Während die Wirtschaft im Reich der Mitte floriert, geht der Aktienmarkt auf Talfahrt
Anleger meiden Chinas Börsen

Anleger an den chinesischen Börsen müssen nicht nur Geld haben. Sie brauchen auch starke Nerven und viel Risikofreude. Denn die beiden Börsen in Schanghai und im südchinesischen Shenzhen – Hongkong ist als Börsenplatz selbstständig mit eigener Aufsicht – sind seit langem auf Talfahrt.

PEKING. Zum Wochenbeginn sank das wichtigste Börsenbarometer im Land, der Schanghai-Composite-Index, sogar unter die psychologische Angstmarke von 1 200 Punkten und damit auf auf ein Sechs-Jahres-Tief.

Besserung ist nicht in Sicht. „Der Markt wird weiter nachgeben“, ist sich Zhang Yong von Shanghai Securities sicher. Weder neue Börsenregeln noch neue Börsengänge haben die Stimmung seit Jahresbeginn ändern können. Im Gegenteil: Der erste Börsengang nach sechs Monaten durch den Stromversorger Huadian Power ließ die Kurse erstmal einbrechen. Dabei ist die Nachfrage nach den Huadian-Papieren groß, der Börsengang ist deutlich überzeichnet. Doch die Anleger räumen für den erhofften schnellen Profit ihre Depots, schichten schnell um. Das drückt die Kurse auf breiter Front.

Die Zurückhaltung der Investoren ist nachvollziehbar. Im vergangenen Jahr haben an den beiden relativ jungen Börsen Chinas zwei von drei Werten verloren. Bei einer Umfrage im vergangenen Sommer gaben nur 17 Prozent an, Geld verdient zu haben. „90 Prozent von uns verlieren Geld“, zitiert auch das „Wall Street Journal“ einen anonymen Anleger.

Fast schon verzweifelt versucht Pekings Börsenaufsicht CSRC, das Vertrauen der Investoren wieder zu gewinnen. Sie schaffte transparentere Regeln für die Preisbildung bei Börsengängen und wandte sie erstmals bei Huadian an. Anleger haben inzwischen mehr Rechte bekommen, und in der vergangenen Woche wurde die „stamp duty“, eine Steuer auf Aktientransaktionen, auf 0,1 Prozent gesenkt – also praktisch abgeschafft. Doch die Kurse legten nur kurz zu, dann ging es wieder bergab. Damit ließen sich die Sorgen der chinesischen Anleger jedoch nicht vertreiben, meint Analyst Zhang Qi von Haitong Securities. Doch vor was fürchten sich die Investoren in Schanghai und Shenzhen?

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