Währungskrise
„Gold hat keinen fairen Wert“

Privatbankier Friedrich von Metzler spricht im Handelsblatt-Interview über verlässliche Werte, über aktuelle und vergangene Krisen. Angst ist sei kein guter Berater, gibt der erfahrene Unternehmer zu bedenken.
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Handelsblatt: Herr von Metzler, die Aktienkurse schwanken kräftig; das Gleiche gilt für die Renditen von Staatsanleihen – ist die Finanzwelt aus den Fugen geraten?

Friedrich von Metzler: Nein, das ist sie nicht. Krisen und große Nervosität hat es zu allen Zeiten gegeben an der Börse, das ist nichts Neues. Aus unserer, also aus der heutigen Perspektive, wirkt das, was gerade passiert, natürlich sehr viel intensiver auf uns. Die Erinnerung an frühere Krisen dagegen verblasst schnell.

Viele Experten sagen, dass es, was die Kapitalmärkte betrifft, noch nie so schwer war, Prognosen zu treffen …

Es ist unübersichtlicher geworden. Die Welt wächst zusammen, die Globalisierung hat vieles verändert. Sie wirkt im Besonderen auf den Finanzmärkten. Sehr viel Geld strömt heute aus Asien oder dem arabischen Raum nach Europa – und umgekehrt. Früher war die Zahl der Marktteilnehmer überschaubarer und deshalb vielleicht ein Stück berechenbarer.

Früher gab es auch keine Hochgeschwindigkeitshändler, die die Kurse massiv beeinflusst haben, heute schon. Wie groß ist die Gefahr, die von ihnen ausgeht?

Ich weiß nicht, wie groß ihr Einfluss auf die Kurse ist. Bislang gibt es meines Wissens keine nachprüfbaren Beweise.

Würde eine Börsenumsatzsteuer helfen, die Märkte berechenbarer zu machen?

Wie wollen Sie das denn anstellen? Eine solche Steuer müsste weltweit erhoben werden. Und das werden die Handelsplätze in Asien nicht mitmachen. Ein nicht unerheblicher Teil des Börsengeschäfts würde dorthin abwandern. Für Frankfurt wäre das ein Problem, Tausende Arbeitsplätze fielen vermutlich weg.

Können die Aufsichtsbehörden überhaupt etwas tun, um die Finanzmärkte zu bändigen?

Bändigen ist ein schönes Wort (lacht). Ich würde es nicht so nennen. Wir haben es hier mit keinem wilden Tier zu tun, auch wenn solche Vergleiche oft gezogen werden. Wir neigen zu Übertreibungen, das verstellt uns zuweilen aber den Blick auf das Wesentliche. Wir brauchen wieder mehr Redlichkeit im Umgang miteinander.

Inwiefern?

Nehmen wir das Thema Transaktionssteuer. Was genau ist denn das, was bewirkt sie? Diese Fragen sind bislang nicht beantwortet. Ich habe das Gefühl, dass diese Steuer nichts mehr ist als eine fixe Idee, die nur einem einzigen Grund dient – nämlich zu demonstrieren, dass die Politik etwas tut, weil von ihr erwartet wird, etwas tun zu müssen. Im Zweifel schadet es mehr, als es nützt. Es gibt noch andere Beispiele dafür.

Welche denn?

Die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid etwa. Sie sollte bewirken, dass der Wettbewerb unter den Börsen größer wird und die Preise für die Kunden fallen. Die Märkte sollten transparenter werden. Passiert ist aber etwas ganz anderes: Zahlreiche alternative Handelsplattformen sind entstanden, die den kontrollierten Börsen Liquidität entziehen und den Wertpapierhandel insgesamt schwankungsanfälliger machen. Der Handel in deren sogenannten Dark Pools ist sehr viel intransparenter als an den geregelten Börsen.

Demnach schadet Regulierung bloß …

Das habe ich nicht gesagt. Aber wir sollten aufrichtiger darüber diskutieren. Was könnte helfen und was nicht?

