Viele Jugendliche haben von Finanzen keine Ahnung
Wenn der Kunde die Soll-Zinsen abheben will

Am heutigen Weltspartag 2006 kann in vielen Haushalten von Sparen keine Rede sein. Zwanzig Prozent der Jugendlichen haben Schulden, mehr als fünf Millionen Menschen haben wegen mangelnder Zahlungsmoral einen Eintrag bei der Kreditauskunft Schufa. Wissenschaftler sehen die größten Probleme beim Sprung in die Volljährigkeit.

hus DÜSSELDORF. Die Zahl der Privatinsolvenzen ist zuletzt binnen Jahresfrist um 40 Prozent gestiegen. Aufklärung ist deshalb dringlicher denn je, ergab ein Symposium der Landesbank Nordrhein-Westfalen mit Gästen aus Finanzwirtschaft, Wissenschaft und dem Verbraucherschutzminister in Nordrhein-Westfalen, Eckhard Uhlenberg (CDU). Im Fokus stehen vor allem Familien und Schulen. „Über Geld spricht man nicht“, dieser Grundsatz gelte in vielen Familien noch heute, sagte die Expertin für Verbraucherbildung von der Uni Paderborn Kirsten Schlegel-Matthies. Entsprechend finde eine Erziehung zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld nicht statt.

Den Schaden hätten oft auch Jugendliche aus wohlhabenderen Schichten. „Die jungen Leute nehmen vieles für selbstverständlich“, sagte die Wissenschaftlerin, „ein entsprechendes Konsumpaket erwarten sie, wenn sie aus dem Haus gehen.“ Auto, Möbel, Handy, MP3 Player, alles müsse sein und werde sofort auf Raten gekauft. Teenager, die bis zum 18. Lebensjahr noch nicht aufgefallen seien, schlügen häufig erst mit Beginn der Volljährigkeit über die Stränge – um die große Freiheit erst einmal zu genießen.

Selbstüberschätzung und brüchige Biographien seien der Hauptgrund für finanzielle Schieflagen, dazu komme eine Werbung für Kredite, deren Aggressivität auch bei den großen Banken oft an die Grenzen des Anstands gehe, meinte Klaus Müller von der Verbraucherzentrale NRW. Die komplexen Angebote stoßen häufig auf erschreckende Unkenntnis. So hat der Vorstand einer Sparkasse in Solingen erlebt, dass ein Kunde seine Soll-Zinsen abheben wollte.

Dass der Bedarf an Aufklärung riesig ist, haben inzwischen auch die Schulen gemerkt. Eine Anfang 2006 gestartete Schulungskampagne der NRW-Regierung, „Gewusst wie“, muss bereits mit neuen Mitteln aufgestockt werden: 500 Schulen, hatte man gehofft, würden das Angebot annehmen – mehr als 1 000 haben sich gemeldet.

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