Vor dem statistisch schlechtesten Aktienmonat empfehlen Experten Gelassenheit und Gewinnmitnahmen
Börsen hoffen auf sturmfreien September

Der September ist nur noch vier Börsentage entfernt, und damit naht zumindest statistisch der schwierigste Monat des Jahres. Denn über Jahrzehnte betrachtet, verzeichnete der erste Herbstmonat die mit Abstand stärksten Kurseinbrüche.

DÜSSELDORF. Doch in diesem Jahr wiegeln Marktstrategen ab: Der positive Schwung der Märkte könne noch einige Monate anhalten. Außerdem könnten Anleger sich durch Gewinnmitnahmen schützen oder niedrigere Kurse nutzen, um sich neu einzudecken. Eine Kurskorrektur sei aber nicht ausgeschlossen.

Die statistischen Zahlen sind eher beunruhigend: Nach einer Untersuchung der Bankgesellschaft Berlin haben die im Dax vertretenen Werte im September durchschnittlich 2,5 % eingebüßt; zweitschlechtester Monat ist der Mai mit einem Minus von 0,6 %. Diese Daten basieren auf einem Zeitraum von mehr als 25 Jahren (siehe Tabelle). Doch die Aktienstrategin der Bank, Gertrud Traud, sagt: „ Ich würde daraus nicht unbedingt Schlüsse für die Zukunft ziehen, da bin ich sehr sehr vorsichtig.“ Traud sieht genügend Anzeichen dafür, dass die Börsenrally anhält.

Auch Stratege Ralf Zimmermann vom Bankhaus Sal. Oppenheim erwartet keine dramatischen Einbrüche. „Die positiven Konjunkturdaten der USA und die Steuererleichterungen dürften die US-Märkte weiter hochhalten.“ Das stütze auch europäische Werte und den Dax.

Aktienstrategin Traud verweist auf Einzelereignisse, die den September so schlecht aussehen lassen. Im vergangenen Jahr etwa brach der Dax im September um mehr als 25 % ein; im Jahr zuvor, nach den Anschlägen in New York und Washington, verlor er 17 %. Im September 1998 sackten die Kurse nach der Beinahe-Pleite des Hedge-Funds LTCM um 7,4 % ab; 1992 fielen die Aktienkurse im September und Oktober nach der umstrittenen Leitzinserhöhung der Deutschen Bundesbank; 1990 gingen die Notierungen nach dem irakischen Einmarsch in Kuwait in den Keller. Eine schlüssige Erklärung, warum solche Krisen sich im Herbst häuften, gebe es aber nicht, sagt Traud.

Eine weitere mögliche Erklärung hat Aktienstratege Georg Elsässer von HSBC Trinkaus und Burkhardt parat: In dieser Zeit hätten Unternehmen schon genauere Daten über ihre Umsätze und müssten dann häufig ihre Ergebnisse nach unten revidieren. Doch auch Elsässer misst der Statistik keine größere Bedeutung bei. Er blickt lieber auf die Konjunkturdaten – und kommt zu einer pessimistischen Schlussfolgerung. Eine Korrektur könne es jetzt schon allein deswegen geben, weil die wichtigen Kennzahlen der Unternehmen und der Wirtschaft die jüngste Rally an den Aktienmärkten noch nicht rechtfertigten.

Der technische Analyst der DZ-Bank, Marc Müller, sagt, nach der 21 Wochen dauernden Rally seien viele Werte „extrem überkauft“. Auch er rechnet mit einer Korrektur. Bis jetzt habe der Dax außerdem noch keine echte Bodenbildungstendenz gezeigt. „Der Dax läuft nicht bis 4000 so weiter“, schätzt Müller.

Bisweilen muss auch das Wetter herhalten. Doch geht es tatsächlich den Außentemperaturen nach, dann dürften die Optimisten Recht behalten: Analystin Traud nennt das Jahr 1983. Damals habe ein heißer Sommer sowohl konjunkturell als auch auf den Aktienmärkten eine längerfristig positive Entwicklung eingeleitet – wobei sie gleich warnt, dass das kein wissenschaftlich allzu ernst zu nehmendes Argument sei. Parallelen mit damals gebe es allerdings schon: Die Konjunktur-Prognosen für nächstes Jahr seien mit einem Wachstum von 2 % erstmals wieder positiv. Außerdem sei in Deutschland ein echter Reformprozess in Gang gekommen.

Jede Kursdelle sollten Anleger jetzt nutzen, um Aktien zu kaufen, sagt Traud. Sie hält vor allem Versicherungen für attraktiv. Ihr Kollege Zimmermann von Sal. Oppenheim empfiehlt Chemiewerte wie BASF oder weniger zyklische Telekom-Aktien wie Telefónica. Wer jetzt Kasse machen wolle, der solle vor allem Technologiewerte abstoßen. Siemens etwa seien schon ziemlich ausgereizt, sagt Zimmermann.

Ein Weg, sich vor größeren Rückschlägen zu schützen, ist ein Stop- loss-Auftrag an die Bank. Danach verkauft das Kreditinstitut automatisch ein Papier, sobald ein bestimmter Kurs unterschritten wird – ein Schutz für den Ernstfall, falls er nach dem sonnigen Sommer überhaupt eintritt.

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