Vier Fragen an Grant Cheng
„Private Rente stabilisiert den Markt“

Grant Cheng ist Fondsmanager beim DIT, Hongkong. Im Interview spricht er über die Anlagechancen in Südkorea und die Entwicklung des Gesamtmarktes.

Handelsblatt: Wie sieht Südkoreas Aktienmarkt zurzeit im Vergleich zu anderen Schwellenländern aus?

Grant Cheng: Auf relativer Basis in Asien wird der Kospi sicher im Vergleich zu China und Indien schlechter abschneiden. Diese Länder melden ein viel stärkeres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, zeigen also fundamental eine stärkere Aufwärtsbewegung. Südkorea ist halt schon sehr weit entwickelt. Während sich aus den Prognosen für das laufende Jahr ein durchschnittliches Gewinnwachstum der koreanischen Unternehmen von sechs Prozent ergibt, rechnen wir für China mit 19 Prozent.

In welchen Branchen gibt es dennoch Anlagechancen?

Da der Export mit Problemen zu kämpfen hat, sehen wir eher Chancen bei inländischen Konsumwerten und Banken. Wir haben beispielsweise Amore Pacific im Portfolio. Das ist ein Kosmetikproduzent, der vom Trend junger Frauen zu mehr Mode profitiert. Wir halten auch Anteile der Kookmin Bank, dem größten Institut des Landes. Die Bank hat ihr Problem mit uneinbringlichen Krediten weitgehend gelöst und kann jetzt Wertberichtigungen auflösen. Im Exportsektor sehen wir gute Chancen bei Schiffsbauern, da sie in den kommenden Jahren trotz der stärken Währung weiter große Aufträge erhalten.

Viele Koreaner schließen heute private Rentenversicherungen ab. Wie wirkt sich das auf den Gesamtmarkt aus?

Das bringt definitiv Liquidität an die Börse. Auch die Unternehmen bieten heute Pensionspläne für ihre Mitarbeiter an, die vornehmlich in Aktien investieren. Das Geld der einheimischen Anleger stabilisiert den Markt.

Und welche Risiken drohen?

Korea ist sehr stark auf Elektronik fixiert – das ist ein sektorales Risiko. Wenn es in dieser Branche bergab geht, bekommt Korea das sehr deutlich zu spüren. Andererseits ist die Branche schon so weit diversifiziert, dass die Gefahren geringer sind als noch vor einigen Jahren.

Die Fragen stellte Finn Mayer-Kuckuk.

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