Kommentare zu " Währungskrise: „Gold hat keinen fairen Wert“"

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  • Prinzipiell wird der technische Nutzen von Gold mit dieser flapsigen Bemerkung angerissen.Herr Metzler scheint es schwer zu fallen, der Logik der vergangenen Jahrtausende zu folgen. Auch die Golddeckung von Währungen scheint ihm suspekt zu sein. Aber gerade ein Banker muss derzeit der Realität "Unendliche Geldschöpfung" versus "endliche Goldvorräte" ins Auge sehen. Technischer Nutzen hin oder her.

    Viele Menschen rennen heute Silber hinterher, und dies wegen dem technischen Nutzen und der Endlichkeit dieses wichtigen Metalls. Die stellt somit auch eine Alternative dar.

    Es geht keineswegs um den Weltuntergang, sondern um eine Übergangszeit des Misstrauens gegen das Geld, ausgelöst durch seine inflationäre Menge (siehe 20-iger Jahre).

    Insgesamt steht die Titanic mächtig unter Wasser. Das weiß auch Herr Metzler. In dieser Zeit wollen viele eben keine Schiffsbeteiligung (Aktien, ANleihen) erwerben, sondern lieber ein goldiges Rettungsboot.

  • Wenn Sie mal Charts richtig lesen würden, dann würden sie nicht schreiben, daß "Gold seit 6 Jahren kontinuierlich und seit 1 Jahr exzessiv steigt". Das ist nicht korrekt bzw. nur die halbe Wahrheit. Das Gold hatte sein letztes Tief Anfang 2001, steigt demnach jetzt bereits 10 Jahre an.
    Daß sich der Anstieg in den letzten Jahren in zwei Phasen beschleunigt hat (1. Phase "Lehman-Effekt" 2008-2011, 2. Phase drohender EU-Default 2011), hat mit exzessiv noch nichts gemein. Schauen Sie sich die Rallye 1979 bis 1980 an - das war exzessiv und eine Fahnenstange:
    http://www.chartbuero.de/gold.htm

    Natürlich kann das Gold korrigieren und sollte das auch - idealerweise bis auf 1000 USD. Selbst dann ist der Aufwärtstrend völlig intakt. Den Goldanleger in Euroland dürfte das nicht einmal viel jucken, da ein fallender Goldpreis traditionell mit einem steigenden Dollar einhergeht: Ergo fällt der Euro und das Goldpreis bleibt in Euro stabil bzw. fällt nicht ganz so stark.

    Und noch ein Wort zum Gold an sich: Gold ist neben Silber die einzige Währung der Welt, welche nicht beliebig vermehrt werden kann und wo kein Zahlungsversprechen dahinter steht. Versprechen werden immer wieder gebrochen, die Geldmengen permanent ausgeweitet.

    JEDE Papiergeldwährung der Welt ist in der Menschheitsgeschichte untergegangen, JEDE. Misst man den Wert von Papiergeld in Gold, dann stellen wir fest, daß es nicht das Gold ist welches im Preis steigt, sondern es sind die ungedeckten Papierwährungen, die im Wert fallen (ergo fällt der Kaufkraft):
    http://www.leap2020.eu/photo/art/default/1820160-2482111.jpg?v=1289457495
    http://www.propagandafront.de/wp-content/uploads/2011/01/bmg1.jpg

    Wo ist da ein Einstieg langfristig riskant?
    Angesichts der Probleme beim "Papier" bleibt nichts anderes als Sachwerte. Klar, de facto ist Gold wertlos, aber es gibt ja auch andere Dinge von bleibendem Wert wie z.B. Wald, Acker, u.ä. und nicht nur Papier(e), die in Extremis nur eines haben: Brenn- und Heizwert.

  • an Benutzer "Mischael"

    was heißt da Wohlstandsverschiebung. Wir haben nur noch einen 3D Fernseher und 2 Handies, die Chinesen haben 5 ?

    Wir HABEN DOCH SCHON ALLES ! Wir haben doch schon Wohlstand der nicht mehr mehr geht ! Wir sind doch schon ÜBERSATT !

    Das kann es nicht für alle Chinesen geben, das sprengt das System !

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