Vor allem Technologiesektor betroffen
Manager verkaufen massiv Firmenaktien

Die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft haben Analysten und Investoren noch nicht aufgegeben – doch zumindest ein Marktindikator spricht dagegen. Denn die Zahl der Firmenchefs und Aufsichtsratsmitglieder, die Aktien ihres Unternehmens verkaufen, liegt zurzeit in einigen Branchen auf Rekordniveau.

HOUSTON. Diese mitteilungspflichtigen Insiderverkäufe bewerten Analysten als wichtiges Indiz dafür, wie es jenseits offizieller Verlautbarungen tatsächlich um die Zukunft eines Unternehmens bestellt ist. Ihr Argument: Wer weiß schon besser als die leitenden Angestellten, wie die Aussichten für Gewinn und Umsatz sind? Studien bestätigen diesen Ansatz: Etwa 60 % der Aktien, die von Insidern verstärkt gekauft wurden, hätten sich besser entwickelt als der Rest des Markts, schätzt Jeff Neal vom Internet-Börsendienst Optionetics.com. „Von den Aktien, die die Insider verkauften, haben das nur 35 % geschafft“, fügt er hinzu.

Vor allem im Technologiesektor könnte es demnach Probleme geben. Denn hier verkaufen die Insider zurzeit aggressiv Aktien, wie Analyst Bijal Shah von der Investmentbank SG Cowen sagt: „An der Technologiebörse Nasdaq hat das Verhältnis von Insider-Verkäufen zu Insider-Käufen den höchsten Stand aller Zeiten erreicht. Das legt die Vermutung nahe, dass die Direktoren dieser Unternehmen nicht eben zuversichtlich sind, dass sie die Erwartungen des Marktes in den kommenden Monaten erreichen werden.“

Die trübe Stimmung unter den Führungskräften beschränkt sich indes nicht nur auf Technologiewerte. In anderen Bereichen sieht es nicht besser aus, wie der Finanzdienst Thomson Financial errechnete: Für jeden Dollar, mit dem ein Firmenchef oder anderer Insider im August Aktien des eigenen Unternehmens kaufte, gaben andere leitende Angestellte Firmenpapiere für rund 44,50 $ ab. „Das ist der höchste und damit pessimistischste Stand seit über einem Jahrzehnt“, sagt Lon Gerber, Direktor für Insiderhandel-Forschung bei Thomson Financial. „Damit war der August der vierte Monat in Folge, in dem dieser Wert über 20 $ lag, was wir historisch als Bärenmarkt-Faktor bewerten.“

Allerdings sind nicht alle Experten davon überzeugt, dass die steigenden Verkaufszahlen ein negatives Zeichen sind. „Das muss nicht unbedingt etwas bedeuten, denn die Insider verkaufen ja nicht immer ihre Aktien auf Höchstständen und kaufen dann, wenn der Preis niedrig ist“, sagt Gary Tapp, quantitativer Analyst bei Sun-Trust Robinson Humphrey. „Manchmal stecken auch andere Gründe dahinter, zum Beispiel wenn die Manager schlicht ihr Portfolio umbauen wollen. Ich würde die Zahlen eher umgekehrt interpretieren: Wenn Insider weitere Aktien ihrer Firma neu dazukaufen, dann ist das üblicherweise ein gutes Zeichen.“

Doch auch dieser Indikator präsentiert sich zurzeit eher schwach.

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