Vorfreude auf 2008
Börsianer hoffen auf Steuerreform

Deutschlands Aktionäre können sich bereits jetzt auf das Jahr 2008 freuen. Dann nämlich soll durch die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung anvisierte Reform der Unternehmen- und Einkommensteuer den heimischen Aktiengesellschaften spürbar mehr Gewinn übrig bleiben.

FRANKFURT. Für die 30 im Deutschen Aktienindex (Dax) gelisteten Werte hätten die aktuellen Vorschläge des Sachverständigenrates ein Ergebnisplus von 8,8 Prozent zur Folge, haben die Experten der Hypo-Vereinsbank (HVB) errechnet. Die Konsequenz: Die Aktien erschienen deutlich günstiger bewertet und hätten auf Grund dessen Potenzial nach oben – vorausgesetzt, es kommen keine anderen Belastungen hinzu.

Ob es tatsächlich so weit kommt, hängt davon ab, ob aus dem aktuellen Vorschlag des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) im Herbst ein Gesetzentwurf wird, der im kommenden Jahr beschlossen und 2008 umgesetzt wird. Der Druck auf die Regierung von Seiten der Wirtschaft und der Forschungsinstitute ist groß, da viele von ihnen die aktuelle Steuersituation als Standortnachteil für Deutschland im europäischen Wettbewerb betrachten. Nach Berechnungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung liegt der Unternehmensteueranteil in Deutschland bei 36 Prozent. Nur Spanien liegt leicht darüber.

Nach Auffassung des SVR muss die Steuerbelastung in Deutschland deutlich sinken (siehe „Vorschläge der Sachverständigen“). Die Folgen wären zum Teil enorm: Für die Deutsche Telekom, die als einziges Dax-Unternehmen alle ihre Einkünfte in Deutschland versteuert, würde sich bei 25 Prozent Steuern das Nettoergebnis um bis zu 21 Prozent verbessern, bei 30 Prozent Steuern wäre nach Berechnungen von HVB-Strategen Tammo Greetfeld immer noch ein Plus von 13 Prozent möglich. „Vereinfachend gilt: Je höher der Inlandsanteil, desto höher der positive Ergebniseffekt“, sagt Greetfeld.

Die Bandbreite bei den Dax-Werten geht jedoch weit auseinander. Das untere Extrem bildet die Bad Homburger Gesellschaft Fresenius Medical Care (FMC), die keinen Euro in Deutschland versteuert, folglich auch von einer Steuerreform nicht profitieren würde. Im Schnitt versteuern die 30 Dax-Unternehmen 42 Prozent ihrer Einnahmen in Deutschland. Nach Meinung vieler Analysten geht die Tendenz bei den Großkonzernen aber immer stärker dahin, ihre Gewinne ins Ausland zu verlagern und damit nicht mehr in Deutschland zu versteuern. Ein Gegenbeispiel ist der Autobauer Daimler-Chrysler, bei dem Analysten einen steigenden Deutschland-Anteil an den Gewinnen erwarten.

Bei den unterhalb des Dax angesiedelten kleinen und mittelgroßen Werten ist der Inlandsanteil allerdings größer, wodurch diese Gesellschaften tendenziell mehr von einer Steuerreform profitieren als die „Global Player“.

Obwohl längst noch nicht entschieden ist, ob die Reformvorschläge in der aktuellen Form ab 2008 in Kraft treten werden, ziehen viele Aktienstrategen bereits Parallelen zu vergangenen Steuersenkungen. „Die Auswirkungen entsprechen methodisch denen, die auch bei Steuersenkungen in der Vergangenheit zu verzeichnen waren“, sagt Tammo Greetfeld.

Ähnlichkeiten ergeben sich indirekt auch zu den Auswirkungen bei der Umstellung der Bilanzierung auf die Standards IFRS 3, die im vergangenen Jahr die Gewinne der Unternehmen beflügelt hat. „Diese Umstellung hat dazu geführt, dass die Unternehmensgewinne etwa um zehn Prozent höher ausfallen als bei der Bilanzierung nach IAS“, sagt Carsten Klude vom Hamburger Bankhaus M.M. Warburg.

Der Unterschied zu damals: Durch die Umstellung der Rechnungslegung hat sich die Ertragskraft der Unternehmen nicht verändert. Mit einer Steuerreform wäre dies aber der Fall. Für die Aktionäre bedeutet dies, dass speziell das für das Ergebnis je Aktie (EPS) wichtige Nachsteuerergebnis steigen dürfte, was sowohl den Aktienkurs als auch die Dividende positiv beeinflussen dürfte.

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