Vorsichtig optimistisch
Arabische Aktien sind wieder gefragt

Die Stimmung an den arabischen Börsen steigt langsam wieder an. Nach dem Platzen der Blase im vergangenen Jahr sind deutsche Emerging-Markets-Experten vorsichtig optimistisch, was die Aktienmärkte in Saudi-Arabien, Dubai, Kuwait oder Ägypten angeht.

KÖLN. „Der Absturz hat geholfen, die Überbewertung zu beseitigen. Die Region wird jetzt realistischer betrachtet“, sagt Mauro Toldo, Volkswirt bei der Deka-Bank.

Die arabischen Börsen haben in den Jahren 2003 bis 2005 einen gewaltigen Boom erlebt. Der Leitindex in Dubai legte 2005 um 149 Prozent zu. Die Börsenbarometer in Saudi-Arabien und Jordanien haben sich angesichts des hohen Ölpreises fast verdoppelt. Doch die Börsen konnten das hohe Niveau nicht halten. Viele Kleinanleger sind bei den Kurssprüngen unvorsichtig geworden, haben sich verschuldet und zum Teil ihre Arbeitsstelle gekündigt, um sich ganz der Börse zu widmen. „Als die institutionellen Anleger schließlich den Warnungen vor einem Kurssturz folgten und aus den Märkten ausstiegen, brachen die Indizes ein“, erinnert sich Toldo.

Doch die Zuversicht kehrt allmählich zurück. Seit einiger Zeit investieren arabische Ölmagnaten ihr Geld wieder verstärkt in heimische Projekte, statt wie zuvor in den USA. Sichtbar wird das vor allem in Dubai. Das Emirat reduziert seine Rohstoff-Abhängigkeit und soll ein Finanz-, Handels- und Logistikzentrum werden. Auch andere Golfstaaten ziehen mit: Ausgedehnte Infrastrukturprojekte sowie ein wachsendes Engagement in den Bereichen Tourismus und Handel sind in vielen Teilen der Region zu finden. Das spiegelt sich auch in den Wachstumsraten wider: Das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Arabischen Emirate wuchs seit 2004 jährlich um acht bis zehn Prozent. In Katar lagen die Wachstumsraten nur knapp darunter.

Für deutsche Anlage-Experten kann der arabische Raum jedoch noch nicht mit anderen Emerging Markets wie Russland, Osteuropa oder Lateinamerika mithalten. „Es gibt kaum Titel mit so attraktiven Bewertungen und Wachstumsaussichten, dass ich sie unbedingt haben müsste“, sagt Martin Hrdina, Portfoliomanager bei Union Investment. Lediglich eine omanische Bank und einen jordanischen Pharmawert, die beide auch in London gelistet sind, hat er in die Portfolios für einen Osteuropa- und einen Italienfonds aufgenommen. „Es gibt andere Regionen, in denen sich besser Geld verdienen lässt“, gibt sich Hrdina überzeugt.

Dennoch steigt das bislang dürftige Angebot an arabischen Anlageprodukten. Die Deutsche Bank legte kurz nach der Gründung der Börse in Dubai vor eineinhalb Jahren das Dubai Top Select Zertifikat auf, das in den Branchen Bau, Finanzen und Immobilien investiert ist. Durch den Börsen-Sturz ist es mittlerweile jedoch nur noch die Hälfte des Ausgabepreises wert. Demnächst soll es auch ein Middle East Zertifikat geben. „Wir ermöglichen unseren Kunden damit Zugang zu bestimmten Märkten. Das heißt aber nicht, dass wir den Markt auch immer positiv bewerten“, erklärt Stefan Armbruster, Leiter Marketing Strukturierte Produkte bei der Deutschen Bank. Das Middle East Zertifikat von ABN Amro brach zwischenzeitlich auch um rund 20 Prozent ein. Mittlerweile liegt es jedoch wieder über dem Ausgabepreis von 78 Euro. Die Deka-Bank bietet seit Ende November einen Middle-East-Fonds an, der allerdings zum Großteil in der Türkei, Israel und Ägypten investiert ist.

Das zentrale Problem der arabischen Börsen: Ihre Marktkapitalisierung ist im Vergleich zu europäischen Märkten sehr gering. In den Vereinigten Arabischen Emiraten liegt sie bei etwa 135 Mrd. Euro, in Bahrain bei nur 16 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung von Siemens liegt bei rund 73 Mrd. Euro. „In solchen Märkten ist man stark abhängig von großen Investoren. Wenn zwei bis drei institutionelle Anleger ihr Geld abziehen, fallen die Kurse“, warnt Deka-Volkswirt Toldo. Das habe auch zum Platzen der Blase geführt.

Allerdings sehen die mittel- bis langfristigen Chancen der arabischen Finanzmärkte gar nicht so schlecht aus. Rainer Tamschick, Leiter der WestLB in Dubai, hält die Turbulenzen zum Teil für Kinderkrankheiten, die in etwa fünf Jahren behoben sein könnten: „Der Dubai Financial Market ist noch sehr jung. Alles was neu ist, braucht seine Zeit.“ Anfang März brachte die Börse in Dubai als erste im Mittleren Osten eigene Aktien in den Handel. Jordanien und Oman haben ähnliche Schritte angekündigt. Laut Tamschick bleibt das Geld auch nach den Kursstürzen in der Region. Deshalb gebe es hier durchaus Potenzial. Denkbar sei auch ein Zusammenschluss zu einer regionalen Börse. „Aber das“, sagt Tamschick, „liegt noch in weiter Zukunft.“

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
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