Wachstumshoffnung
Die Börse hat ein gutes Gespür für die Konjunktur

In Rezessionsjahren geht es stets mit den Aktienkursen aufwärts. Der Grund: Die Anleger nehmen die folgende Konjunkturerholung vorweg. Das war auch dieses Jahr so. In der Vergangenheit lagen die Börse als Frühindikator oft richtig. Extrem niedrige Zinsen könnten aber die Rally überhitzen.
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DÜSSELDORF. Können Aktienmärkte inmitten einer weltweit schwachen Konjunktur steigen? Sie haben das bisher in jedem deutschen Rezessionsjahr seit dem Zweiten Weltkrieg getan. Doch dieses Mal beargwöhnen Anleger, Analysten und Volkswirte die Kursrally gleichermaßen kritisch. Wenn die Börsen ihren Ruf als zuverlässiger Frühindikator verteidigen wollen, dann müsste die Konjunktur jetzt nicht nur anspringen, sondern kraftvoll durchstarten. Das ist aber bisher nicht in Sicht.

Seit dem Frühjahr sind die Börsen weltweit um gut 60 Prozent gestiegen. Wer dies nur als eine weitere Blase aufschwungseuphorisierter Anleger abtut, macht es sich zu leicht. Denn Rezessionsjahre waren noch immer die besten Aktienjahre. Mehr noch: Den Börsen gelingt es fast immer, Wendepunkte der Weltwirtschaft lange vor den konjunkturellen Frühindikatoren anzuzeigen.

In allen fünf Rezessionsjahren der letzten fünf Jahrzehnte ist der Deutsche Aktienindex (Dax) gestiegen. 1967 während der Wirtschaftswunder-Krise um 51 Prozent, 1975 inmitten des Ölpreisschocks um 40 Prozent, 1982 beim zweiten Ölschock um 14 Prozent, neun Jahre später im Abschwung nach dem Wiedervereinigungsboom um 47 Prozent und schließlich 2003 um 37 Prozent, als Kriegsängste und die Folgen der geplatzten Technologieblase die Konjunktur in die Knie zwangen.

Sechs bis neun Monate Vorlauf

"Wie üblich wird die Konjunktur auch diesmal sechs bis neun Monate nach dem Tiefpunkt an den Börsen anziehen", zeigte sich Gottfried Heller von der Fiduka Vermögensverwaltung bereits im Spätfrühling von der Zuverlässigkeit der Börsen als Frühindikator überzeugt.

Dass die Wirtschaft ihren Tiefpunkt erreichte, nachdem die Börsen nach oben ausgebrochen waren, ist für den langjährigen Weggefährten des verstorbenen Börsenaltmeisters André Kostolany ein typisches Kennzeichen großer Trendwenden. Auch Mahnungen, diesmal könnte der Abschwung länger als in den vergangenen fünf Rezessionen dauern, irritieren ihn nicht. Immerhin bricht die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr voraussichtlich um fünf Prozent ein. 1975, im bisher stärksten Abschwung der Nachkriegsgeschichte, sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gerade mal um 0,9 Prozent.

Im Vergleich zu den Börsen brauchen herkömmliche Frühindikatoren etwas länger, um den Aufschwung zu signalisieren. Während die Aktienkurse ab März wie Phönix aus der Asche stiegen, brauchte der Ifo-Index bis Juli für die Trendwende.

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