Verunsicherung hält an
Dax, Euro und Gold im Gleichschritt

Der gleichzeitige Aufwärtstrend der vergangenen Tage bei Aktien, Euro und Gold ist für Börsianer ein klares Indiz dafür, dass auch nach dem Ende der Rezession an den Märkten die Verunsicherung anhält.

FRANKFURT. Selten ging das Meinungsspektrum zwischen extremem Sicherheitsdenken und übermäßigem Optimismus so weit auseinander wie im Moment. "Es geht dabei schlicht um die umfassende Frage, ob die Finanzkrise vorüber ist oder nicht", heißt es bei den Experten von Close Brothers Seydler.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat am Freitag neue Jahresbestmarken erreicht, der Euro in Relation zum Dollar war am Donnerstag im Tagesverlauf erneut auf Jahreshochs geklettert, der Goldpreis war vor drei Tagen bereits über die magische Marke von 1 000 Dollar je Feinunze gestiegen, ehe er noch am selben Tag wieder darunter fiel.

Den Gleichschritt von Euro und Gold können Experten noch nachvollziehen, lässt doch ein schwacher Dollar immer wieder den Goldpreis anziehen. Grund dafür ist, dass sich viele Investoren mit Gold gegen Verluste absichern. Dass gleichzeitig aber auch der Aktienmarkt zu neuen Jahreshochs eilt, verwundert dann doch. "Unserer Ansicht nach liegt die Phase des größten Pessimismus klar hinter uns, jedoch bleibt eine große Dosis Skepsis am Markt spürbar", sagt Bob Doll, Aktienchef von Blackrock, einem der größten Vermögensverwalter der Welt. Oft seien solche Perioden die besten für Aktien gewesen. "Wir hoffen, dass es diesmal nicht anders ist", fügt er hinzu.

Dennoch: Kursgewinne von 80 Prozent im japanischen Leitindex Nikkei und jeweils rund 50 Prozent bei Dow Jones, Dax und Hangseng in Hongkong seit den Tiefs am 9. März lassen selbst generell zuversichtliche Marktstrategen die Frage stellen, was hier überhaupt noch möglich sei. "Das könnte den Eindruck erwecken, die Weltwirtschaftskrise ließe sich wie mit einem Lichtschalter einfach aus- und die neue Wachstumsphase einschalten", sagt Dennis Nacken von Allianz Global Investors. Realistischer ist es seiner Ansicht nach, dass sich Licht und Schatten in den traditionell schwachen Herbstmonaten stärker abwechseln, als es den meisten Investoren Recht ist.

Langfristig betrachtet ist der jetzige Gleichlauf aber auch ein Vorgeschmack auf das, was Investoren in den kommenden Jahren erwarten könnte. Galt noch bis zur Jahrtausendwende an den Märkten der biblische Vergleich mit den sieben mageren und den sieben fetten Jahren, so sind die Abstände zwischen Hype und Krise inzwischen deutlich kürzer geworden. Entsprechend uneinheitlicher positionieren sich die Börsianer.

"Die Zyklen werden kürzer, aber die Grundprinzipien an den Märkten bleiben die Gleichen", sagt Franz Wenzel, Investmentstratege bei Axa Investment Managers in Paris. Wesentlicher Grund dafür sind seiner Ansicht nach nicht die Wachstumsraten in Europa und den USA - sie werden künftig eher niedriger ausfallen -, sondern die Form der Wirtschaftspolitik. Sie muss Schritt halten mit den Innovationen am Finanzmarkt. "Es ist wie bei Jugend forscht, die Innovationen kauft man", sagt er. Tendenzen, die einen gesamtwirtschaftlichen Schaden verursachen, müssen indes früh aussortiert werden.

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