Von privat an privat
Internet-Kreditbörsen: Wenn die Oma Geld braucht

Im Internet kann jeder Bank spielen und Geld an Privatleute verleihen, die er nie zuvor gesehen hat. Möglich machen das Internet-Kreditbörsen wie Smava. Doch auch Privat-Kreditgeber müssen sich mit dem Ausfallrisiko auseinandersetzen. Nicht jede Börse ist seriös.

FRANKFURT. Heiko Gerhardt (Name geändert) verleiht Geld an Menschen, die er nicht kennt. Einem jungen Mann gibt er Geld für ein neues Auto. Anderen finanziert er das Bett, den Kleiderschrank oder neue Fenster. Aber einen Gönner, der nur Gutes im Sinn hätte, kann man Gerhardt nicht nennen. Er ist nicht übermäßig großzügig. Er vergibt schlicht Kredite und hofft auf eine gute Rendite.

Kredite von privat an privat - eine neue Geschäftsidee im Internet-Zeitalter: Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es die Internet-Kreditbörse Smava. Bisher sind dort 700 Kredite und mehr als drei Millionen Euro vermittelt worden. Smava hat mittlerweile 20 000 Mitglieder, davon sind etwa 3 000 ständig aktiv. Untereinander kennen sie sich nur mit dem jeweiligen Spitznamen. Sie nennen sich "needhelp66", "prettyhappy" oder "nordseefan".

Das Prinzip ähnelt einer Auktion. Wer Geld sucht, stellt seinen Wunsch auf die Seite. Er beschreibt, wofür er das Geld braucht und wie viel Zinsen er zahlen will. Allerdings muss der Zinssatz hoch genug liegen. Sonst würde kein Geldgeber anbeißen.

Heiko Gerhardt will wieder Geld anlegen. Er muss nur noch den passenden Partner finden, klickt sich von einer Seite zur nächsten. "Neue Möbel", "Steuernachzahlung", "Wir heiraten". Die Wünsche potenzieller Kreditnehmer sind vielfältig. Dann hat es ihm eine Frau aus Bayern angetan. Sie ist 60 Jahre alt, wohnt in der Nähe von München und braucht 3 500 Euro. Mit dem Geld will sie ein Kinderzimmer für ihre beiden Enkel einrichten. Wenn das nicht ans Herz geht. Aber auch der Verstand will überzeugt sein. Und bitte, die Oma schreibt: "Ich bin die ideale Kreditnehmerin."

Zum Beweis fügt sie hinzu, dass sie als Bankkauffrau arbeitet, gut verdient und in unkündbarer Stellung beschäftigt ist. Gute Argumente. Das findet Gerhardt jedenfalls. Die Bonitätsnote ist laut Schufa-Auskunft in Ordnung, und die Frau bietet einen Zinssatz von neun Prozent - für sie ist das immerhin billiger, als das Konto zu überziehen. Gerhardt will ihr 250 Euro leihen. Den Rest geben andere - meist wird ein Betrag von mehreren Geldgebern geteilt.

Gerhardt weiß, was er tut. Er hat eine Bankausbildung hinter sich, dann Mathematik studiert. Für eine der großen Banken in Frankfurt hat er gearbeitet, von dort ist der heute 41-Jährige zu einer Fondsgesellschaft gewechselt. Wenn er seinen Kollegen von Smava erzählt, schütteln sie den Kopf, sind aber gleichwohl interessiert. Aber ihr Geld wollen sie erst einmal nicht über das Internet verleihen. "Niemand weiß, ob das Zukunft hat", sagen sie. Das Ganze sei noch zu neu, und es gebe noch nicht genügend statistische Daten. Die Fondsbranche tickt traditionell. Heiko Gerhardt nicht: "Ich habe immer schon gerne Neues ausprobiert." Die Idee, dass es keine Bank als Zwischenhändler gebe, habe ihm gefallen.

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