Viele Anleger werden angesichts der geballten Skepsis den Kopf schütteln
Gurus lassen Aktien links liegen

Die Ikonen der Investmentbranche suchen derzeit Zuflucht in Cash, Gold und Rohstoffen.

FRANKFURT/M. Der Mann residiert in Nassau auf den Bahamas, fernab der Tageshektik der Börsen. Mit 91 Jahren ist er zwar nicht mehr im Geschäft. Aber sein Ruf eilt ihm voraus: John Templeton, seit seiner Erhebung in den Adelsstand schlicht „Sir John“ genannt. Als Gründer der großen US-Fondsgesellschaft Templeton zählt er zu den lebenden Legenden der Anlageszene. Und wie viele seiner Kollegen in dieser erlauchten Runde sieht Templeton nur noch eines: schwarz für die Börsen. Allerdings drückt er sich im Gegensatz zu anderen Gurus nicht so drastisch aus. Sir John kleidet seine Vorbehalte in sehr zurückhaltende Worte.

Größer als heute könnten die Widersprüche zwischen den Einschätzungen der Investment-Ikonen und den Meinungen der internationalen Großanleger kaum sein. Die einen sind zu Kassandren geworden, während der Optimismus der anderen kaum Grenzen zu kennen scheint – nimmt man die Ergebnisse repräsentativer Umfragen über das Anlageverhalten als Maßstab. Und öffentlich wird dieser Widerspruch praktisch nicht wahrgenommen. Die zweite Tatsache ist nicht nur mindestens so interessant wie die erste. Sie bereitet manchen der Skeptikern auch zusätzliche Bauchschmerzen.

Fundamentale Ungleichgewichte bringen die Querdenker zu ihren düsteren Prognosen. Es ist vor allem die horrende Überschuldung der Staaten, Unternehmen und Privathaushalte – besonders in den USA. Sie bildet in Verbindung mit fragiler Konjunktur, teuren Aktien, Überinvestments von Ausländern in US-Wertpapieren und einem anfälligen Dollar ein explosives Gemisch.

Die brisante Lage ruft die alten Herren mit vielen Jahrzehnten Börsenerfahrung auf den Plan, allen voran Templeton. Er gibt so gut wie keine Interviews mehr. Aber gegenüber dem Handelsblatt äußerte er sich. Sein Kommentar war kurz. Vor allem ein Satz aus seinem Mund ist bemerkenswert: „In meinen 91 Jahren kann ich mich an keine Zeit erinnern, in der es so wenige attraktive Investments gab wie heute.“

Marc Faber zählt ebenfalls zu den ganz Großen. Der renommierte Vermögensverwalter aus Hongkong ist mit 58 Jahren der Youngster unter den alten Hasen. Er fühlt wie Templeton: „Wenn ich rund um die Welt schaue, finde ich es immer schwieriger, werthaltige Anlagen mit hohen Gewinnchancen zu finden.“ Jetzt beurteilt der gebürtige Schweizer mit dem Zopf als Markenzeichen die Märkte schlicht „negativ“. Und das gilt für Aktien und Anleihen wie auch für andere Vermögensformen.

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