Vollgeld-Initiative: Die Banken-Revoluzzer

Vollgeld-Initiative
Die Banken-Revoluzzer

Die Schweizer Vollgeld -Initiative will Finanzinstituten die Geldschöpfung verbieten. Einlagen oder Notenbankleihe sollen stattdessen Kredite decken. Werden sie damit Erfolg haben?

ZürichAm Wochenende sind in der Schweiz wichtige standortrelevante Volksinitiativen abgelehnt worden – wie etwa der Vorstoß der Jungsozialisten, in der Schweiz Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln zu verbieten. Ein „Ja“-Votum hätte Banken und Rohstoffhändler in der Schweiz empfindlich getroffen. Ein weiterer Vorstoß will dagegen gleich das gesamte Finanzsystem der Schweiz umbauen: die Vollgeld-Initiative. Über diese dürfte vermutlich im kommenden Jahr abgestimmt werden.

Im Kern geht es den Initiatoren, allen voran dem pensionierten Volksschullehrer Hansruedi Weber, darum, den Banken die Geldschöpfung zu verbieten. Denn anders als die meisten Verbraucher glauben, stammen die Gelder, die Banken als Kredite vergeben, nicht aus Kundeneinlagen. Banken können Buchgeld quasi per Mausklick schaffen.

Dabei schreibt die Bank in ihrer Bilanz zum Beispiel einen Kredit über 1000 Euro als Aktiv-Posten in die Bilanz. Demgegenüber steht der gleiche Betrag auf der Passiv-Seite als Guthaben des Kunden. Rund 90 Prozent des umlaufenden Geldes sind solch elektronisches Geld, was streng genommen lediglich das Versprechen einer Bank darstellt, den entsprechenden Betrag auszuzahlen.

„Mit der Vollgeld-Initiative entsteht ein Bankensystem, wie es sich die Bürger vorstellen“, argumentieren die Initiatoren. Denn demnach dürften Banken künftig nur noch Geld verleihen, das ihre Kunden oder die Notenbank ihnen vorher geliehen haben. Banken wären in diesem Szenario auf die Rolle eines Treuhänders beschränkt. Und das Geld auf den Konten wäre so sicher wie Bargeld im Safe, so die Argumentation. Es gäbe weniger Gefahren von Kreditblasen oder eines Bankruns. Und Banken müssten weniger streng reguliert werden, meint Maurizio Degiacomi von der Vollgeld-Initiative.

Gerade vor dem Hintergrund des rückläufigen Gebrauchs von Bargeld sei die Umstellung auf Vollgeld nötig, heißt es weiter. Denn ohne Vollgeld, das jederzeit von der Notenbank garantiert ist, „wären wir von den unsicheren Auszahlungsversprechen (elektronische Guthaben) privater Banken völlig abhängig“, argumentiert das Initiativ-Komitee.

Zudem würden die Gewinne, die durch Geldschöpfung entstehen, von den privaten Banken auf die Zentralbank und damit die öffentliche Hand übergehen. Die Höhe der Geldmenge würde die Notenbank allein steuern. Neues Geld würde die Zentralbank etwa an die öffentliche Hand oder an die Bürger direkt ausschütten. Diese würden das Geld bei Banken anlegen, die damit dann Kredite vergeben könnten.

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