Volatilität
Den Nervenkitzel verpacken

Von der einstigen Blüte der Welt-Finanzmärkte ist so gut wie nichts mehr übrig. Das vom US-Immobilienmarkt ausgehende Finanzmarkt-Beben hat für massive Verluste gesorgt und gigantische Mengen an Kapital und Wohlstand vernichtet. Die noch immer hohe Nervosität der Marktteilnehmer kann nirgends besser abgelesen werden als in einem starken Anstieg der Volatilität.

FRANKFURT. Während institutionelle Investoren wie zum Beispiel Hedge-Fonds den Nervenkitzel solch volatiler Märkte lieben, ist die Volatilität für die meisten privaten Anleger ein Schreckgespenst. Banken versuchen das zu ändern. Denn dieses Maß für die Intensität der Kursschwankungen von Vermögenswerten wird derzeit von Banken immer stärker separiert und als eigene Anlageklasse handelbar gemacht.

"Die Volatilität wird zunehmend in Investmententscheidungen berücksichtigt", sagt Andreas Kampe von der Kapitalanlagegesellschaft Bayern-Invest München. Doch nicht nur das: In wissenschaftlichen Untersuchungen sei nachgewiesen worden, dass Volatilität auch performancewirksam sei und einen nicht unerheblichen Beitrag zur Stabilisierung der Anlageerträge leiste, sagt Kampe.

Das zunehmende Interesse der Banken an der Emission von Investment-Vehikeln auf Volatilität hat laut Fachleuten eine Ursache: den rapiden Anstieg dieser Risiko-Kennziffer. Über viele Jahre hinweg war Risiko an den Finanzmärkten zum Nulltarif zu haben, so dass die Volatilität als Messlatte dieses Risikos Mitte 2005 und Ende 2006 neue historische Tiefs erreichte. Mit dem Kollaps des US-Wohnimmobilienmarktes und dem folgenden Chaos am Markt für Hypothekenkredit-Verpackungen hat sich dies geändert - und zwar nachhaltig.

Die Ereignisse haben praktisch alle Finanzmärkte in der Welt in starke Turbulenzen geführt und die Volatilität in die Höhe schießen lassen. So ist der CBOE Volatility-Index, auf den an der Chicago Board Options Exchange (CBOE) - der größten Optionsbörse der Welt - Finanzderivate gehandelt werden, von unter zwölf Prozent Ende 2006 auf Tagesspitzen von 38 Prozent nach oben katapultiert worden. Damit liegt das Risiko-Barometer allerdings noch unter dem Niveau von rund 50 Prozent, das es zum Ende des Hightech-Booms Mitte 2001 erreicht hatte.

Daraus abzuleiten, dass die Turbulenzen an den Weltaktienmärkten nicht die negativen Auswirkungen des Platzens der Internet-Blase erreichen werden, sei eine unzulässige und möglicherweise auch gefährliche Annahme, heißt es bei mehreren Finanzmarkt-Analysten in den USA. Schließlich seien die Banken während der aktuellen Krise stärker in die negativen Entwicklungen eingebunden; funktionierende Bankensysteme seien jedoch nun einmal die Basis jeder soliden und gesunden Volkswirtschaft.

Die Anlageklasse Volatilität eröffne für Anleger heute die Möglichkeit, attraktive Risikoprämien zu erwirtschaften, sagt Gilbert Keskin von Crédit Agricole Asset Management. "Wir erwarten für 2008, dass die Risikoaversion als Folge der Subprime-Krise bei Anlegern für anhaltende Nervosität und damit auch für weiter volatile Märkte sorgen wird".

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