Viele Aktienmärkte in der Region locken mit niedrigen Bewertungen – Experten loben die guten Wachstumsaussichten
Anleger zieht es wieder nach Südostasien

Die kleinen Tiger – so nennt man die südostasiatischen Börsen – zeigen wieder Stärke. Das Auftreten eines neuen Falls der Lungenkrankheit Sars in Singapur hat der Rally zwar einen kleinen Dämpfer verpasst. Analysten sehen aber gute Chancen für weiter steigende Kurse.

NEU DELHI/DÜSSELDORF. Nach Einschätzung von Nick Moakes, Fondsmanager von Merrill Lynch, haben Südostasiens Aktienmärkte den Anstieg der Weltbörsen seit der Asienkrise 1998 nicht nachvollzogen. Doch nun ist er optimistisch: „Dieser Trend wird sich für geraume Zeit umdrehen“, sagt er. „Die asiatischen Aktienmärkte (ex Japan) stehen vor einer Periode der Outperformance“, dabei seien die „Bewertungen niedriger als sonstwo in der Welt“. Geoff Lewis von JP Morgan in Hongkong lobt besonders den besseren wirtschaftlichen Ausblick in den meisten der Länder. „Die beste Story in Südostasien bietet Thailand“, sagt Lewis, der zudem Indonesien und Malaysia im Aktienportfolio übergewichtet. Thailands Markt habe sich dank starker inländischer Entwicklungen sogar aus der engen Korrelation mit der Wall Street gelöst. Auch für Moakes liegt der Schlüssel darin, „dass die Länder in einem gewissen Maße von den USA und anderen Industrieländern unabhängig werden“.

Zum anderen profitieren laut Lewis neben China vor allem Taiwan und Korea von dem anhaltenden Outcourcing-Trend im US-Technologiebereich. Entsprechend hätten die Technologiewerte in der Region bereits deutlich zugelegt. Dies wertet Leong Wah Kheong von Schroders Investment Management als „sicheres Zeichen, dass die Investoren mehr Vertrauen in die regionale und in die Weltwirtschaft fassen“.

Die Verbesserung der Situation innerhalb der einzelnen Länder und das Anspringen der Binnennachfrage wird von Experten nahezu einhellig gelobt. Und mit dem Ende der Sars-Krise hat auch der „Risiko-Appetit der Anleger“ wieder zugenommen, sagt Kheong. Christopher Wood, Asien-Stratege der Credit Lyonnais-Tochter CLSA, führt die Kurssteigerungen seit April zu einem großen Teil auf die Wiederentdeckung des Fernen Ostens durch westliche Anleger zurück. Und mit positiven Wachstumsaussichten in den USA sollte noch mehr Auslandskapital in die Region fließen. Das werde auch bislang vorsichtigen lokalen Anlegern Mut machen. Wood rät, Asien klar überzugewichten.

„Der Kapitalzufluss hat gerade erst angefangen“, glaubt auch ABN Amros Asien-Chefvolkswirt Eddie Wong. Weil er dem Aufschwung in den USA aber keine dauerhafte Kraft zutraut, rät er zum Kauf von Titeln, die von der Binnennachfrage profitieren. Bis auf Südkorea erwartet er, dass diese auch unabhängig von einem starken Wirtschaftswachstum im Westen kräftig steigt.

Doch die Risiken dürfen nicht übersehen werden. Einen Dämpfer erhielten die Märkte von dem neuen Sars-Fall in Singapur. Auch Terroranschläge wie in Bali und Jakarta oder eine Verschärfung des Korea-Konflikts könnte die Märkte zurückwerfen. Pieter von Putten, Asien-Chef des Fondshauses Morley, warnt zudem: „Bis auf China und Thailand stimmt die lokale Konsumstory nicht richtig, zurzeit sind es die Exportaussichten, die die Märkte anfachen.“ Er setzt deshalb vor allem auf zyklische Werte. „In den USA zeichnet sich deutliches Wachstum ab, selbst Japan überrascht, und auch Europa sendet positive Signale,“ begründet er seinen Optimismus. Davon werde das sehr ausfuhrabhängige Asien merklich profitieren. Weitere nennenswerte Kurssteigerungen könnten allerdings bis zum Jahresende auf sich warten lassen.

Am meisten Aufwärtspotenzial sieht von Putten in Thailand und Indonesien. In Südkorea, das in einer Rezession steckt und wo sich viele Konsumenten zu hohe Schulden aufgeladen haben, vertraut er nur auf bewährte Exporteure wie Samsung Electronics und Hyundai. „Noch Musik drin“ sei auch in IT-Werten wie der taiwanesischen Chipschmiede TSMC, die auch JP Morgan gefällt. Schroders findet u.a. den indonesischen Bankensektor mit der PT Bank Mandiri und der PT Bank Danamon interessant.

Merrill-Experte Moakes warnt Anleger allerdings vor zu großem Leichtsinn. Denn trotz der guten Aussichten zeigten beispielsweise die negativen Entwicklungen in Südkoreas Kreditkartenbranche, dass die Region „Asia Pacific unverändert eine riskante Anlageklasse ist“.

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