Von US-Sammelklage profitieren auch deutsche Anleger – Abwicklung der großen US-Bilanzskandale kommt ins Rollen
Worldcom-Aktionäre werden entschädigt

Aktionäre des in Konkurs gegangenen US-Telekomriesen Worldcom können jetzt Schadensersatz beantragen. Die Citigroup, deren Analyst die Aktie bis zum Schluss empfohlen hatte, hat sich bereit erklärt 2,6 Milliarden Dollar an getäuschte Investoren zu zahlen. Das ist die größte, bisher im Rahmen einer Aktionärssammelklage nach US-amerikanischem Muster gezahlte Summe.

HB DÜSSELDORF. Worldcom sei nur der Auftakt für die Abwicklung der großen Anlegerskandale, erläuterte die deutsche Schutzgemeinschaft Wertpapier. In den nächsten Monaten könnten Anleger auch mit Zahlungen in den Fällen Enron und Parmalat rechnen. Und auch bei Daimler-Chrysler und Infineon laufen entsprechende Klagen.

„Bei Worldcom fließt richtig Geld“, sagte Rechtsanwalt Marc Tüngler von der DSW auf einer Pressekonferenz, „und um das brauchen Anleger nicht einmal zu kämpfen.“ Um den Schadensersatz sei schon gefochten worden. Betroffene Anleger bräuchten nur ein Formular auszufüllen, um in den Genuss einer Zahlung zu kommen. Die DSW hat es auf ihre Webseite gestellt.

In einer Sammelklage kann eine Gruppe von Geschädigten gemeinsam Klage einreichen. Wenn es dann zu einem Vergleich oder einem Schiedsspruch kommt, können alle Geschädigten Antrag auf Schadensersatz stellen, gleich, ob sie geklagt haben oder nicht. US-Gerichte entscheiden häufig, dass sich auch ausländische Anleger an die Klage anhängen können. Dabei fallen für sie keine Anwaltskosten mehr an. Die Kanzleien haben sie von der gezahlten Summe bereits abgezogen. Nach dem Platzen der Blase ist es zu Tausenden von Verfahren gekommen – von 8 000 der in den USA laufenden Sammelklagen beziehen sich 2 800 auf Börsengeschäfte.

In den meisten Fällen geht es dabei um gefälschte Bilanzen. So hatte der Worldcom-Konzern seine Gewinne insgesamt um elf Mrd. Dollar künstlich aufgebläht. Analyst Grubman von der Citigroup-Tochter Salomon Smith Barney hatte davon gewusst, die Aktie dennoch weiterhin zum Kauf empfohlen. Die von der Citigroup zur Verfügung gestellte Summe wird unter Anlegern aufgeteilt, die Papiere in der Zeit vom 29. April 1999 bis zum 25. Juni 2002 („class period“) gekauft haben. Sie müssen ihre Ansprüche bis zum 4. März 2005 geltend machen. Im Fall Worldcom sind derzeit 20 weitere Sammelklagen anhängig, es kann also noch Geld geben.

Anträge auf Schadensersatz können Anleger demnächst auch im Fall des belgischen Softwareherstellers Lernout & Hauspie stellen, berichtet Rechtsanwalt Bernd Jochem von der Münchener Kanzlei Rotter. Zur Verfügung stehe eine Summe von 115 Mill. Dollar, die KPMG zahlt. Den Wirtschaftsprüfern wurde vorgeworfen, sie hätten von aufgeblasenen Umsätzen gewusst.

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