwerte empfohlen hätten. Somit sollte bereits ein Teil des positiven Effektes eingepreist sein.

Seit längerem streiten die Parteien über den Atomstrom. Die Union will einen Energiemix aus Erdöl, Kohle, Gas, Kernenergie sowie Biomasse, Wasser-, Wind- und Sonnenenergie. "Ohne Kernenergie ist eine globale Lösung der CO2-Problematik derzeit undenkbar", hieß es im Wahlprogramm. Allein mit regenerativen Energien sei der kräftig steigende Energiebedarf und die Klimaschutzziele nicht in Einklang zu bringen. Eine ganz wesentliche Rolle sollen dabei die Kernkraftwerke spielen. Am Ziel, den regenerativen Energien einen Anteil von 12,5 Prozent am deutschen Stromverbrauch zu ermöglichen, wird aber festgehalten. Auch die FDP hatte stets betont, sie halte den Ausstieg aus der Kernenergie für die falsche Strategie. SPD und Grüne dagegen wollen am Atom-Ausstieg festhalten.

Während die Versorger-Aktien klettern, sieht es weniger gut für die Solarwerte aus. "Schwarz-Gelb könnte die Solarenergiesubventionen, die demnächst überprüft werden müssen, frühzeitig kürzen. Dies würde vor allem die Hersteller von Solaranlagen belasten", sagte Zeuner.

Analyst Sebastian Growe von Equinet stufte Solarworld wegen der nun entstehenden regulatorischen Unsicherheit und nach der zuletzt guten Kursentwicklung von "Kaufen" auf "Halten" herab. Aus dem Sieg von Union und FDP resultiere das Risiko einer Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom. Zudem könnte die neue Regierung Neuinstallationen von Solaranlagen begrenzen, was die Schlimmste aller Änderungen wäre.

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